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1985 war Burt Reynolds, bankabler Star der Spätsiebziger, nun endgültig auf dem absteigenden Ast und während seine Finanzen durch den Schornstein gingen und er sich durch eine schwere Kieferverletzung lange Zeit arbeitsunfähig machte, drehte er ein paar Filme, die so gar nicht zu seinem Oeuvre passen sollten.

Direkt nach seiner Kollaboration mit Clint Eastwood in „City Heat“, einer wenig einfallsreichen Räuberpistole, debutierte er als Puerto Ricaner in „Stick“ einer simplen Rachegeschichte, wenn man es genau nehmen will.
Stickley, genannt Stick, kehrt hier nach Gefängnisaufenthalten nach Florida zu Freunden zurück. Doch sein Kumpel wird bei einer Drogenübergabe erschossen und Stick steht bald mit auf der Abschußliste.
Also sucht er sich bei einem kriminellengeilen Millionär einen Chauffeursjob und geht den wahren Hintergründen auf die Spur.

Einmal mehr präsentiert sich Reynolds in seiner Figur als tougher, aber verschmitzter Einzelgänger und Alleskönner, der mit schönen Frauen flirtet (Candice Bergen), Drogenbosse umkreist (Charles Durning) und Idioten um den kleinen Finger wickelt (George Segal). Daß er letztendlich alles schafft, was er sich vornimmt, also seine Tochter zu retten, die Frau zu betören und den Freund zu retten, ist fast nebensächlich.

Allerdings wirkt er als gebürtiger Insulaner wenig überzeugend und auch sonst schwankt der Film stark zwischen den leichten Parodien der „Bandit“-Phase und dem Neo-Brutalismus eines „Miami Vice“, was dem Gesamtergebnis leider nicht besonders gut tut. Charles Durning hat man dabei ein paar Augenbrauen verpaßt, die jeder Beschreibung spotten und auch sonst fallen einem zu dieser Figur keine guten Begründungen ein, während die Voodoo-Drogenbosse mit ihren Skorpionen ganz andere Kaliber sind.

Glanzstück des Films und die einzige erinnerungswürdige Idee ist und bleibt jedoch der Albino-Killer Moke, dargestellt von dem Stuntman Dar Robinson, einem Star der Szene, der zwei Jahre später tragischerweise bei einem simplen Motorradunfall in der Wüste ums Leben kam. Im besten Terence Hill-Modus von Thomas Dannenberg synchronisiert, zählt sein Todessturz von einem Appartmenthochhaus immer noch zu den herausragenden Stuntszenen in Filmen.

Abgesehen davon kann man sich mit „Stick“ einen gemütlichen und nicht allzu aufregenden, aber auch niemals langweiligen Abend machen, wenn man damit klar kommt, daß die Mischung des Films stets etwas unausgegoren bleibt und man sich für keinen dauerhaften Stil entscheiden kann.
Wieder so ein Kuriosum, typisch für die 80er, nicht Reynolds schlechtester Film, aber bei weitem nicht sein bester. (6/10)

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