Einmal mehr wird die Braut des Teufels gesucht, diesmal im ehemaligen Jugoslawien, ein Land, in dem es aus 80er Ami-Sicht nur zombieartige Rednecks gab.
Ansonsten rast ein Zug mit strunzigen Teens ins Nichts, was mit sehr viel Wohlwollen auch als kleiner Katastrophenfilm mit einigen Splatterszenen durchgeht.
Das Drumherum kann man aber aufgrund schwarzweißmalerischer Naivität komplett knicken.
Die Auserwählte heißt Beverly, wohl, weil ihre Mutter Serbin ist, sie von den Mitschülern gemieden und noch als Jungfrau betrachtet wird.
Sie und ihre amerikanischen Mitschüler befinden sich soeben in einer ländlichen Gegend Jugoslawiens, als eines Nachts ihre Übernachtungslager Feuer fangen.
Während den meisten die Flucht gelingt und man auf einen fahrenden Zug aufspringen kann, erweist sich der nachfolgende Aufenthalt als kleine Höllenfahrt.
Wenn der einheimische Schaffner ein „Hier geht nix so schnell wie in Kapitalisti-Zug“ von sich gibt, befindet man sich bereits inmitten einer 80er Grütze, die mit Klischees nur so um sich schmeißt.
Sämtliche Jugoslawen haben entweder keine Zähne, sind mindestens 108 Jahre alt und in graue oder schwarze Loden verpackt. Von allen Seiten ernten die Ami-Teens schräge Blicke und können während ihrer Amok-Fahrt mit Sicherheit nicht auf Unterstützung Einheimischer hoffen und wenn, dann in Form einer eiskalten Diebin.
Atmosphärisch betrachtet können zwar das Fremdartige und die Einsamkeit, die der Zug durchquert punkten, doch die Darstellung Jugoslawiens, als befände man sich hier noch in den 30ern, bereitet auf Dauer keine Freude.
Besser gefällt hier das Tempo der Story, ab und an fallen einige Teens dem diabolischen Zug zum Opfer, was mit Körperteilung und Aufspießen recht gekonnt in Szene gesetzt wird.
So muss man übers Dach klettern, sich von einem Wagon zum nächsten hangeln und derbe festhalten, wenn der Zug durch ungeplante Weichenumstellung durchs Dickicht möllert.
Dabei arbeitet die Kamera angenehm variabel und professionell, mal wird der Zug aus der Totalen abgelichtet, um im nächsten Moment eine rasante Aufnahme mit Blick auf die Bahngleise zu bringen, was durchaus eine gewisse Dynamik zutage fördert.
Nur können sämtliche Figuren keine Sympathien erwecken, Beverly ist dafür zu austauschbar, was auch für die übrigen Studenten gilt. Lediglich Bo Svenson kann als dubioser Professor etwas Markantes im Spiel aufweisen.
Somit erfolgt ein Mitfiebern eher aufgrund der Tatsache, dass ein Zug mit vielen Passagieren keine planmäßige Route einhält, als dass einen das Schicksal einzelner ans Herz ginge.
Leider ist die Amokfahrt vorzeitig beendet und man bringt abschließend noch eine Teufelszeremonie, die dem Ganzen einen derben Spannungseinbruch beschert.
Mit der recht dichten Atmosphäre ist es dahin und die Kulisse des Okkulten wirkt annähernd lachhaft. Dabei kann die letztendliche Auflösung weder eine Überraschung vorweisen, noch mit einer Schlusspointe glänzen.
Im Gesamtbild liefert „Amok Train“ also ein okayes Katastrophenszenario mit ein paar blutigen Einstellungen, während das Drumherum reichlich klischeebeladen und naiv ausfällt.
Die schnarchige Story kann dabei weniger als gelungen bezeichnet werden, als die brauchbare, immerhin flotte Umsetzung.
Dabei sollte man allerdings hinnehmen können, dass per Luzifers Eingriff ein Zug auch imstande ist, ohne Schienen auf Kurs zu bleiben, - Trashfreunde wissen an dieser Stelle Bescheid…
5 von 10