Ein letztes Mal durfte Ninja-Spezi Sam Firstenberg („Revenge of the Ninja“, „Ninja III: The Domination“) für Cannon ran, um zum dritten und damit auch vorletzten Mal (zum Thema „Quicksand“ schweigt man besser...) mit Michael Dudikoff („Avenging Force“, „Soldier Boyz“), der seit „American Ninja“ immerhin schon einen zweiten Gesichtsausdruck gelernt hat und nun schon fast als Schauspieler durchgeht, zusammenzuarbeiten.
Die Budgets waren großzügig, das Studio mitten in seiner Blüte und so kann auch „American Ninja 2: The Confrontation“, genau wie alle nahezu alle Cannon-Produktionen dieser Zeit, mühelos für schnörkellose B-Unterhaltung garantieren. Im übrigen gibt hier ein gewisser Avi Lerner sein U.S. – Debüt als Produzent. Der Mann, der in den Neunzigern es seinen beiden Landsmännern Yoram Globus und Menahem Golan nacheifern sollte und mit Nu Image eine langlebige B-Klitsche ins Leben rief.
Wer den Vorgänger mochte, wird sich auch sehr fix in „American Ninja 2: The Confrontation“ zurechtfinden. Joe Armstrong (Dudikoff) wird zusammen mit seinem Kumpel Curtis Jackson (Steve James, „American Ninja“, „Avenging Force“) vom Pentagon auf irgendeine (?) Karibikinsel geschickt, weil dort ein paar Marines verschwunden sind. Als Angehörige der Army ist vor Ort aufgrund der ewigen Rivalität zwischen den beiden Truppengattungen natürlich zunächst nicht gut Kirschen essen, aber weil die Sonne scheint, das Meer blau ist und überhaupt hier alles schwer nach Urlaub aussieht, wischt man dieses anfängliche Problem schnell beiseite. Dafür tauchen beim erstbesten Wasserskiausflug gleich Horden von Ninjas am Strand auf, die es für Armstrong und Jackson zu vermöbeln und erstechen gilt. Schon wieder die schwarzen Plagen aus dem Vorgänger?
Mitnichten, denn was das Duo ohne große Mühe herausfindet, würde Bond-Filmen zu Ehren gereichen. Denn auf einer Nachbarinsel herrscht dank großzügiger Bestechungsgelder an die lokalen Institutionen der größte Drogendealer der Welt über eine genetisch gezüchtete Ninja-Armee, die die Drecksarbeit erledigt. Nebenher wird allerdings auch noch einer Serie 6-Millionen-Dollar-Männer gebastelt und die rechte Hand, ein mordsmäßig fieser Krieger, fühlt sich dort ebenfalls heimisch. Eine eigene Kampfarena hat man auch und die Investoren prügeln sich fast darum, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Die Logik geht wie erwartet bereits früh wieder über Bord. Niemand hinterfragt beispielsweise, warum das von Armstrong kurzerhand wieder reparierte Boot so plötzlich wieder Fahrt aufnehmen kann. Dafür gibt es dann Action satt und zwar nicht zu knapp. Alle paar Minuten muss sich Dudikoff mit Horden von Ninja im Dschungel, in Gebäuden oder auch mal in Seitengassen und Hinterhöfen herumschlagen. Die Martial-Arts-Choreographie ist gemessen an der Tatsache, dass Michael Dudikoff auf dem Gebiet beileibe kein Experte ist, gut, eigentlich macht es aber die Masse. Die maskierten Gegner werden durchbohrt, angezündet, man wirft ihnen spitzes Gerät in die Fresse oder man bricht ihnen halt das Genick, überfährt sie oder lässt sie explodieren. Da die Jungs wie Unkraut aus dem Boden sprießen, kennt Armstrongs Kreativität keine Grenzen bezüglich tödlicher Methoden. Der Härtegrad ist dabei moderat.
Die Patriotismus-Keule bleibt im Sack, was auch mal gut tut. Nur wenn dann eigentlich alle im Finale abgeschlachteten Amis wieder auferstehen und ihre Kameraden begrüßen, mutet das schon ein wenig albern an. Genauso wie dieser Brüllaffe von Sergeant, der unser Duo zur Begrüßung erstmal zur Sau macht.
Humor wird im Vergleich zum Vorgänger dank Steve James, der in einer Bar-Prügelei deutlich auf den Spuren Bud Spencers wandelt, ohnehin größer geschrieben. Der Film endet zwar nie in einer Lachorgie, aber den einen oder anderen, auflockernden, witzigen Moment hat der Film kurzfristig zu bieten, bevor sich wieder dem ernsten Tagesgeschäft gewidmet wird.
Schauspielerisch bleibt wie erwartet nicht viel hängen. Michael Dudikoff kann man immerhin einen Fortschritt attestieren, während Steve James mit seiner brachialen, unbekümmerten Art und seinem Humor mehr Sympathien als der eigentliche Hauptdarsteller einstreicht. Der noch junge Larry Poindexter (war um die Jahrtausendwende oft bei Phoenican Entertainment zu sehen) wirkt mehr wie ein Waschlappen, als wie ein Marine und Cannons Martial-Arts-Choreograph Mike Stone (u.a. auch bei „Enter the Ninja“ und „American Ninja“ tätig) geht hier nicht nur seinem Job nach, sondern darf gleichzeitig zeigen das er entstellt auch einen passablen Endgegner abgeben kann. Seinem finalen Kampf gegen Dudikoff geht auch eine ausufernde Megametzelei mit einer Horde Ninjas vorweg, während die Amis von draußen (auch hier findet man die Cannon-typische „Stürmt am Ende die Basis des Oberbösewichts“ – Szene vor) schon mal anklopfen.
Fazit:
Für Trauer bleibt da keine Zeit und auch was aus der Tochter des Professors wurde, interessiert am Ende nicht mehr. Dank der exotischen Südseekulisse, Sam Firstenbergs flotter und kompetenter Inszenierung, einem hohen Ninja-Count, jeder Menge Action, etwas Humor und einer zweckmäßigen, spannungsarmen Story kann man auch mit „American Ninja 2: The Confrontation“ nichts verkehrt machen. Die Plotholes sind kein Anlass zur Kritik weil typisch und außerdem entschädigt dafür das exotische Südseeflair. Ich liebe diese naiven Relikte der Achtziger...
Quizfrage zum Schluss: Wer verlässt eigentlich zu Beginn das Büro des Captains zusammen mit Steve James? Michael Dudikoff ist das nämlich nicht ;)