Ein Film- ein Mythos. Ein Mythos deshalb, nicht unbedingt weil er so gut ist, sondern schon eher aufgrund der Tatsache, dass er bundesweit beschlagnahmt wurde. Zu unrecht, denn er ist wohl die beste Fortsetzung zum klassischen Halloween, der jemals in Szene gesetzt wurde. Und das wohl zum größten Teil deshalb, weil er nahtlos vom ersten in den zweiten Teil übergeht. Wir befinden uns immer noch in der Halloween Nacht des Jahres 1978, und der seelenlose Killer ist verschwunden. Es wurde sechs mal auf ihn von seinem Psychiater Dr. Sam Loomis geschossen, doch Er konnte fliehen. Jetzt erfährt der Zuschauer das, womit er am Ende des ersten Teils allein gelassen worden war: Wohin ist Michael Myers geflohen? Was macht er? Wohin führt ihn sein Weg?
Glänzend vom Regisseur Rick Rosenthal übernommen, schafft er es den Zuschauer erneut in die Haut von Michael Myers schlüpfen zu lassen, und ihm somit zu vermitteln, wo sich Myers nun befindet und was er als nächstes vorhat. Denn er ist immer noch auf der Suche; auf der Jagd nach seinem Hauptopfer des ersten Teiles: Laurie Strode, der Babysitter. Und in dieser Fortsetzung kommt auch die Antwort auf die Frage des „Warum?“ des Vorgängers auf, und wir erfahren den Grund, der unerbittlichen Jagd des gestörten Killers auf Laurie.
In meiner Review zum ersten Teil bin ich bewusst mit keinem Wort auf Laurie Strode eingegangen, weil ich das Hauptaugenmerk auf den Killer, den Protagonisten des Filmes lenken wollte. Die von Jamie Lee Curtis verkörperte Figur bekommt meiner Meinung nach erst im zweiten Teil die Bedeutung zu, die ihr auch gebührt. Ich habe viele Kritiken gelesen, und fast jede war der Meinung, dass die Darstellung der Laurie durch Curtis im zweiten Teil an Farbe und Glanz verliert, weil sie auf ein kreischendes, davonlaufendes und keuchendes Opfer reduziert wird. Das stimmt nicht, denn wir erfahren, warum sie davon laufen muss: Sie ist die Schwester von Michael Myers, und sein Werk ist erst vollendet, wenn sie tot zu seinen Füßen liegt. Man kann in einem zweiten Teil, der nahtlos an den ersten anknüpft, nicht erneut auf den Charakter eingehen, so ausführlich, wie es im ersten Teil geschehen ist und auch musste. Man muss den Charakter fortsetzen, und ihn seiner Situation entsprechend ausbauen und auch anpassen. Und das hat Rosenthal perfekt geschafft. Und Curtis überzeugt demnach auf ganzer Linie, denn zugegeben hat sie nicht viel Möglichkeiten ihren Charakter zu profilieren, aber die wenigen, die sie hat, weiß sie sehr überzeugend und hervorragend aus zu nutzen.
Nun befinden wir uns an einem Zeitpunkt in der Nacht, der das Verborgene und das Stille des ersten Teiles nicht mehr beibehalten kann. Die Medien sind aufmerksam geworden, Fernsehteams sind in Haddonfield angekommen und berichten von den Morden an Jugendlichen, und nun erfährt auch die Öffentlichkeit den Namen des mutmaßlichen Täters: Michael Myers. Und das führt uns zu einem weiteren, oft erwähnten Kritikpunkt des zweiten Teils: Es wird kritisiert, dass der Killer Michael Myers so überpräsent ist. Er ist zu sehen, wie er in der Stadt herumläuft, einen Jungen anrempelt und er ist ständig auf den Überwachungskameras des Krankenhauses zu erkennen. Er ist von einem Schatten zu einem stets präsentem Individuum geworden, das alles mystische und geheimnisvolle verloren hat.
Und genau das ist in meinen Augen das einzig Richtige was man hätte tun müssen, um seinen Charakter weiter auszubauen. Er muss jetzt präsent sein, er muss zu sehen sein, denn wir kennen ihn nun, diesen Massenmörder, er hat jetzt ein Gesicht, dass wir kurz im ersten Teil sehen konnte, als Laurie ihm im Kampf die Maske herunter gerissen hatte. Es muss in einem zweiten Teil immer eine Steigerung des Ganzen geben, sonst wirkt eine Fortsetzung, wie ein billiges Imitat seines Vorgängers. Das gilt auch für die Mordszenen. Wobei das nicht unbedingt sein muss, jedoch meiner Meinung nach dem Film in keiner Weise schadet, sondern nur hilft. Laurie wird also in das Haddonfield Memorial Hospital gebracht, und dort findet sie auch ihr Bruder. Das nun das Geschehen sehr auf das Krankenhaus reduziert wird, ist zwar ein wenig einseitig, aber keineswegs langweilig und einfallslos. Die Nacht des Schreckens nähert sich ihrem Höhepunkt und Dr. Loomis erfährt von seiner Kollegin des ersten Teiles den Grund des Jagens und macht sich auf den Weg ins Krankenhaus. Wieder einmal überzeugt der Charakterdarsteller Pleasence in der Rolle des leicht exzentrischen Doktors, und bietet seriöse Unterhaltung.
Das Finale des Films, und gleichzeitig auch das des ersten Filmes, ist genau betrachtet eines der besten, das die Filmgeschichte zu bieten hat. Noch einmal bietet Myers all seine Kräfte gegen seine Widersacher auf, kämpft bis zum letzten Atemzug, damit er sein Ziel erreichen kann, doch scheitert tragisch. Am Ende siegt das Gute über das Böse, und der Blick von Laurie am Ende des Filmes lässt eine letzte und entscheidende Frage in uns aufkeimen: Wie hoch ist der Preis, den das Gute bezahlen musste um Herr über das Böse zu werden?
Am Ende hat Laurie alles verloren. Ihre Freunde, ihre Unbekümmertheit und ihr Lachen. Alles das, nur um zu leben. Will sie so überhaupt leben? Scheint sie sich in dieser letzten Einstellung des Filmes zu fragen, und kriegt keine Antwort.