Die 80er waren nicht gut zur italienischen Horrorfilmindustrie, aber sie waren ganz gut zu Dario Argento, dessen Ruhm als Kultregisseur mit Filmenn wie "Tenebre", "Phenomena" oder "Opera" beständig gestiegen war, so daß schließlich sogar George A.Romero beschloß, mit dem italienischen Maestro einen Episodenfilm auf die Beine zu stellen.
Im Anschluß war Argento fitgeschossen für seinen ersten eigenständigen amerikanischen Film, ein Erlebnis, daß er im Nachhinein noch bereuen sollte.
Gewisse Produktionsschwierigkeiten und nicht mindere Differenzen über den zu verarbeitenden Härtegrad in Bezug auf den amerikanischen Mainstream-Thriller-Markt ließen den Regisseur nicht so arbeiten, wie er es vielleicht gewollt hatte - "Trauma" blieb sein einziges amerikanisches Produkt, dem noch dazu ein Kinostart jenseits des Atlantiks verwehrt blieb - das Prestigeprojekt endete auf dem DTV-Markt.
Rückblickend ist diese Entscheidung fast schon verständlich, denn es handelt sich bei weitem nicht um Argentos besten oder zumindest um einen seiner guten Filme, stattdessen wirkt der Film wie ein aufgepfropftes Amalgam aus seinen bisherigen Werken, eine Abkehr von der Weiterentwicklung visionär-visuellen Horrors zurück in die Kabinette des klassischen Giallos. Doch was man in den 70er-Jahren einem europäischen und visuell eingestellten Publikum an Absurditäten problemlos verkaufen konnte, funktionierte in den 90ern leider nicht im Mindesten: "Trauma" wurde ungewollt ein albernes Stück Horror-Thriller.
Erzählerisch bemüht man hier wieder einmal die bekannten Versatzstücke: eine fetischisiert eingesetzte Mordwaffe (eine elektrische Drahtschlinge, mit der Köpfe abgetrennt werden); ein Killer mit schwarzen Handschuhen; ein psychotisches Erlebnis aus der Vergangenheit; ein Racheplan, der erst noch aufgedeckt werden muß. Und unsere Protagonistin hat etwas Entscheidendes gesehen, das ihr erst zum Showdown wieder einfällt. Bis es jedoch soweit ist, wabert der Film erstmal durch diverse Plotelemente, die nur bedingt Sinn zu machen scheinen.
Da haben wir ein junges Mädchen namens Aura, die wegen ihrer Magersucht oder eventueller anderer Gründe (die alle keine Rolle spielen) in der Klappse sitzen sollte, stattdessen aber von einer Brücke hechten will. Auftritt des jungen Recken David, der in einer Nachrichtenredaktion arbeitet und von da an von der rumänischen Kindfrau nicht loskommt. Daß Darstellerin Asia Argento trotz rumänischer Abstammung mit filzstiftdickem italienischen Akzent spricht, sollte da fast schon keinen mehr wundern, noch alberner ist Piper Lauries italienischer Akzent als rumänische Filmmutter.
Zum Glück ist die Gute relativ schnell tot und geköpft und auch der Papa muß nach einer fingierten Seance dran glauben. Die Seance spielt zwar in der Folge genauso wenig eine Rolle wie das ungeheure Engagement, daß der behandelnde Arzt und Psychologe der Nervenklinik Dr.Judd so an den Tag legt, um das Mägdelein wieder ins verschnürbare Bett zu verfrachten. Derweil marschiert überall und nirgends der schwarzgewandete Killer mit der Drahtschlinge um, während er derweil in der sonnigen Vorstadt neben einer netten Familie eingezogen ist. Deren Sohn, ein blondes kleines Brillenmäuschen sorgt in der Folge für die Hollywoodreferenz des Maestro, der von nun an ausgiebig "Rear Window" zitiert und als seien es des Giallos Verweise noch nicht genug, krabbeln auch noch Gekkos in der Wohnung rum (Tiere machen sich immer gut in den Meuchelthrillern).
Von da an heißt es immer fleißig: rein in die Klinik, raus aus der Klinik, die gute Aura geht öfters mal stiften oder rennt weg, frißt die Küche leer und reihert alles wieder aus oder kriegt mal wieder den Fluchtreflex, wenn David seine bitchige Kollegin rammelt. Erst als man schon langsam auf der Schlußgerade des Plots ankommt, kriegt diese lose Abfolge von Szenen etwas Substanz und eine Backstory, die man sogar nachvollziehen kann, was Argento nicht daran hindert, mit einem albernen "falschen Mörder" und der üblichen Schlußwendung sein eigenes Meisterwerk "Profondo Rosso" zitieren.
"Trauma" ist, wie gesagt, nicht Argentos schlechteste Arbeit, aber sie fällt so aus, wie man sich die Arbeit eines typischen Italieners in Amerika vorstellt. Ein Schuß ins Knie ist dabei schon die Besetzung. Asia Argento kommt zwar optisch ganz nett hin, raspelt sich in der OV aber mit einem knietiefen Akzent durch das Englische und läuft zumeist nur geistesabwesend oder bratzig durch die Straßen. Das ist aber noch Oscarmaterial gegen die männliche Hauptrolle aka Blassnase Christopher Rydell, die überhaupt kein Profil gewinnt.
Das wiederum ist aber noch drei Klassen besser als die Veteranen Piper Laurie und Frederic Forrest, die offenbar die Produktion, den Film und die Dialoge nicht für fünf Cent ernst genommen haben. Laurie chargiert sich stierend einen ab und Forrest präsentiert so etwas wie die Parodie einer Parodie einer Parodie eines Arztes, der mit dem dicksten Akzent überhaupt wirkt wie der Hausmeister, der sich einen Arztkittel übergeworfen hat und sich der Lächerlichkeit preis gibt.
Wer sich darüber hinaus von dem 4-Minuten-Cameo von Brad Dourif Dolles erwartet: dem ist leider nicht so.
Was an "Aura" überzeugt, ist die flotte und gediegene Kameraarbeit, alles dreht, fließt und kreiselt nach Kräften und auch die Ausleuchtung und Szenenanlage samt Ausstattung haben Qualität. Der Härtegrad ist jedoch ziemlich runtergetönt, die zahlreichen Enthauptungen via Draht sind zumeist im Off angesiedelt, als Schattenspiel oder mittels Audiospur. Als Ausgleich liegen dafür ein paar von den Köpfen später herum, was aber auch nicht alles wieder gut macht, bedenkt man die zwei Szenen, in denen sich Rydell noch ein paar aufschlußreiche Lösungstipps von bereits abgetrennten Köpfen holt, die deutlich noch Atem nachziehen. Daß diese Tricks darüber hinaus nicht eben de luxe umgesetzt wurden (Kopf durch den Fußboden stecken!) macht die Sache noch alberner, wie der halbe Film eher wie eine groteske Parodie auf groteske Thriller wirkt. Für den Showdown muß dann sogar Kommissar Zufall herhalten, für das Ausschalten des Killers sogar ein unschuldig Kindelein - was bleibt ist Kopfschütteln auf höchstem Niveau, denn selbst bei den Absurditäten im gestreckten Galopp eines "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" ist das hier doch sehr unglaubwürdig. (4/10)