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Kaum kommt mal ein Thriller mehr oder weniger aus Italien, da muß er sich der Gialloschablone stellen. Dabei gilt im stiefelförmigen Süden per se doch jeder Thriller als “gelb”, einfach abgeleitet von der früher gebräuchlichen Gestaltung von Kriminalheftchen. Nun verknüpft der zurückblickende Cineast bestimmte Attribute mit der Bezeichnung. Außerdem hat sich in der Stilistik des Thrillergenres nach dem großen Crash des italienischen Kinos einiges getan. Wie will sich Eros Puglielli mit seinem Film Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen nun selbst positionieren?

Was Puglielli mit seinen Vorgängern gemein hat, ist die schockierende Einleitung und der bombastische Score, welcher mit der gewählten Tonart eines Eunuchengesangs deutlich Geschmackssache ist. Die Farbgebung definiert sich metallisch kalt und gibt der bildgestalterisch schön gewählten Photographie einen modernen Look. Auffällig ist zudem die Abwendung vom sexuell konnotierten Tötungsakt. Sobald in Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen die ermittlerische Perspektive über die Polizei aufgenommen wird, was zudem eine Liebesbeziehung zu einem Opfer mit einknüpft, verlagert sich die Betrachtung auf eine weitestgehend sachliche Ritualmordhandlung eines Präperators, mit der ein unbekannter Täter offenbar eine seinem kranken Geist entsprechende Ordnung herstellen möchte. Ganz klar eine Inspiration des amerikanischen Mysterythrillers der 90er Jahre.

Es ist fast als geschickt zu bezeichnen, wie Eros Pugielli seinen Zuschauer über die großzügigen 107 Minuten mit Happen versorgt, die ein stetig veränderbares Gesamtbild ermöglichen. Leider neigt Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen wegen dieser Tricksereien einerseits zur Irritation, andererseits zu übermäßig banal wirkenden Erklärungen. Die wirklich starken Momente, in denen man einem Spuk auf den Leim geht, werden zu oft untergraben von Geistesblitzen, die schließlich eine Lösung fest nach Drehplan herbeiführen.

Sicher ist Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen auch oder gerade auf internationalem Parkett ein durchschnittlich guter Spannungsfilm, jedoch hätte ich mir endlich mal wieder eine bewußtere Abkehr von der Stringenz in einem lustvoll ausgelebten Surrealismus von Panik, Exzess und Rausch gewünscht. Pugielli hält dazu die Backen noch zu verkniffen. Das mag an den um Sicherheit bemühten Produzenten gelegen haben, nur macht das den Film unterm Strich nicht besser.
Das wäre halb so schlimm, handelte es sich um einen Teil eines nicht abreißen wollenden Stroms. Nur ist Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen eben traurigerweise einer der wenigen Brocken Genrekinos, die uns überhaupt aus diesen Gefilden noch vorgeworfen werden. Es ist die Hoffnung auf das Besondere, die hier ein Stück weiter verstirbt.

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