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Michael Dudikoff hat einen entscheidenden Vorteil: Im Unterschied zu Steven Seagal und Chuck Norris hat er zumindest drei Gesichtsausdrücke im nichts desto trotz recht überschaubaren Schauspielrepertoire. Hat ersterer erst vor Kurzem in Machete wieder gezeigt, dass es besser ist, wenn er auch wegen seiner inzwischen jegliche elegante Bewegung unterbindenden Körperfülle nur irgendwo rumsitzt und Blödsinn erzählt, gelingt Chuck der Mörderpuppe das Kunststück, Wiedersehensfreude, Trauer und Wut im Angesicht des Wiedersehens mit seiner vietnamesischen Frau und deren späterer Ermordung auszudrücken - so gesehen in Missing in Action III. Dude Michaelkoff schafft es immerhin, sich nach erledigter Mission in American Fighter 2 ein verschmitztes Lächeln abzuringen.

Und da sind wir auch schon bei dieser unsäglichen Fortsetzung eines Fast-schon-Klassikers des Actionfilms. Immerhin hatte es bis American Fighter trotz der Nähe zum allerdings genretechnisch anders gelagerten Karate Kid fernöstliche Kampfkunst nicht wirklich im breit rezipierten amerikanischen Actionfilm der 80er Jahre gegeben und diese schwarz vermummten Typen hatten irgendwas Cooles an sich. Hatten - in Teil 1. In Teil 2 ist deren Reiz verflogen und der aufmerksame Zuschauer richtet sein Hauptaugenmerk auf Story und Actionchoreografie, die gegen den dahingehend noch nicht einmal wirklich großartigen Vorgänger ordentlich abstinken.

Zwar saß Sam Firstenberg wieder auf dem Regiestuhl, darf Michael Dudikoff wieder ständig angezogen, der spaßige Steve James (Delta Force) sinnloser Weise oberkörperfrei den Feind vermöbeln - und das wieder an einem exotischen Schauplatz. Doch ist die Waffenschieber-Korruption-Storyline einer abstrusen um künstlich gezüchtete Gen-Ninjas gewichen, die neben Jason Scott Lees fleischbergiger Erscheinung in Star Force Soldier irgendwie besser ausgesehen hätten als in diesem Abenteuerurlaubsclip mit gefährlichen selbstparodistischen Ingredienzien. Hier ist eine Kneipenschlägerei zu Karibik-Mucke zu nennen, in denen die bösen Buben in Überzahl von jetzt auf gleich depperterweise ihre Ketten und andere potenziell schmerzhaften Schlaginstrumente gegen ihre Fäuste eintauschen und James in bester Bud Spencer-Manier mit depperten Sprüchen auf den Lippen das Lokal in seine Einzelteile zerlegen und seinen Gegnern nicht zu knapp auf die Omme geben darf.

Auch weitere idiotische Actionszenen entbehren nicht einer gewissen, dann aber unfreiwilligen Komik. Prügeleien wirken stets so langsam, dass man sich fragt, ob überhaupt ein Choreograph anwesend war und eine Verfolgungsjagd mit einem hinter dem Pick Up hergeschliffenen Ninja, dem es gelingt, die Fahrgastzelle zu erobern, endet - tempomäßig sichtlich nicht zur vorherigen Szene passend - in einem irren Sprung-Stunt inklusive Mega-Explosion. Von etlichen Ungereimtheiten (das Schicksal von Taylors Frau landet mit seinem Tod im Drehbuchnirvana; Alicia als einzige Frau weit und breit im Ninja-Kostüm fällt überhaupt nicht auf; Marines dürfen offiziell nicht eingreifen, ballern aber gleich alles über den Haufen, als sie das Anwesen auf der Privatinsel entern etc.) und Konstruiertheiten einmal abgesehen.

Wenn man das ganze Treiben in American Fighter 2, der in Deutschland denselben Untertitel wie Rambo 2 trägt, einmal nicht so ernst nimmt, den Kopf aus und das Bier kalt stellt, kann man wenigstens ein wenig Spaß am Charme eines nicht sonderlich kompetent inszenierten 80er Jahre-Actioners haben. Ansonsten stören die vielen Deppertheiten, die ungelenk choreografierten Actionszenen, die blöden Dialoge und Dudikoffs meist nur auf einen erwartungsvollen Blick reduziertes Schauspiel dann doch auffallend (4/10).           

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