„Hey, du Riesenmücke!“
Der gebürtige Ungar Tibor Takács, bekannt für ‘80er-Horror-Perlen aus der zweiten Reihe wie „Hardcover“ oder „Gate – Die Unterirdischen“, versuchte sich in vielen Genres und bediente nach der Jahrtausendwende verstärkt Film-Spartensender wie „SyFy“ mit TV-Horror-Produktionen. Zu den sicherlich gelungeneren dürfte „MosquitoMan“ aus dem Jahre 2005 zählen, der sogar in US-amerikanisch-deutscher Koproduktion entstand.
In Baltimore breitet sich ein tödliches Virus durch Moskitos aus, das immer mehr Menschen dahinrafft. Abhilfe naht in Form eines Gegenmittels, das die Wissenschaftlerin Jennifer Allen (Musetta Vander, „Alien Desperados“) aus mutierten Moskitos hergestellt hat. An Häftling Ray Erikson (Matt Jordon, „Es lauert“) soll es getestet werden, aber dieser kann sich befreien und entkommt im allgemeinen Chaos – jedoch wurde er mit dem Stoff, der die Stechmücken mutieren lässt, kontaminiert und beginnt, sich in ein Mensch-Moskito-Hybrid-Wesen zu verwandeln, ständig auf der Suche nach frischem Blut…
„Er war für mich nur eine Nummer, ein Versuchskaninchen!“
TV-Bilder und die Stimmen von Nachrichtensprechern führen in die Thematik ein; ein Sprecher aus dem Off leitet in eine ausgedehnte Rückblende ein, die die Ereignisse nachzeichnet. Rays Gefangenentransport mündet in eine Schießerei, im Zuge derer auffällt, dass er ein wesentlich besserer Schütze als die vielen Wärter ist. Es kommt zu einer Explosion, Ray wird in Quarantäne versetzt, entkommt jedoch und mutiert leider zum Teil mittels CGI-Effekten. Die handgefertigte Kreatur, zu der er wird, sieht jedoch recht ansprechend aus. Der ermittelnde Bulle ist liiert mit Jennifer, die Ray kurzzeitig als Geisel hatte und daher ebenfalls infiziert wurde und zu mutieren beginnt. Beim Vorspiel bekommt sie plötzlich rote Augen und kratzt ihren Mann, ihre schleichenden Veränderungen erinnern etwas an Cronenbergs „Die Fliege“. Per Bluttransfusion soll ihr geholfen werden, was jedoch nicht funktioniert. Ray alias der MosquitoMan hat sich Jennifer anscheinend als Partnerin auserkoren und will warten, bis die Mutation abgeschlossen ist.
Das ist durchaus eine krude Geschichte, die man sich da bei deutlicher Orientierung an großen Vorbildern ausgedacht hat und am Creature Design des kugelsicheren Moskito-Menschen mangelt’s auch wirklich nicht, vielmehr an blutigen Einlagen, die ich in diesem Falle tatsächlich in höherer Frequenz erwartet hatte. Zudem ist „MosquitoMan“ atmosphärisch eher dröge ausgefallen; ein Problem, mit dem viele TV- und Direct-to-Video-Produktionen zu kämpfen haben. Ab einem späteren Zeitpunkt aber gewinnt er an visueller Härte, als die Kreatur eine zerstückelte Spezialeinheit zurücklässt und sich im Anschluss das Sicherheitspersonal des Krankenhauses vorknöpft: Da wird ein Kopf halbiert, ein anderer zerquetscht, insgesamt geht’s brutaler und schmodderiger zur Sache. Absurd wird’s spätestens, wenn jemand ein ganzes Stockwerk in die Luft jagt und nur leichtverletzt überlebt. Die tragische Note im Showdown verpufft dann verglichen mit anderen Filmen dieses Metiers auch eher, als dass sie sich ins Langzeitgedächtnis einprägen würde; es handelt sich eben zweifelsohne um Genre-Junk-Food für Zwischendurch ohne höheren Nährwert – jedoch der angenehmeren Sorte, über die man sich nicht beschwert, wenn man beim Zappen an ihr hängen bleibt oder sie für ’nen schmalen Taler vom Wühltisch oder Flohmarkt mitnimmt.