Auch unter Wasser sind nicht alle dicht!
Da denkt man sich nichts Böses, macht sich einen gemütlichen Abend und freut sich auf schöne Menschen, die sich lustig im blauen Wasser tummeln...
Und der Film fängt auch wirklich gut an :
Den komischen Flugzeugabsturz zu Beginn verdrängt man gleich, denn sofort danach gleiten geschmeidige Körper durch das Wasser, Korallenriffe und bunte Fische erfreuen das Auge. Alles ist so schön harmonisch und lieblich, daß selbst die Haie zu freundlichen Schmusetieren werden.
In dieser wunderschönen Umgebung auf den Bahamas kann man auch ohne Geld glücklich sein und so lassen sich Sam (Jessica Alba) und Jared (Paul Walker) auch nicht die Laune verderben als Jared seinen Job verliert. Er kocht sein Lieblingsessen aus besonderem Anlaß, sie schmeißt sich in seine Arme und selbst die Polizei ist hier dein Freund und Helfer.
Zu diesem Glück trägt dann noch Jared’s bester (oder einziger?)Freund Bryce (Scott Caan)bei, der mit seiner neuen Flamme Amanda(Ashley Scott) vorbei kommt, um gemeinsam dem Tauchsport zu fröhnen. Alle vier begeben sich ins Wasser und tauchen nach längst versunkenen Schätzen....
JETZT ! – ja, genau jetzt hätte man aufhören sollen, dann wäre der Film als 25minütiger Urlaubsspot für die Bahamas voll durchgegangen. Er hätte mich innerlich erwärmt und ich wäre mit schönen Träumen ins Bett gegangen.....
Aber nein, irgendjemand wollte daraus einen Film machen. Einen richtig spannenden Film mit enttäuschten Erwartungen, bösen Drogengangstern und viel Action .
WOW ! – kann ich verstehen, nur so Werbefilmchen drehen ist echt keine Erfüllung!
Leider mißlingt der Versuch völlig, was besonders am Aufbau der Story liegt :
Jegliche Charakterisierung der Beteiligten fällt völlig aus, es werden nicht einmal beliebte Stereotypen geboten, an denen man sich reiben kann ,alles ist diffus und lasch :
- Jared ist Typ „Netter Taucher von nebenan“, man erfährt nicht, warum er auf den Bahamas ist und wie er seine Freundin kennengelernt hat. Er hat eigentlich keine eigene Meinung und schwankt immer zwischen den Haltungen von Freundin Sam und Freund Bryce hin und her,
- Sam ist der Gutmensch. Sie hat keinerlei inneren Konflikte, für sie zählt nur das Gute. Die Liebe ist wichtiger als alles Geld und als sie dann doch einmal ihrem Freund böse ist, weil der sich von Bryce bequatschen ließ, umarmt sie ihn gleich in der nächsten Szene wieder ohne das der Konflikt irgendwie weiter besprochen wurde
- Bryce ist ein angeberischer Anwalt, dessen Lügen vom eigenen Wohlstand schnell herauskommen. Um so mehr hat er natürlich Interesse, das in dem Flugzeugwrack gefundene Kokain zu verticken, um endlich reich zu werden. Man fragt sich ernsthaft, warum Jared und er miteinander befreundet sind. Außer lautem Getue gibt es keinerlei Gemeinsamkeiten – das muß so eine amerikanische Erinnerungsnummer sein („gemeinsame Highschooltage“,“gemeinsames Footballteam“usw.),die aber nicht erklärt wird. Dafür hat Bryce, der in dem Film mindestens fünfmal seinen Freund enttäuscht, nicht mal eine Entschuldigung dafür übrig....genauso wie er auch nichts für Amanda übrig hat...
- Sie gibt das aufgedrehte Girlie auf der Suche nach Spaß, Sex und Drogen. Sie hat keinerlei Skrupel und macht bei allem mit, was Kohle bringt. Sonstige Haltungen zeigen sich bei ihr nicht...
