Die Erde in naher Zukunft: Durch eine Epidemie, ausgelöst durch ein neu entwickeltes Medikament, haben sich die Menschen in Zombies verwandelt und gehen in den zerstörten Städten nun Nacht für Nacht auf die Jagd nach Frischfleisch. Einige Überlebende scharren sich in kleinen Gruppen zusammen, die allerdings von brutalen Anführern und ihren Schergen, der sogenannten „Upper Class“, unterdrückt werden. Als ein einsamer Straßenkämpfer namens Kane die Bildfläche betritt, scheint sich das Blatt zu wenden.
Eines gleich vorweg: Wer angesichts des Titels einen klassischen Amateur-Zombiefilm mit übermäßig vielen, billigen Effekten und einem erhöhten Maß an unfreiwilligem Humor erwartet, der liegt hier schon mal grundsätzlich falsch. Ja, es tauchen Zombies in großer Zahl auf und ja, es gibt die üblichen Manschereien mit diversen Eingeweiden menschlicher Opfer zu sehen. Doch diese sonst markanten Szenen stehen hier ausnahmsweise mal nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Unglaublich, aber wahr: Man bemühte sich tatsächlich trotz merklich mangelnden Budgets, eine apokalyptische Endzeitvision in allen ihren utopischen Facetten an den Zuschauer zu bringen, was streckenweise tatsächlich gut funktioniert. Man ist allerdings oftmals gezwungen, auch seine eigene Fantasie spielen zu lassen, denn insbesondere die Kulissen lassen schon bei einem flüchtigen Blick allzu offensichtlich erkennen, um was es sich bei selbigen handelt: Zweckmäßig hergerichtete Gärten und Straßenabschnitte, dazu ein paar vernagelte Türen, Schutthaufen, hier und da mal ein vom Wind davongetragenes Stück Zeitungspapier – die No-Budget-Optik ist zu keinem Zeitpunkt zu übersehen und doch wirkt das ganze stets glaubwürdig, da sich die Macher trotz aller finanzieller Mängel sichtlich um die Schaffung einer düsteren Grundstimmung bemüht haben.
Diese Endzeitatmosphäre wird vor allem durch den sehr stimmigen Score erreicht, der viele Szenen merklich aufwertet. Auch die sehr professionelle Kameraarbeit tut dabei ihr übriges, obwohl es auch durch sie nicht möglich war, der störenden Billig-Optik der Ausstattung zu Leibe zu rücken. Besonders auffällig sind die Sequenzen bei Tag, wenn die Darsteller durch die menschenverlassenen Straßen wandern und man im Hintergrund stets die gleichen Häuser zu Gesicht bekommt, deren Eingangstüren immer mit den gleichen Brettern vernagelt sind. Sehr leicht also, den ganzen Film von vornherein als Trash abzustempeln.
Doch obwohl man es kaum für möglich halten mag: Die Story über die Überlebenden, über ihren aussichtslosen Kampf gegen die Zombies und die „Upper Class“, über ihre Streitereien untereinander und selbst über die Hintergründe der Epidemie funktioniert erstaunlich gut. Zu verdanken ist dieser glückliche Umstand durch das sehr souveräne und überzeugende Spiel der Darsteller, die ihren Charakteren durchaus so etwas wie Persönlichkeit verleihen können und bei denen man gerne bereit ist , ihren Geschichten und Hintergründen zu lauschen, so dass die Zombiethematik zeitweise völlig unter den Tisch fällt, ohne dass man sie ernsthaft vermisst. Besonders Frank Farhat darf als raubeiniger Einzelkämpfer weitaus mehr Mienenspiel an den Tag legen, als man es bei einer solchen Rolle erwarten würde.
Die Macher wählten über weite Strecken eine sehr ruhige Erzählweise, die angesichts der langen Spielzeit von gut zwei Stunden nicht ganz ohne Längen auskommt und letztendlich auch keine echte Auflösung der Geschehnisse anbietet, ganz zu schweigen von einem Showdown. Viel mehr wirkt der Film in der Schlussbetrachtung wie eine Einleitung zu etwas größerem, das am Ende auch noch ganz nebenbei angekündigt wird: „Zombie Planet 2 - Adams Revenge“. Neugierig macht dieser „erste Teil“ allemal.
"Dawn of the Dead" meets "Mad Max": Regisseur George Bonilla gelang mit „Zombie Planet“ insgesamt ein sehenswerter, etwas lang geratener und trotz No-Budget-Kulissen recht atmosphärischer Endzeitstreifen mit sehr gut aufgelegten Darstellern, der seine ernstgemeinte Thematik überzeugend rüberbringt und sich trotz des leicht irreführenden Titels in den Untiefen des Amateurfilmsektors souverän behaupten kann.