Review
von Alex Kiensch
Schon der Vorspann zeigt die Richtungsänderung: Der Horror-Klassiker "Halloween" kam mit einem ausgehöhlten Kürbis, der von einer Kerze beleuchtet wird, aus, während die Credits abliefen. Die drei Jahre später entstandene Fortsetzung beginnt ebenso, lässt diesen Kürbis aber bald zerbrechen und darunter einen Totenschädel hervorkommen. Mit diesem Prinzip der Schreckenssteigerung versucht Regisseur Rick Rosenthal, "Halloween 2" die nötige Spannung und Gruselintensität zu verleihen, die eine gelungene Fortsetzung braucht - nicht immer mit Erfolg.
So sind zahlreiche Gruselszenen doch recht konventionell und vorhersehbar inszeniert, etwa wenn der dicke Nachtwächter eine Tür schließt und dahinter plötzlich der Serienkiller Michael Myers steht. Auch bleiben einige Handlungen der hauchdünn gezeichneten Figuren ziemlich dümmlich und unglaubwürdig, und von einigen haarsträubenden Logikschnitzern (wenn es etwa um Michaels Alter geht) soll hier mal gar nicht die Rede sein. Inhaltlich bietet diese erste Fortführung eines Genre-Klassikers also nicht wirklich etwas Neues und auch die inszenatorische Klasse und symbolische Tiefgründigkeit wird trotz deutlich höherem Budget zu keinem Zeitpunkt erreicht. Also eine von vielen misslungenen Fortsetzungen?
Von wegen: Denn der Handvoll unspannender Gruselattacken stehen mindestens ebenso viele gelungene Schocksequenzen gegenüber. Am besten wird "Halloween 2" immer dann, wenn er auf zwei Bildebenen arbeitet: Immer wieder taucht Michael Myers im Hintergrund auf, während im Vordergrund seine nichtsahnenden Opfer ihren Verrichtungen nachgehen. Grausiger Höhepunkt in dieser Hinsicht ist ein lautlos sich im Bildhintergrund abspielender Mord, während sich im Vordergrund eine nackte Schönheit in ein Handtuch wickelt.
Überhaupt fallen hier Mord- und Gewaltszenen zahlreicher und drastischer aus als im Original, das eher mit Atmosphäre punktete. Aber auch "Halloween 2" baut einen sehr intensiven Spannungssog auf: Die dunkel gehaltenen Bilder von nächtlichen Straßen und leeren Krankenhausgängen können ebenso für Gänsehaut sorgen wie der nur leicht bearbeitete, geniale Grusel-Soundtrack. Die berühmte "Halloween"-Musik hat auch im zweiten Teil nichts von ihrer beängstigenden Kraft verloren, sodass selbst Szenen, in denen eigentlich gar nichts passiert, vor drohendem Unheil schier zu platzen scheinen.
Auch ist ein großer Pluspunkt, dass "Halloween 2" noch in derselben Nacht einsetzt, in der der erste Teil endete. Laurie wird in ein Krankenhaus gebracht, wo bald auch Michael Myers auftaucht, um sein Werk zu vollenden, während Dr. Loomis - verkörpert von Donald Pleasence, der sich hier vollends zum faszinierend-charismatischen Gegenspieler des Bösen entwickelt - durch die Stadt irrt, um den Wahnsinnigen zu stoppen. Diese inhaltliche Kohärenz verleiht der Fortsetzung viel mehr Gewicht, als wenn sie einen ganz neuen Ansatzpunkt gewählt hätte. Und der berühmt-berüchtigte Serienkiller Michael Myers funktioniert immer noch hervorragend als personifizierte Schreckgestalt: wenn etwa seine weiße Maske geisterhaft aus der Dunkelheit auftaucht oder er mit unmenschlicher Ruhe auf seine Opfer zuschreitet.
Auch wenn "Halloween 2" also an typischen 80er-Jahre-Teenie-Splatter-Klischees krankt und nicht immer alles ganz logisch vor sich geht, kann er als gelungene Fortsetzung eines der großen Genre-Klassiker jedem Fan empfohlen werden. Spannend, brutal und actionreich ist er allemal - für einen kurzweiligen Horror-Abend absolut ausreichend.