Review

Triumph der Kindsköpfe - Logik außer Kraft

Einer der üblichen Filme von Waffenfetischisten für Waffennarren. Ultrabrutale Betäubungsmaschine: Hektische Schnitte, Kameragewackel, Einschußlöcher in Stirnen und bizarre Wummen. Inhalt unwichtig.

Wie der Waffenausstatter in den Extras erklärt, wollte der sog. „Regisseur“ - Name unleserlich auf dem DVD-Cover - aus gutem Grund sollte man ihn verheimlichen, aber ich möchte alle warnen vor: Jean-François Richet - er wollte die modernsten Waffen in seinem Film. Zudem sei großes Augenmerk darauf gerichtet worden, daß der „Charakter“ jeder Waffe zum „Charakter“ der jeweiligen Benutzerperson paßte. Aha.

Angesichts der Bedeutung, die diesen Faktoren des Films beigemessen wurde, ist verständlich, daß Drehbuch und Logik weitgehend ignoriert werden mußten.

Z.B. was die Leute mit ihren futuristischen Waffen anstellen. Cooles Aussehen war allemal wichtiger als effektiver Gebrauch. Belagerer, die nicht schießen; Scharfschützen, die nicht treffen. Eine angreifende Elite-Armee gepanzerter Robocops mit Sprengladungen, Schalldämpfern, Blendgranaten, Nachtsichtgeräten, Laservisieren, Funk und Hubschrauber, aber ohne Handgranaten oder Tränengasbomben. (Das bißchen Tränengas am Ende übergehe ich mal, die Verteidiger ignorierten es auch. Vielleicht waren es nur Nebeleffekte des Kameramanns? Sei’s drum; warum sollte ich genau sein, wenn es der Film auch nicht ist?)

Oder hatten die Autoren erkannt, daß ein paar Handgranaten oder Tränengas den Film sofort beendet hätten? Auch daß die Belagerten ständig vor den Fenstern rumtanzten, hätte den Film schnell beendet, wenn die Belagerer darauf reagiert hätten. Oder wenn die Belagerer die vielen offenen Fenster und Türen und in Wände gesprengten Löcher zum Eindringen genutzt hätten. Aber die Belagerer hielt die Regie damit beschäftigt, Zäune zu überklettern oder durch Kunstschnee zu rennen.

Während sich die Verteidiger meistens streiten mußten. Wie die Kinder! Wobei Kinder wenigstens abends unters Bett schauen, oder auf den Rücksitz, bevor sie sich in ein unverschlossenes, in Feindesland geparktes Auto setzen.

Apropos Verteidiger: 8 Leute. Einer hat massive Tabletten-, Alkohol- und Motivationsprobleme; einer erkennt sich selbst nicht als Ich, sondern nur als dritte Person; einer ist Junkie voller Wortkotze; eine trägt zur Verteidigung nur das laute Errechnen von Quadratzahlen bei (sie ist Psychologin!); einer ist quasi Rentner und gehört außerdem zur Armee der Belagerer (warum erschießt ER eigentlich nicht die Verteidiger? Weil es wieder zu einfach gewesen wäre?). Dagegen waren die nymphomanische Schreibkraft und die zwei Sträflinge, die kaum Grund hatten, für ein Polizeirevier zu kämpfen, geradezu „normal“. Vier von den acht stürzen sich nach kurzer Zeit dann auch selbst vor die Gewehre der Belagerer.

Nur in einem starverseuchten Standard-Hollywood-Big-Budget-Film, der mit schicker Werbeästhetik prahlt, kann dieser desolate Haufen desorganisierter Soziopathen eine High-Tech-Armee schlagen. Das ist für uns Zuschauer/Innen ebenso wenig nachvollziehbar wie der plötzliche Sprung des Films in einen tiefen, nächtlichen, doch hellerleuchteten Wald, in dem die Regie aus unerklärlichen Gründen den finalen Showdown stattfinden läßt.

Oder geht es wieder nur um schicke Oberfläche? So könnte man all die Mängel des Films erklären.

Vielleicht war die Konzentration auf Oberflächenreize ja Methode. Und erklärt auch, warum die erfolgbringenden Elemente des John-Carpenter-Originals gestrichen wurden (gradliniger Ablauf; eindeutige Verortung; übersichtliches und einleuchtendes Personal; anonyme stumme Angreifer; keine Doppelagenten).

Denn Carpenters Beschränkung auf das Wesentliche bietet untalentierten Filmemachern wie Richet zu wenig Möglichkeit, mit glänzendem, lärmend durcheinander geworfenem Spielzeug von eigenen Schwächen abzulenken. Der Film ist also nur: Eine Blendgranate.

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