Das Beste, was man über die Fortsetzung zu Halloween sagen kann, ist der Entschluß der Filmemacher, praktisch genau dort anzuknüpfen, wo der erste Teil geendet hat und die Geschichte dieser Nacht dann fortzuführen.
Ansonsten gibt es leider nichts wirklich Positives zu berichten. Der Regie-Newcomer Rosenthal, der sich an dem Kult-Stoff versucht hat, ist eifrig bemüht, die Methoden und Techniken Carpenters zur Spannungsgewinnung zu kopieren, entwickelt jedoch keinerlei eigenen Stil, so daß man sich an ein Plagiat erinnert fühlt. Dafür erhöht sich jedoch der Body-Count beträchtlich, was das Original noch gestreng vermied.
Leider ergibt das zwangsläufig noch keinen besseren (oder gleichwertigen) Film.
Die Story folgt Laurie in das ansässige Krankenhaus, wo dann der größte Teil der Handlung auch spielen darf. Wie schon viele Kritiker vor mir, kann auch ich mich nur amüsieren über diesen Tempel der Heilkunst, in dem sich zur tiefsten Nachtzeit an einem Feiertag (an dem es zumindest reihenweise Schnapsleichen und Unfallopfer geben müßte) nicht mehr als ein Arzt, drei bis vier Schwestern und zwei Pfleger/Krankenwagenfahrer aufhalten, incl. Wachmann (überfettet) und einem (in Zahlen: 1)Patienten (Laurie) und einiger Neugeborener, offenbar ohne die dazugehörenden Mütter (die, wie zu vermuten ist, gerade feiern sind).
Da die Auswahl an Opfern eh gering ist, bleibt dem guten Michael dann auch nichts anderes übrig, als alle, die zufällig anwesend sind, auf möglichst phantasievolle Weise zu meucheln, weil ihn das Drehbuch Jamie Lee Curtis einfach nicht finden lassen will.
Wozu diese Anstrengung, bei einem seelenlosen Monstrum wie Myers? Das bleibt unserer Phantasie überlassen. Vielleicht, um dem Geschehen überhaupt etwas Interessantes abgewinnen zu können, denn außer einigen Morden hat die Story dem Zuschauer nichts zu bieten. Zwar kommt heraus, daß Michael Lauries lang eingekastelter Bruder war und ein Bezug zu Samhain, dem nordischen Totengott ist auch auf eine Wand geschmiert, nur bringt das uns leider nichts.
Der Bezug ist aus dem Zusammenhang gegriffen, bedeutungslos und bringt Pleasence lediglich zu einer Kausalkette, die komplett hanebüchen ist und die Enthüllung der Familienverhältnisse kommt kaum überraschend, da man mittels einiger Traumsequenzen schon genügend darauf hingewiesen wurde.
Bleiben also die Morde, denen ein niedriger Unterhaltungswert nicht abgesprochen werden soll, die aber eine Indizierung bzw. Beschlagnahmung in keinster Weise rechtfertigen. Weder das Ersaufen in kochendem Wasser, noch das Ausbluten und erst recht nicht die berühmte Spritze ins Auge bringen das Blut in Wallung. Letztere Szene, die immer noch wie ein Fanal durch das Horror-Fandom geistert, ist vollkommen blutfrei und entsprechend detailarm. Lediglich die Vorstellung ist ein wenig geschmacklos. Darüber hinaus gibt es noch diverse Messeropfer, die sich allesamt so dumm und dämlich verhalten, daß sie es nicht anders verdient haben, als das Filmende nicht zu erleben.
Überhaupt ist ein Merkmal dieses Nachziehers das unglaublich unlogische Verhalten sämtlicher Anwesender, womit das Vorurteil entkräftet wird, Videofreaks hätten zuwenig Bewegung, weil sie sich in diesem Fall permanent an den Kopf fassen müssen.
Ansonsten dominieren die Längen in diesem 90-Minuten-Film, der wie über zwei Stunden wirkt, weil so extrem wenig passiert. Aufnahmen von Klinikkorridoren gibt es leider zu viele und Jamie Lee Curtis verbringt den Hauptteil ihrer Szenen betäubt im Bett, halbbetäubt in irgendeiner Ecke oder angesichts Michael Myers plötzlich putzmunter und äußerst flink auf der Flucht. You got the joke? Selbstverständlich verlassen sie die Kräfte, wenn es die Dramatik erfordert, bis es zur finalen Konfrontation kommt, bei der sowohl der Doktor als auch Michael ihr Leben verlieren, was ungeklärt läßt, warum Pleasence im vierten Teil wieder putzmunter durch die Gegend läuft.
Inszenatorisch ist das alles äußerst bieder, selbst die spannungsfördernd gedachte Szene mit dem angeblichen Tod Myers am Anfang ist technisch so schlecht umgesetzt, daß kein Schwein darauf reinfällt. Darüber hinaus sind sämtliche Sets erbärmlich ausgeleuchtet, was die Orientierung beinahe unmöglich macht.
Ein fröhliches "Guten Morgen" auch an die lieben Synchronautoren, die es fertig bringen, die Anfangsszene/Schlußszene von Teil 1 neu zu texten, so daß jeglicher Kultfaktor verloren geht.
Fazit: Ein sich ewig hinziehender Nachfolger zum Klassiker, der den Finger nach einer halben Stunde permanent auf der Vorspultaste ruhen läßt. Und bei weitem kein "Muß" für Horrorfilmfans (3,5/10).