Review

ACHTUNG SPOILER

Wer nicht über einzelne Details des Films informiert werden möchte, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Story:
Es ist immer noch der 31. Oktober 1978. Nachdem Dr. Loomis sechs Schüsse auf den psychopathischen Michael Myers abgefeuert hat und dieser daraufhin von einem Balkon stürzte, muss Loomis feststellen, dass der ‚schwarze Mann’ - trotz seinen Verletzungen - verschwunden ist. Laurie Strode, die Myers um Haaresbreite entkam, kommt, geschockt und am Ende ihrer Kräfte, in das Krankenhaus von Haddonfield, während draußen die fieberhafte Suche nach Myers weitergeht. Was bis dato nur vermutet werden konnte, bestätigt sich schon bald: der Geisteskranke hat überlebt und verfolgt sein wehrhaftes Opfer fanatisch bis in das Krankenhaus, wo er, auf der Suche nach ihr, die Anzahl des Personals innerhalb kurzer Zeit dezimiert - bis Laurie merkt, dass sie noch immer um ihr Leben bangen muss…

Bei der wohl berühmtesten Slasherreihe aller Zeiten verhält es sich nicht anders als bei der Konkurrenz: die Originale sind meist sehr gut bis schlichtweg kultig und die Fortsetzungen werden daran gemessen. Insofern konnte es HALLOWEEN II gar nicht leicht haben, denn das, was es da aus dem Jahre 1978 fortzusetzen galt, war ein dicker Brocken. Da ich das Sequel weder superstark noch grottig finde, will ich ihn hier ohne irgendwelche Vorurteile mal objektiv bewerten.

Pünktlich zu Halloween 1981 war es wieder so weit. Michael Myers kehrte zurück um das Publikum einmal mehr in Angst und Schrecken zu versetzen. Da der erste Teil drei Jahre zuvor zum erfolgreichsten Independent – Film aller Zeiten aufgestiegen war und auch im Horrorgenre sämtliche Erfolgsgrenzen zu brechen schien, war es klar, dass auch Teil 2 höchstwahrscheinlich ein großer Wurf werden könnte, zumal der Film zu einer Zeit produziert wurde, in welcher die durch HALLOWEEN losgetretene Slasherwelle das Genre revolutionierte und das Geld in die Kinokassen spülte wie warme Semmeln. Die Erfolgsmarke des Vorgängers erwies sich als schlichtweg nicht zu überbieten, doch $25 Mio. Kinoeinnahmen sprachen Bände.

Schön ist, dass man es schaffte, die Leute mit an Bord zu holen, die bereits den ersten HALLOWEEN auf die Beine gestellt hatten. So übernahm zwar Rick Rosenthal die Regie, John Carpenter fand sich jedoch erneut als Autor wieder und zeigte sich auch als Mitverantwortlicher für die (dieses Mal deutlich schwächere) Filmmusik. Auch Myers – Schöpferin Debra Hill wirkte am Drehbuch mit. Und mit der unvergesslichen Jamie Lee Curtis und Donald Pleasence als Samuel Loomis konnte der Film im Gegensatz zu dem ebenfalls 1981 erschienenen Konkurrenzprojekt FREITAG DER 13. – TEIL 2 in der Kategorie Schauspieler schon mal Pluspunkte verbuchen.
Auch der Härtegrad wurde nach oben geschraubt. Zwar kam HALLOWEEN noch ohne jeglichen Splattereffekt aus, doch nach Filmen wie BRENNENDE RACHE (1979) oder FREITAG DER 13. (1980) konnte man als jemand, der weiß was das Publikum zur Zeit sehen will, nicht dieselbe Story um einen messerschwingenden Irren ein zweites Mal blutleer verzapfen. Deutlich kompromissloser als vorher geht Michael Myers zu Werke und dementsprechend sehen seine Opfer auch aus. Das alles hatte hierzulande natürlich eine Beschlagnahmung zur Folge, die bis heute nicht wieder aufgehoben wurde, was schon recht lächerlich ist. Leider Gottes retteten die Bluteffekte den Film nicht vor den anderen Mängeln, welche das Original nie hatte.


