Review

Gesamtbesprechung

Samurai Champloo ist eine japanische Animeserie, die sich über 26 Episoden erstreckt. Dabei gibt es einen übergeordneten Handlungsstrang, in dem die drei Protagonisten Mugen, Jin und Fuu durchs Japan der Edo-Periode wandern mit dem Ziel, den Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, zu finden. An diesem groben Gerüst aufgehängt sind auf die jeweilige Episode beschränkte Abenteuer, denen sich die Truppe stellt.

Ein wichtiges Attribut der Serie ist in vielerlei Hinsicht schon im Titel versteckt: 'Champloo' deutet direkt auf die Art und Weise hin, verschiedene Dinge miteinander zu verbinden: Da sind zum Einen die Protagonisten, deren Unterschiedlichkeit derart prägnant ist, dass es schon fast aufgesetzt wirkt: Mugen ist ein kampfbegeisterter wie auch gefährlicher Outlaw, dessen Prioritäten Action und Essen sind. Jin hingegen agiert bedacht und wirkt berechnend und teilweise (anfangs) kaltherzig. Fuu aber ist ein naives Mädchen, manchmal verträumt, ansonsten aber stets aufgeweckt und freundlich. So aufgesetzt diese Truppe auch sein mag, ein Resultat wird erzielt: Die Spannungen und Handlungen zwischen den Charakteren würzen die Serie mit allerlei Komik. Auch die Tatsache, dass die drei häufig kurz davor stehen, verschiedene Wege zu gehen, lässt das Ganze wenigstens plausibel wirken.

Ein Mix grundverschiedener Dinge ist Samurai Champloo aber auch in einer anderen Hinsicht: Dem Stil. Bis zu einem gewissen Level verhält sich die Serie zwar authentisch, aber angefangen bei kleinen Details bis hin zu haarsträubenden wie belustigenden festen Bestandteilen der Serie kommt es zu heftigen Stilbrüchen. Kleidungsstil, Mimik, Gestik und überhaupt die allgemeine Artikulation sind beinahe schon mehr westlich orientiert als japanisch-traditionell. Ein Stichwort, das auch bei Fans schnell fällt, der Thematik tatsächlich aber gar nicht gerecht wird, ist Hip-Hop. So wird das Geschehen nicht selten von entspannter, rythmischer Musik untermalt. Dabei handelt es sich um einen schwer einzuordnenden, gesangslosen Score. Lediglich im Vor- und Abspann dudeln Stücke serienfremder Interpreten. Gerade der Introsong ist tatsächlich richtiger Hip-Hop und kann sicherlich abschrecken und Vorurteile gegen die Serie erzeugen. Auch ich konnte mich damit nicht anfreunden. Insgesamt ist die musikalische Untermalung aber äußerst erfrischend und erzeugt die entsprechende Stimmung.

Visuell vermag Samurai Champloo durchweg zu begeistern. So geschmeidig und detailliert sind Animes eigentlich nur im Filmformat. Dass dabei die Serie noch ihren ganz eigenen, markanten Stil besitzt, ist das i-Tüpfelchen. Die Kämpfe strotzen nur so vor Dynamik, zu jeder Situation findet man in den Gesichtern der Figuren eine perfekt passende Mimik. Die für Animes typische Übertreibung in der Charakterdarstellung (z.B. Reduzierung der Mimik auf Punkt und Strich) wurde bis aufs nötigste zurückgeschraubt, so dass die Serie trotz des intensiven Humors erwachsen wirkt. Hier wie auch an vielen anderen Stellen lassen sich Parallen zu Shin'ichiro Watanebes noch populärerer Serie Cowboy Bebop ziehen.

Was aber definitiv fehlt, sind richtige Höhepunkte in der Geschichte. Die ersten Episoden wirken trotz des tollen Stils viel zu trocken und steril und auch im weiteren Verlauf stellt sich die Serie mit ihrer Oberflächlichkeit selbst ein Bein. So lässig Protagonist Mugen durch die Gegend streift, begleitet von der unbeschwerten Musik, so beiläufig scheint Watanebe dem Zuschauer die Geschichte unterjubeln zu wollen. Das für Animeserien typische Suchtgefühl stellt sich zu spät ein. Dabei mangelt es den Figuren gewiss nicht an Tiefe, diese wird bloß erst viel zu spät preisgegeben. Ein Grund sich das Geschehen ein zweites Mal anzuschauen, aber einige dürften vielleicht schon viel eher die Lust verlieren. Nur gut, dass zumindest in den letzten Episoden einem die Charaktere ans Herz gewachsen sind.

Insgesamt gesehen ist Samurai Champloo sicherlich ein wichtiges Stück Anime mit viel Humor, viel Kreativität und besonders viel Stil. Nur verlässt sich die Serie halt manchmal zu sehr auf ihren Stil und offenbart einem erst spät die wahren Tugenden. Trotzdem: Absolut sehenswert!

Details
Ähnliche Filme