Gelungener B-Actionthriller um die Yakuza mit Viggo Mortensen in einer seiner ersten Hauptrollen.
Der Einstieg in den Film ist recht gestrafft: Nick Davis (Viggo Mortensen) wird aus dem Knast entlassen, mietet sich in einem schäbigen Motel ein und arbeitet als Gabelstaplerfahrer in einer japanischen Fabrik. Dort wird er allerdings gefeuert, als seine Arbeitgeber erfahren, dass er im Knast gesessen hat. Dabei erfährt man wenig über die Hauptfigur und auch die Dialoge beschränken sich meist nur auf das Nötigste. Doch nach dieser kurzen Einführung kommt der entscheidende Punkt in jedem Film dieser Machart: Der Einstieg in die Gangsterfamilie.
Denn am Tag von Nicks Kündigung besucht Sawamoto (Ryo Ishibashi), der Chef der Firma, die Lagerhalle, in der Nick normalerweise arbeitet. Gerade hier wird er von einigen Attentätern angegriffen, welche die meisten seiner Bodyguards töten. Allerdings greift Nick ein und kann den Japaner schwer verletzt retten, um ihn später in seinem Motel gesund pflegen zu lassen. Die Actionszene, in der Mortensen ausgiebig zum Einsatz kommt, ist für einen B-Film sehr gut inszeniert und kann sich schon fast mit den Werken von John Woo messen.
Der Gerettete erweist sich als hochrangiger Yakuza, der Nick zum Dank in seine Organisation aufnimmt – auch wenn das nicht allen anderen Yakuza gefällt. Nick merkt bald, dass sich ein Krieg zwischen der amerikanischen Mafia und der japanischen Yakuza anbahnt, dessen erster Schritt das Attentat war. Was keiner weiß: Nick ist ein FBI-Spitzel. Doch bald schwankt dieser in seiner Loyalität zwischen dem FBI und der Yakuza...
Ein echter Brüller ist die Story von „American Yakuza“ nicht wirklich. Viele Aspekte sind schon aus ähnlichen Filmen um undercover Agenten in irgendwelchen Organisationen da gewesen und viele Innovationen bietet der Plot auch in anderer Hinsicht nicht. Dennoch bringt Regisseur Frank Capello den Film recht spannend auf den Bildschirm, so dass keine Langeweile aufkommt. Auch die kurze Lauflänge trägt dazu bei, obwohl der Film für meinen Geschmack ein wenig zu kurz ist und durchaus noch ein paar Szenen mehr vertragen könnte.
Für einen B-Film ist „American Yakuza“ überraschend geschickt inszeniert, auch wenn Frank Capello nicht mit Regisseuren wie z.B. Michael Bay oder Tony Scott mithalten kann. Seine Bildsprache gibt dem Film allerdings eine eigene Note, was den Film in diversen Szenen von anderen Low Budget Streifen abhebt. Auch das Wesen der Yakuza wird recht fesselnd beschrieben; wem schon das Flair von Filmen wie „Showdown in Little Tokyo“ gefiel darf hier einen Blick riskieren. Dabei kommt zum Ende des Films sogar etwas echte Dramatik auf.
Die Actionszenen sind auf hohem Niveau inszeniert worden, betrachtet man das Budget des Films. Dabei handelt es sich ausschließlich um Schießereien (auch wenn hier ein Auto und da mal ein Messer zum Einsatz kommt), die in bester Tradition von John Woo inszeniert wurden und dem Actionfan zu gefallen wissen. Allerdings wäre etwas mehr Action wünschenswert gewesen, denn es gibt nur drei größere Shoot-Outs in dem Film, von dem das erste das Beste ist. Die deutsche FSK 18 Fassung auf Tape ist nur ganz leicht cut und ziemlich gut ansehbar, zumal der Film schon von Haus aus diverse Mordszenen nur andeutet und nicht explizit zeigt.
Viggo Mortensen erbringt eine recht überzeugende Performance, die allerdings nicht mit seinen Leistungen in „Herr der Ringe“ oder „Crimson Tide“ mithalten kann, aber für einen B-Film dennoch im oberen Bereich liegt. Der Rest der relativ unbekannten Crew (Genrefans sagen die Namen Ryo Ishibashi und Yuji Okumoto eventuell etwas) spielt ebenfalls recht gut und bietet keinen Anlass zur Klage.
„American Yakuza“ ist ein ziemlich unterhaltsamer Actionthriller der Güteklasse B, der zwar wenig Neues bietet, dafür Altbekanntes (für Genrefans) unterhaltsam aufbereitet.