Das Ganze könnte man ja noch irgendwie durchgehen lassen, wenn man es ein bißchen ins Extreme stilisiert hätte, aber es wird so unemotional erzählt, daß einem alle Typen völlig egal sind....
Auch die scheinbaren Konflikte, die ja durch die Versuchung des Kokain durchaus da wären, werden kaum ausgespielt. Ein Päckchen wird im Wasser verstreut,dazu ein blöder Spruch und Bingo. Kein emotionaler Ausbruch, Handgreiflichkeiten oder gar innere Unsicherheiten, Freund Bryce macht die Sache dann eben einfach allein mit Amanda.
Und kommt natürlich sofort an die falschen Leute.
Daran erkennt man auch das mangelnde Timing im Film. Während man sich viel Zeit läßt, uns mit der Unterwasserfauna bekannt zu machen, sieht man Bryce und Amanda Richtung Flugzeug auf das Meer rausfahren und schwups sitzen sie bei Mr.Gangster auf seinem Boot, der ihnen die Pistole auf die Brust setzt....
Was er da will, wie er den Typen überhaupt als Ortsfremder kennengelernt hat und warum er so blöde war, ausgerechnet dem Typen den Stoff verticken zu wollen, dem er vorher gehörte, keine Ahnung ???
Aber vielleicht gehört das noch zum Werbefilm für die Bahamas, der uns damit weismachen will, daß es auf der ganzen Insel nur EINEN Drogendealer gibt. Armer Bryce, er hatte einfach keine andere Wahl....
Und so geht der gesamte Film weiter, die Story nimmt noch ein paar Wendungen, die immer zwischen vorhersehbar und unlogisch variieren und weder Spannung aufkommen lassen, noch irgendwie emotional berühren trotz des zuletzt recht brutalen Endes mit viel Action, bei dem sich dann die Schmusekätzchen überraschend wieder in böse Monster verwandeln....
Auch für sogenanntes Popcornkino ist das viel zu wenig.
Gut gemachtes Popcornkino ist eine Kunst, auch hier muß der Storyaufbau, das Timing und die Charakterisierung stimmen. Ich könnte noch eine Vielzahl an Beispielen nennen, um diese Thesen zu untermauern ,möchte aber für Andere, die durch Selbsterfahrung schlau werden möchten, nicht zu viel verraten.
Aber eine Sache muß ich zum Schluß noch erwähnen, auch wenn ich damit doch etwas verrate (allerdings nicht allzuviel), denn diese Sequenz ist einfach signifikant für das fehlende Timing und die Lieblosigkeit der Filmemacher im Zusammenhang mit den handelnden Personen.
Ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem eine der Hauptpersonen so völlig ohne Emotionen beseitigt wird:
Amanda wird bei einem Tauchgang plötzlich von einem Hai gebissen und liegt verletzt und bleich auf dem Boot.
Schnitt.
Ohne daß man sie dann nochmal zu Gesicht bekommt, sieht man Szenen aus einem Krankenhaus und das Gesicht von Bryce hinter einer Glastür.
Schnitt.
Jared, Sam und Bryce fahren gut gelaunt Auto und erwähnen in einem Nebensatz ,daß Amanda tot ist.
Kein Mitgefühl, Trauer ,nicht mal falsches Mitleid. Schluß, weiter zur Tagesordnung, danach wird sie nicht mehr erwähnt. Ich war völlig überrascht, da sie ja eigentlich nur eine Bißwunde am Oberschenkel hatte und dachte im schlimmsten Fall an Amputation. Aber sonst, kein Todeskampf, keine Rettungsversuche im Krankenhaus, einfach nichts. Das Ganze dauert zusammen gerade mal eine Minute – für die Tauchgänge ließ man sich dagegen ewig Zeit.....
Hatte Ashley Scott dem Regisseur ans Bein gepinkelt? – Oder störte sie nur beim verlogenen Happy-End, da sie ja als Charakter eher negativ angelegt war ? – Echt ein mieser Film(3/10).