"Der Mensch hätte nie die Verbindung zur Natur aufgeben dürfen. Wir müssen in Einklang mit unserer Umwelt leben."
"Der letzte Trapper" erzählt in halbdokumentarischer Form über das Leben des Norman Winther und seiner indianischen Freundin Nebraska in den kanadischen Rocky Mountains, die dort als Einsiedler und weitab von moderner Technik im Einklang mit der Natur leben. Ein Jahr lang begleitete ein Kamerateam insbesondere Norman Winther bei seinen Ausfügen in die Wildnis, den Materialkäufen in Dawson City sowie der Jagd und dem Verkauf von Pelzen. Das Verhältnis zwischen ihm und seinen Huskies (Schlittenhunde) steht dabei im Vordergrund sowie diverse bestechende Landschaftsaufnahmen.
Im dokumentarischen Sinne bereiten ganz besonders die vielen berauschenden Landschaftsaufnahmen Freude. Die hinreißenden Bilder von verschneiten Landschaften, hoch aufragende Berggipfeln, tiefen Tälern, ungewöhnlichen Felsformationen sowie dem Farbenspiel der Nordlichter sind definitiv das Highlight und durch gekonnte Kamerawinkel eingefangen.
Laut den Produktionsnotizen war das Drehen in der naturbelassenen Gegend sehr aufwendig. Da teilweise stattliche Minusgrade von unter 50 Grad herrschten, war es anfangs nicht sicher, ob das Filmmaterial unter diesen Umständen standhalten würde. Auch der Transport der Ausrüstung war sehr beschwerlich, wodurch viele Teile mit einem Flugzeug vor Ort gebracht wurden.
Leider hat Regisseur Nicolas Vanier einen schweren Fehler bei der Unentschlossenheit der Genrewahl getan. Statt einem durchgängigen Dokumentarfilm bettet er um seine Bilder eine Abenteuergeschichte. Diese erweist sich als so gestellt, dass die Natürlichkeit weitgehend verloren geht. So läuft zu Hauf ein "wildes" Tier immer dann vor die Kamera, wenn es für Geschichte gerade relevant ist. Wild in Anführungsstrichen, da sich bereits zum Abspann Ernüchterung breit macht. Dort wird erwähnt, dass eine Vielzahl der Tiere dressiert sind. Spätestens dadurch geht die Glaubwürdig verloren, denn nachgestellte Szenen mit dressierten Tieren haben nichts mehr mit einem realen Leben in der Wildnis zu tun.
Die Handlung der abenteuerlichen Dokumentation ist zudem sehr abgedroschen geraten. Zu keiner Zeit baut der Film einen Spannungsbogen auf, sondern reiht episodenhaft alltägliche Ereignisse um einen Blockhüttenbau, die Reise zur nächstgelegenen Stadt oder der Kontrolle von Fallen aneinander. Die zählbaren, tragischen Ereignisse, wie beispielsweise der Verlust eines geliebten und wichtigen Schlittenhundes, werden nur kurzzeitig und wenig emotional wiedergegeben. Hier baut der Film keinerlei Atmosphäre auf, was sehr widersprüchlich ist, denn die Beziehung des Trappers zu seinen Huskies steht schließlich im Vordergrung.
Hinzu gesellen sich jede Menge Logik- sowie Anschlussfehler, die durch die Grätsche zwischen Naturdokumentation und erzwungener Abenteuergeschichte entstehen.
An was es "Der letzte Trapper" im dokumentarischen Bereich mangelt sind insbesondere Details über das Leben in der Wildnis. Beispielsweise wird das Thema der Werkzeuge und Hilfsmittel, die der Trapper benötigt, nur kurz angeschnitten.
Die Filmmusik dudelt meist nur im Hintergrund, mit vielen klassischen Streichermelodien, vor sich her. Nur in zwei Szenen wird der Soundtrack den gezeigten, epischen Landschaften gerecht.
Als durchgängiger Dokumentarfilm hätte sich "Der letzte Trapper" sicherlich bewährt. Die gestellte Handlung macht die Natürlichkeit der Bilder zwangsweise zunichte und lässt nur selten Atmosphäre zu, zerstört gar gegen Ende die ökologische Botschaft. Eine konsequentere Umsetzung wäre hier sinnvoller gewesen. So ist die Naturdoku noch nicht mal mehr als solche anzusehen und bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.
3 / 10