Es scheint in den letzten Jahren zu einem ungeschriebenen Gesetz geworden zu sein, dass sich der gesamte B-Horror-Sektor bemühen sollte, seine cineastischen Ergüsse sich nicht allzu ernst nehmen zu lassen, um dem qualitativen Todesstoß des unfreiwilligen Humors aus dem Weg zu gehen. Selbiger rührt entweder von unterdurchschnittlichen Schauspielern, einem Nichts an Story und Atmossphäre, dilletantischen Effekten (wenn überhaupt vorhanden) oder einfach langweiliger, wirrer Inszenierung. "Bone Sickness" kämpft gegen diesen Fluch des Genres an - mit Erfolg.
Die Geschichte dreht sich um einen jungen Mann namens Alex, der offenbar unter einer unheilbaren Knochenkrankheit (womöglich Leukämie?) leidet. Sein bester Freund Thomas macht es sich fortan zur Aufgabe, ihm mit selbst beschafften Knochenmarkspräperaten wieder gesund zu pflegen. Und woher bezieht man so etwas? Natürlich aus dem örtlichen Leichenschauhaus. Leider erwischt Thomas eine Leiche, die unter mysteriösen Umständen zu dem wurde, was sie ist und offensichtlich mit einer Chemikalie oder etwas ähnlichem verseucht wurde. Von nun an wird der Handlungsverlauf etwas unübersichtlich: Alex verwandelt sich nach und nach in einen Untoten, zwei Polizisten gehen einem Mord nach und urplötzlich erwacht der Friedhof zum neuen Leben.
Um es nochmal deutlich zu machen: Von Selbstironie oder Humor im allgemeinen ist hier nichts zu finden. Von der ersten Minute an wird, unterstützt durch einen genialen Score und gut ausgeleuchtete, bedrohliche Kulissen, eine düstere, morbide Atmossphäre aufgebaut, die konsequent bis zum Ende durchgezogen wird. Die Darsteller machen ihre Sache bis zur Halbzeit hervorragend, danach werden sie im Grunde nicht mehr gebraucht, was eigentlich sehr schade ist.
Was nun aber folgt, dürfte für alljene, die sich zu sehr an die größtenteils eher seichten Horror-Flics der letzten Jahre gewöhnt haben, zu einer wahren Tortur werden, denn die Gore-Effekte die hier aufgefahren werden, gehen im wahrsten Sinne des Wortes ans Eingemachte: Von Ausweidungen über zerplatzende Schädel bis hin zu ausgiebigen Fresszenen wird so ziemlich alles geboten , was der schlechte Geschmack und die gewalttätige Fantasie hergibt. Und trotzdem wirken die minutenlangen Effekteorgien nie aufgesetzt oder lächerlich. Dafür sind sie erstens technisch zu gut umgesetzt und passen sich zweitens nahezu perfekt an die kompromisslose und bitterböse Inszenierung an. Nur zum Ende hin wird das ganze doch reichlich skurrill, wenn sich etwa die Anführer der Untoten-Armee zu Wort melden, und auch die letzten beiden Sequenzen ziehen das ganze Geschehen arg in die Länge. Dies tut der unguten Stimmung aber keinen Abbruch.
Mit "Bone Sickness" liefert Regisseur, Darsteller, Drehbuchautor, Produzent und Komponist Brian Paulin einen knüppelharten, spannenden und ultrafiesen Low-Budget-Horrorfilm ab, wie man ihn in dieser Intensität selten erlebt hat. Trotz reichlich konfuser Story und in die Länge gezogenem Ende ein wahrer Hochgenuss für Genrefans.
7/10