Was macht eigentlich die Funktion eines Lehrers aus? Was hat er bzw. sie für Aufgaben? Geht es nur um die reine Vermittlung von Wissen oder ist dieser Beruf auch mit einer ständigen Vorbildfunktion für seine Schüler verbunden ? Ist der Lehrer sogar nicht für einen bestimmten Tagesabschnitt ein Elternersatz?
Südkorea gehörte in der PISA-Studie zu den führenden Nationen. Das Schulsystem muss also bedeutende Vorteile gegenüber anderen haben. Nun ist "Lovely Rivals" eine durchaus schlüpfrige Komödie und keine Dokumentation über ein Schulsystem, dennoch vermittelt der Film wichtige Aussagen, wenn er die oben gestellten Fragen zu beantworten versucht.
Der Film spielt an einer Grundschule auf dem Land. Weit weg von Seoul haben die Lehrer und auch die Schüler einen schweren Stand. Kaum ein Lehrer der nicht in die grosse Stadt will und auch die Schüler zieht es in die Metropole. Also die typische Landflucht gibt es auch in Südkorea.
Die sehr strenge und herrische Lehrerin Yeo Mi-ok ( gespielt von Yum Jung-ah ) macht da keine Ausnahme. Sie ist bei den Schülern und den Kollegen unbeliebt und plant im Geheimen ebenfalls über weitere Qualifikationen den Weg an eine Schule in Seoul. Sie ist immer noch Single und wohnt sogar noch bei ihrer Mutter. Natürlich sehnt sie sich insgeheim danach den "Richtigen" zu finden.
Im neuen Schuljahr übernimmt sie die 5.Klasse. Die Schülerin Ko Mi-nam ( gespielt von Lee Se-yeong ) kommt neu in ihre Klasse. Die 12-jährige Ko macht einen netten aber erwachsenen Eindruck, für ihr Alter erscheint sie recht aufgeräumt und ist in der Lage sich schnell in der Klasse zu behaupten.
Als zu Beginn des neuen Schuljahres ein neuer Kunstlehrer eingestellt wird, beginnen die Komplikationen. Der schüchterne und unerfahrene Kunstlehrer Kwon Sang-choon ( gespielt von Lee Ju-hun ) ist sofort der Liebling des weiblichen Lehrerkollegiums. Yeo versucht zwar seine Aufmerksamkeit zu wecken, doch es will ihr nicht so recht gelingen. Als sie dann auch noch mehr zufällig mitbekommt, wie Kwon und Ko Mi-nam sehr vertraut und fast schon liebevoll miteinander umgehen, kommt es zum ungleichen Duell der beiden "Frauen".
Eine vermeintliche Schwärmerei einer Schülerin zu ihrem Lehrer wird hier aufs Korn genommen. Natürlich kommt das immer wieder vor und stellt auch nicht die absolute Ausnahme dar, dennoch ist eine Sexualisierung von Teens immer ein schlüpfriges Unterfangen. Und hier liegt auch eine Schwäche des Films, ein Date mit seinem Lehrer zum Abendessen bzw. eine Autofahrt zum "Knutschhügel" der Stadt sind eindeutig zuviel des Guten. Wenn auch nichts passiert und der Film immer liebenswert bleibt, das nimmt man ihm dann trotz aller komödiantischen Ausschmückungen nicht mehr ab. Am Ende löst sich ein grosses Missverständniss in Luft auf und alles wird melodramatisch sehr geschickt gelöst, aber mir blieben diese genannten Szenen doch etwas schwer im Magen liegen.
Yum Jung-ah war mir noch bestens als böse Stiefmutter aus "A Tale of two Sisters" in Erinnerung, auch hier spielt sie überzeugend und in einigen Situationen sehr gekonnt. Der Darsteller des Lehrers bleibt mir etwas zu blass und passiv und Lee Se-yeong schafft es als Ko Mi-nam spielend mit ihrem Lächeln die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen. Passende Musik, dazu ein paar wirklich gute Lacher und eine schöne unterhaltsame und am Ende sogar noch tiefsinnige melodramatische Komödie ist fertig. Das produzieren die Koreaner mittlerweile mit einer Leichtigkeit die neidisch macht.
Aber eines wird doch ganz deutlich :
Lehrer sind stets Vorbilder und sie vermitteln nicht blos Wissen aus dem Lehrbuch. Sie sind Identifikationsfiguren für die Kids und auch eine Art Elternersatz. Die Kids wollen ihre Lehrer ernst nehmen können, möchten aber auch von ihnen ernst genommen werden. Es braucht viel Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen von den Lehrern und auch aufrichtige Achtung von den Schülern. Es sollte ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander sein. Erst dann werden Schüler ihren Lehrern danken und Lehrer ihre Schüler ins Herz schliessen. Und die erfolgreiche Umsetzung solcher Vorsätze erklärt dann vielleicht auch die führende Position in der PISA-Studie.
Wichtige und richtige Aussagen, so in einer Komödie von mir nicht vermutet. Punktabzug aber bzgl. der wohl anfänglich gewollten Schlüpfrigkeit... 7 von 10.