Regisseur John Carpenter und Produzentin Debra Hill schufen 1978 mit „Halloween – Die Nacht des Grauens“ bekanntermaßen einen mittlerweile epochalen Horrorfilm und Klassiker des Slasher-Genres. Es wundert also nicht, dass im Zuge des Erfolgs dieser Independent-Produktion eine Fortsetzung her musste. So verpflichteten Debra Hill (die beim 2.Teil auch das Skript schrieb) und John Carpenter für die erste von mittlerweile 7 (!) Fortsetzungen 1981 den weitgehend unbekannten TV-Regisseur Rick Rosenthal, der „Halloween II“ dann auch inszenierte. Jamie Lee Curtis als Laurie Strode und Donald Pleasance als Dr. Sam Loomis aus dem ersten Teil waren auch wieder mit dabei. So entstand die beste Fortsetzung des Originalfilms (neben „Halloween H20“). Ironischerweise inszenierte Rosenthal dann auch mit „Halloween: Resurrection“ 2002 den 8. (und bis dato letzten) Teil der Reihe, der in Fankreisen wiederum als einer der schlechtesten „Halloween“-Filme gilt.
Nun zur Story: „Halloween 2“ knüpft nahtlos an die Geschehnisse des Originalfilms an: In der Nacht nach den Ereignissen vom Halloween-Abend 1978 wird die angeschlagene Laurie Strode in die Klinik von Haddonfield eingeliefert. Wie in „Halloween 1“ schon angedeutet konnte Michael Myers seine Erschießung überleben und fliehen und sucht seine Schwester noch in derselben Nacht im Krankenhaus heim. Dabei hinterlässt er natürlich eine lange Blutspur…
Rosenthal sah in „Halloween 2“ eher einen Thriller als einen Horrorfilm. So standen auch entsprechende Motive im Vordergrund: ein penibel aufgebauter Spannungsbogen, Andeutungen von Charakterzeichnungen und nur nebenbei einige blutige und brutale Tötungsszenen. Das hat „Halloween 2“ als Film sicherlich gut getan, enttäuscht aber Freunde des gepflegten Slasher-Films etwas. Atmosphärisch äußerst düster geraten, spart das Drehbuch aber nicht mit Einstreuungen von (manchmal ironischem, manchmal pubertärem) Humor. Das ist eher ungewöhnlich, wirkt aber glücklicherweise nicht lächerlich. Auch wenn einige Längen den Erzählfluss etwas stocken lassen und die Story wirklich nicht sehr tiefschürfend oder übermäßig originell ist, weiß der Film dennoch kurzweilig zu unterhalten und überzeugt mit einigen (eher seltenen) gut gemachten Ermordungsszenen.
Selbige sind allerdings auch nicht sehr blutig, wenn auch gewalttätiger und brutaler als im Original dargestellt, so dass die Beschlagnahmung der ungekürzten FSK-18-Fassung in Deutschland etwas verwundert. Ich persönlich halte das jedenfalls für eine typisch-deutsche übervorsichtige „Schutzmaßnahme“, denn im gesamten europäischen Ausland ist der Film schließlich frei erhältlich.
ACHTUNG: HIER EIN KLEINER „BRUTALO“-SPOILER: Zwei Szenen scheinen für die Beschlagnahmung verantwortlich zu sein: die Tötung einer Krankenschwester mit einer Spritze (es ist wirklich nicht viel zu sehen) und die Tötung einer anderen Krankenschwester durch Ertränken in heißem Wasser. Da beide Szenen in einem Close-Up gezeigt werden, wird dem Film wohl eine gewaltverherrlichende Tendenz vorgeworfen, welche in Medien strafrechtlich verfolgt wird und vermutlich zu dem Beschlagnahmebeschluss des Films geführt hat. Meiner Meinung nach ist das willkürliche Zensur und vollkommen lächerlich, aber egal, ich hab das JuSchG schließlich nicht erfunden. Zurück zum Film:
Abschließend bleibt zu bemerken, dass „Halloween 2“ ganz im Zeichen seines Vorgängers steht, und somit Suspense-Motive gegenüber sinnlosem Herum-Gemetzel im Vordergrund stehen. Stilistisch erinnert der 2. jedenfalls sehr an den 1.Teil und bildet mit ihm eine Einheit. Darstellerleistungen von der Curtis und Donald Pleasance sind wie auch im Original gut, auch der Spannungsbogen gefällt und der Film ist relativ kurzweilig. Auch Nicht-Fans von Horrorfilmen werden sich von „Halloween 2“ unterhalten fühlen und der Film hätte angesichts der recht miesen weiteren Fortsetzungen eigentlich eine noch bessere Bewertung verdient, wenn er nicht kleine verzeihliche dramaturgische Schwächen aufweisen würde.