Review

Filme um blutiges Untergrundgekloppe gibt es wie Sand am Meer, doch der ehemalige Stunt Coordinator Jesse Johnson nimmt das Ganze in „Pit Fighter“ mal auf eine etwas dramatischere Schiene als die meisten Filme dieses Genre.
Jack (Dominique Vandenberg) wacht zusammengeschossen in einem kleinen mexikanischen Kaff auf, dem Tode nah. Er wird zu einem Arzt gebracht, wacht auf – es sitzt der Ganove Manolo (Steven Bauer) an seinem Bett und erklärt Jack, er habe Schulden bei einer einheimischen Verbrecherfamilie. Jack weiß davon nichts, schließlich hat er sein Gedächtnis verloren. Erinnert sehr an Filme wie „Die Bourne Identität“, ist aber kein bloßes Rip-Off, da dieser Umstand noch eine besondere Bedeutung bekommt.
Von Manolo betreut wird Jack Turnierkämpfer, der bei knüppelharten Untergrundkämpfen Geld verdient, um für seinen Unterhalt aufzukommen. Dabei verfolgt Jack, bei dem nur sporadische Erinnerungsfetzen an die Oberfläche kommen, sich aber an Fähigkeiten als Kämpfer erinnert, eine etwas seltsame Strategie: Er lässt sich erst kräftig zusammenprügeln, um beim späteren Sieg nicht zu sehr zu kränken. Nicht unbedingt glaubwürdig, aber die späteren Enthüllungen, dass Jack Buße tun will, machen dies etwas verständlicher.

Doch nachdem Jack innerhalb von fünf Jahren zum ungeschlagenen Champion aufgestiegen ist, ergeben sich Probleme: Durch seine stetigen Siege bringen Wetten kein Geld mehr. Außerdem kommt seine Vergangenheit zu ihm zurück…
Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Turnierfilmen beschäftigt sich „Pit Fighter“ sehr mit seiner Hauptfigur, an sich ist dies neben den Fights der dominierende Aspekt der ersten zwei Drittel. Jack betet, sucht Absolution bei der Jungfrau Maria, zumal er sich auch an eine Angebetete namens Marianne erinnert, deren Namen auf die Brust tätowiert hat und auch das Motiv der Wandlung vom Saulus zum Paulus kommt später auf.. Außerdem findet der schweigsame Asket in dem geschwätzigen Gangster Manolo, dem der große Aufstieg verwehrt bleibt, einen guten Freund, was beide Charaktere schon mal sympathischer macht als die üblichen Hackfressen diverser Klopperfilme.
Von der Story her, könnte „Pit Fighter“ allerdings etwas mitreißender sein. Der Aufstieg Jacks ist handelsüblich, aber flott gemacht, doch wenn man dann den Plotstrang um seine Vergangenheit auflösen möchte, dann strauchelt „Pit Fighter“. Die Geschichte ist sicherlich durchdacht und macht Sinn, doch seltsamerweise können die Enthüllungen kaum packen – zumal gegen Ende Sympathiefiguren sterben, die entsprechenden Szenen aber auch seltsam emotionslos wirken.

Überzeugend hingegen ist die Action, die trotz der Betonung des Drama-Aspekts nicht zu kurz kommt. Sie sind so realistisch gehalten, wie es im Film geht, wenngleich die Fighter mal wieder unnatürlich viel einstecken können (anders würde Jacks Strategie nicht funktionieren). So sind die Moves nie zu übertrieben, sehen aber trotzdem recht spektakulär aus und auch die Choreographie stimmt. Recht hoch ist der Härtegrad, da platzen Wangen auf und die Kämpfer spucken Blut, gelegentlich übertreibt „Pit Fighter“ es aber etwas (die Szene mit dem Auge hätte nicht unbedingt sein müssen). Zum Schluss gibt es noch eine Finale im Stile von „The Wild Bunch“, ordentlich gemacht mit reichlich Munitionsverbrauch, aber nur knapp über dem Durchschnitt und so unglaubwürdig, dass „Rambo III“ daneben ein Ausbund an Realismus ist (ein Einzelner feuert ein MG aus der Hüfte, steht ungedeckt und trifft immer, während Unmengen von Gegnern andauernd daneben feuern).
Dominique Vandenberg als Held macht seine Sache ziemlich gut, ist zwar noch nicht Königsklasse im Bereich, aber doch schon sehr überzeugend, da er auch die dramatischen Aspekte der Rolle glaubwürdig verkörpert. Steven Bauer wiederholt hier im Grunde noch mal seine „Scarface“-Rolle, hat sogar den gleichen Rollenname, aber ist so gut wie im ersten Durchlauf. Scott Adkins hat eine kleine Rolle, aber leider darf das Martial Arts As hier nie kämpfen.

Alles in allem hat „Pit Fighter“ seine Schönheitsfehler, was das unrealistische Finale und das nicht ganz so packende letzte Drittel angeht, doch die Fights sind ebenso hart wie sehenswert, die Hauptfiguren sympathisch und in den ersten zwei Dritteln sind kaum Längen trotz des wenig innovativen Verlaufs zu verzeichnen.

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