Review

kurz angerissen*

Jugoslawien, das klingt fast so off-road wie Transsylvanien – und gibt in „Amok Train“ tatsächlich eine stimmungsvolle Kulisse ab. Eine Zugfahrt, die ist gar nicht so lustig, wenn es mit unbestimmtem Ziel durch graue Nebelschwaden geht und dir Hexen, Teufel und anderes Ungeziefer im Nacken sitzen... so ergeht es jedenfalls den Studenten, die ihre behüteten Nester in Amerika verließen, um das Fürchten zu lernen.

Jeff Kwitny liefert krudes Stückwerk ab, dem der Titel „Beyond The Door III“ ohne jeden Bezug zu einem ersten oder zweiten Teil gerade recht geschieht; er hält aber mit fiesen Spezialeffekten, hässlichen Statisten und vor allem einer schmutzig-grauen Schmuddelatmosphäre bei Laune, die man wohl so tatsächlich nur im Ostblock einfangen konnte. Als die jungen Amerikaner sich durch ein Zugabteil voller stummer Osteuropäer zwängen, entfaltet sich sogar der Surrealismus eines Films wie „Der Rattengott“.

Der diabolisierte Zug wird dabei äquivalent zum Actionthriller „Runaway Train“ zur Irrfahrt in die Verdammnis, die im Dienste des Horror-Genres diesmal die Urangst vor dem unausweichlichen, vorbestimmten Schicksal und der damit verbundenen Machtlosigkeit anfeuert. Angeführt vom stellenweise schmierig agierenden Bo Svenson leitet die Handlung (nach einer fragwürdig geschriebenen Verabschiedungsszene zwischen Mutter und Tochter) sehr schnell in das sumpfige Ausflugsgebiet über und lässt die Lunte leuchten, noch bevor der Zug überhaupt bestiegen wird, Hexenweiber und Suppenkessel inklusive.

Nachfolgend dominieren punktuelle Splattereffekte, meist verursacht durch kühne Hampeleien außerhalb des Zuges; mit dämonischen Erscheinungen und merkwürdigen Visionen befeuert Kwitny allerdings zeitgleich auch die übernatürlichen bzw. okkulten Elemente, die auf ein ebensolches Finale zusteuern.

Handwerklich grobschlächtig, gibt sich die Arbeit an den Effekten jederzeit transparent. Der permanente Wechsel zwischen Zug und Modell-Nachstellung fällt nicht nur bei der Irrfahrt durch sumpfiges Moor stechend ins Auge und sorgt regelmäßig für Belustigung. Ein Making Of würde seinen Zweck verfehlen; es ist schließlich bereits in den Hauptfilm integriert.

Die Unberechenbarkeit, mit der sich Effekte, Stunts und hirnrissige Dialoge abwechseln, sorgt also dafür, dass einem der Spaß nicht verloren geht. Neben dem sonderbaren Ostblock-Flair der wahrscheinlich einzige Grund dafür, sich „Amok Train“ an einem Abend voller schlechter Filme gemeinsam mit ein paar Bier zu geben.

*weitere Informationen: siehe Profil

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