What a bastard!
Das Kino spuckt schon ungeheure Kuriositäten aus, wenn man den Leuten nur den nötigen Spielraum läßt. Hier paart sich das Roadmovie mit dem Krimi, ein kräftige Prise Tarantinoesmen wird darübergestreut und das alles mit witzigen One-Linern bestreut.
Funktionieren tut es trotzdem nicht besonders.
Im Grunde ist ein Zweikampf Kurt Russell vs. Kevin Costner, der hier im Anschluß an einen monströsen Vegas-Casinoraub entspringt. Nachdem die fünf Gangster in Elvis-Aufmachung unter Einbeziehung eines Blutbades ihre Millionen Dollar geraubt haben, entzweien schon bald Rivalitäten das Grüppchen, baldigst sind nur noch Russell und Costner am Leben, ersterer nur dank schußsicherer Weste. Und der stolpert nun mit einer ledigen Mutter (Courteney Cox) samt halbwüchsigem Jungen quer durch den Westen, wird betrogen und verhaftet, bekommt das Kind an die Backe und hat auch noch den früheren Partner an den Socken.
Die größte Frage, die sich stellt, ist: was soll das Ganze eigentlich.
Costner spielt hier einen kompletten Psychopathen, der alles und jeden aus dem Weg räumt, wenn es ihm gerade mal paßt, während Russell laut Drehbuch tunlichst bemüht ist, jeglicher Gewalt aus dem Weg zu gehen. Die Dreierkonstellation Gangster-Mutter-Kind nervt ungemein, weil hier jeder jeden bescheißt und das Kind zu den Filmbratzen gehört, die man pausenlos prügeln möchte, weil sie quertreibende Arschlöcher und natürlich perfekte Taschendiebe sind. Und diverse B-Stars wie Christian Slater, David Arquette, Howie Long, Kevin Pollak oder Ice-T geben in unwichtigen Bidparts auch noch fröhliche Urständ....
Über allem liegt der Wille zum Coolsein, aber die Elemente passen einfach nicht zueinander, denn kein Genre kann sich hier richtig entwickeln. Wann immer Road Movie die Oberhand gewinnt, fackelt Costner wieder eine Tankstelle ab, legt einen Sheriff im Duell um oder meuchelt unschuldige Autofahrer, um dann ein paar Worte abzulassen, die seine Handlungen auch nicht übersichtlicher erscheinen lassen. Zwischendurch spielen zwei Marshals die Jungs mit dicker Hose und werden doch nur für den Dauerfeuershowdown gebraucht, der auch nichts mehr retten kann.
Gewisse Bezüge zur Elvis-Manie (Costner soll eine Art unehelicher Sohn sein) finden sich an allen Ecken und Enden, ohne daß das dem Film was bringen würde, aber man muß ja den Titel rechtfertigen.
Vielleicht sollte es im Stil der guten, alten 70er werden, als Thunderbolt und Lightfoot noch die Straßen Amerikas unsicher machten, aber dafür hat „3000 Miles...“ eine zu schwache Struktur und kaum durchgehende Dramaturgie.
Es finden sich zwar immer Freunde für solche Kuriositäten, aber diese Seltsamkeit bringt den Zuschauer nun wirklich nicht weiter. (4/10)