Review
von Leimbacher-Mario
Weniger Angst, mehr Schrecken
Im Monat, in dem Michael Myers auf die Kinoleinwand zurückkehrt und seine bisherige Historie revidiert wird, war es Pflicht auch "Halloween II" noch einmal zu sehen. Denn er ist wirklich eine starke Ergänzung zum Original. Er setzt definitiv andere Schwerpunkte, ist wesentlich zeigefreudiger und direkter. Es gibt nackte Tatsachen und genug Blut, es gibt viel mehr Opfer und wesentlich mehr Action - dass die Slasherwelle schon ganze drei Jahre rollte, ist nicht zu übersehen. Das nimmt natürlich etwas das Flair und die pure Angst des Originals, vom fehlenden Carpenter-Flair ganz zu schweigen, doch für sich genommen macht man mit dieser originalen Fortsetzung gar nichts falsch, wenn man sie direkt nach dem Erstling einlegt. Er setzt noch während des ersten Teils ein und zeigt uns nochmal, dass Michael in besagter Halloweennacht noch immer auf der Flucht ist. Währenddessen wird Laurie in das nächstgelegene Krankenhaus gefahren, was den berühmten Messerschwinger selbstredend schnell in die Notaufnahme lockt - da er eine persönliche Verbindung zur hübschen Teenagerin (obwohl die Curtis schon sichtbar älter geworden war) zu haben scheint...
"Halloween II" kam etwas spät und er ist nicht der hellste, kreativste oder garstigste Versuch an das megaerfolgreiche Original anzuknüpfen - doch er geht nach vorne und macht keine halben Sachen. Die ganz Angst, die man vor Michael in seinem (rückblickend recht) zahmen ersten Auftritt aufgebaut hat, setzt er nun sozusagen in Taten um. Er hämmert, er schlitzt, er würgt und er verbrennt eine gut gebaute Blondine sogar im provisorischen Whirlpool - der Mann ist zwar stoisch, aber nicht lernresistent. Schade ist, dass die Curtis die meiste Zeit apatisch in ihrem Krankenbett verbringt, aber immerhin darf sie am Ende etwas schreien und durch das geisterleere Hospital humpeln. Das Setting ist gruselig genug und wurde bis heute gar nicht mal soo oft derart zweckentfremdet, der (leicht versierte) Score zieht noch immer und der Showdown inkklusive brenndendem Myers ist bockstark. Es ist im Grunde der perfekte Abschluss dieser blutigen Geschichte, dieser mörderischen Nacht. Aber ruhen lassen, konnte man Michael natürlich nicht in Frieden...
Fazit: eine solide, blutige und straighte Fortsetzung der Nacht, in der er nach Hause kam, die bis zu diesem Jahr von den Michael Myers-Sequels nicht mehr getoppt wurde. Tolles Double Feature mit dem unerreichten Original. Michael metzelt sich durch ein Krankenhaus - was kann man da nicht mögen?!