In erster Linie etwas negativ ins Auge gefallen ist mir der Regiestil von Rick Rosenthal. Der gute Mann schien Michael Myers als eine Art Maschine darstellen zu wollen (oder zu müssen?). Sicher, die Figur ist nach wie vor düster und Furcht einflößend, doch dieser gewisse Charakter eines Phantoms, das im Hintergrund herumschleicht und schlichtweg überall und allgegenwärtig eine beständige Bedrohung verkörpert, geht in diesem Film leider flöten, da man Michael Myers einfach etwas zu oft sieht, wie er mal hier, mal da durchs Bild läuft. Spannungstechnisch hätte man auch durchaus ein paar Kastanien mehr aus dem Feuer holen können, die einzelnen Figuren stellen sich teilweise derart dumm an und tappeln einer nach dem nächsten leichtsinnig wie eh und je durch dunkle Flure und Zimmer, dass man meinen könnte, sie wollten geradezu gekillt werden. Das hatte ein John Carpenter noch viel perfider zu inszenieren gewusst; drei Jahre zuvor entstand die eigentliche Spannung durch die quälende Ungewissheit, wo Michael Myers ist und wann er zuschlägt, denn man sah ihn zwischenzeitlich immer wieder im Hintergrund plötzlich auftauchen und wieder verschwinden, der erwartete Schock wollte und wollte aber nicht kommen. Hier stapft der Schlächter von einem Raum zum nächsten und läuft wie schon gesagt einfach zu oft durch die Linse, so dass man meistens eine recht klare Vorstellung hat, wo er gerade lauert. Das ist vielleicht sogar der wesentlichste Schwachpunkt von Teil 2.

Sehr schön jedoch ist, dass man nach wie vor viel Wert auf eine finstere und suggestive Atmosphäre setzte. Da der Film die ganze Zeit über bei Nacht spielt und die Bilder allesamt sehr dunkel und düster wirken, kommt tatsächlich wohliger Grusel auf. Die Kulisse ist dieses Mal ein Krankenhaus (das Haddonfield Memorial Hospital), welches mit seinen vielen Gängen und Räumen einen recht undurchdringlichen Eindruck vermitteln, der die Atmosphäre logischerweise unterstützt. Die Situation erscheint hier zwar nicht mehr ganz so Gänsehaut erzeugend wie die ruhige, nächtliche Vorortsstraße aus Teil 1 da sich durch die Pfleger (zunächst) stets einige Personen in Lauries Nähe aufhalten, doch sobald die allmählich beginnen zu verschwinden, wird auch dieser Schauplatz zum einsamen Labyrinth, in dem man lieber nicht selbst stecken möchte. Fraglich bleibt, weshalb Laurie die einzige Patientin in dem riesigen, mindestens fünfstöckigen Bau zu sein scheint. Fraglich bleibt dann auch, wieso ein solcher Bau in dem als ‚Kleinstadt’ bezeichneten Haddonfield steht. Da Logik aber so oder so nicht die größte Stärke der Reihe ist, will ich mich hier jetzt nicht verlieren.

Wer HALLOWEEN II als vorhersehbar bezeichnet, hat Recht. Wer sagt, dass die Fortsetzung keinerlei Neuerungen mit sich bringt, hat Recht. Wer sagt, HALLOWEEN II wäre schlecht, der hat sich wohl aus Versehen den dritten Teil angesehen. Die erste Fortsetzung der inzwischen achtteiligen Reihe führt die vom Erstling vorgegebene, finstere Optik und schweißtreibende Atmosphäre so gut fort, wie sie kann. Wenn der Wachmann im Alleingang das aufgebrochene Lagerhaus inspiziert, kann man schwitzige Handinnenflächen und ein leichtes Kribbeln im Bauch nicht abstreiten. Auch die Idee, den Film in der selben Nacht spielen zu lassen wie den ersten, ist in meinen Augen immer noch besser, als wenn Michael Myers drei Jahre später aus unerfindlichen Gründen wiedergekehrt wäre, wie es später dann ja leider immer wieder der Fall war. Wer unvoreingenommen an die Sache herangeht, wird mit einem düsteren, blutigen und durchaus spannenden Slasher belohnt, bei dem lediglich das Finale unspannend und zu dick aufgetragen daherkommt. Den Film ungeschnitten in Deutschland zu kriegen, ist nicht ganz so einfach, da die BPjS ihn vor Ewigkeiten verbieten ließ. Die ungeprüfte DVD von ASTRO ist wohl immer noch die beste Möglichkeit, auch wenn die Qualität nicht gerade die Beste ist. Auf keinen Fall zu der 16er – DVD von BEST ENTERTAINMENT greifen, nur weil hinten drauf ‚Original Kinofassung’ steht – Bild und Ton sind unter aller Sau, es gibt keinerlei Extras, die Hülle ist hässlich und die Fassung ist aufs allerübelste geschnitten worden.

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