Produzent Ividio G. Assonitis jagte 1989 den US-Amerikaner Jeff Kwitny ins heute ehemalige Jugoslawien, um eine krude Mischung Okkult- und Splatter-Horror, Fantasy- und Katastrophenfilm zu drehen, die tatsächlich in italienisch-US-amerikanisch-jugoslawisch-niederländischer Koproduktion entstand und von ihm als dritter Teil der vollkommen zusammenhanglosen „Beyond The Door“-Pseudoreihe vermarket wurde. Kwitny hatte zuvor lediglich den Horror-Thriller „Iced – Tod auf Skiern“ inszeniert und war im Anschluss anscheinend lediglich noch zweimal Anfang der ‘90er als Regisseur in Erscheinung getreten.
Unter Führung Professor Andromoleks (Bo Svenson, „Overkill – Durch die Hölle zur Ewigkeit“) reist eine Studentengruppe ins ländliche Jugoslawien. Was sie nicht ahnt: Andromolek steht im Bund mit dem Teufel, der sich Studentin Beverly (Mary Kohnert, „Das bucklige Schlitzohr“) als Braut ausgesucht hat. Während eines alles andere als zufälligen Großbrands in der ersten Nacht fliehen einige Studenten und springen auf einen vorbeifahrenden Zug auf. Doch dieser wird vom Gehörnten persönlich gesteuert...
So entpuppt sich der Amok-Train als das exakte Gegenteil der beispielsweise vom Hamburger Verkehrsverbund eingesetzten Zugmaschinen und bringt nicht etwa bei der kleinsten Unwägbarkeit die komplette Infrastruktur zum Erliegen, sondern benötigt nicht einmal durchgehende Gleise, springt behände über Stock und Stein und rast geschwind durchs Dickicht, stets den engen Zeitplan im Blick. Das erinnert zeitweise an eine besondere Gaga-Variante des „Speed“-Sujets und ist trotz durchaus eindrucksvoll anzusehenden, altertümlichen Stahlungetüms von einem Zug in der Tat reichlich trashig ausgefallen – insbesondere, wenn der Amok-Zug in manch Szenen plötzlich durch nicht einmal halb so eindrucksvolle Miniaturmodelle ersetzt wird. Dafür macht er aber quasi keine Gefangenen und zersplattert manch Fahrgast fieser als ein ICE in Eschede.
Die Handlung gibt unterdessen nicht sonderlich viel her, zeichnet die ländliche Bevölkerung Jugoslawien als kauzige, unheimliche Gruselgestalten und verfällt auch gern mal in befremdlichen Fantasy-Kitsch. Da „Amok Train“ aber ohne sonderliche Vorkenntnisse durchaus als krude Melange Genrefreunden Laune bereitet, will ich gar nicht zu sehr auf die etwas schwachbrüstige Dramaturgie eingehen, um nicht Gefahr zu laufen, sie sämtlicher Spannung zu berauben. Als Spät-’80er-Genre-Beitrag in außergewöhnlichem Ambiente ist „Amok Train“ in jedem Falle von Interesse und sein Härtegrad mit seinen launigen Spezialeffekten trägt das Übrige zu seinem Unterhaltungswert bei.