BONE SICKNESS - der neueste Independent-Splatterstreifen aus Amiland, hm. "Nur immer her mit dem ganzen Scheiß!" hab ich mir gedacht und mal 'nen Blick riskiert.
Gleich zu Beginn fällt auf, dass es sich hierbei um eine Amateur-Produktion handelt, was zunächst vor allem an den Darstellern und der billigen Kamera-Optik festgemacht werden kann. Nach und nach wird aber der Verdacht immer stärker, dass hier nicht nur Amateure, sondern auch komplette Holzköpfe am Werke waren, da die, ich nenn's jetzt einfach mal, "Handlung" dermaßen unverständlich und sinnlos daherkommt, dass selbst der gute Fulci seinen Hut ziehen müsste.
Hier der Versuch einer Zusammenfassung:
Alex leidet an einer merkwürdigen Knochenkrankheit, die ihn sichtlich immer mehr zum Pflegefall macht. Seine Freundin und sein bester Freund kümmern sich aber liebevoll um ihn, indem sie Knochen und Leichenteile vom Friedhof klauen, diese kleinhäckseln und Alex heimlich unters Essen mischen...
Rrrrrrums!!! *SchädelaufTischplatteknall* ... Homöopathie und ihre schrecklichen Folgen, oder wie!? ... Die Idee an sich ist ja ganz nett, wenn man ehrlich ist, aber auch sowas von dämlich, dass es eigentlich gar nicht mehr dämlicher geht, oder!?! Aber warten wir mal ab, vielleicht wird's ja besser...
Alex bekommt der "Leichenschmaus" jedenfalls irgendwie nicht so recht und fängt daher an Blut zu scheißen und Würmer zu kotzen. Außerdem wächst in ihm eine unstillbare Mordlust heran...
Dann steigen plötzlich aus heiterem Himmel die Toten aus ihren Gräbern und machen erstmal Schluss mit dem ganzen Rabatz. Da nicht einmal Swat-Teams und das Militär die Zombieschar aufhalten können, droht bald die Menschheit vom Angesicht der Erde gefegt zu werden...
Ihr seht, die Handlung ist nicht besser, sondern nur noch verworrener und konfuser geworden.
Logik ist hier also absolut gleich null: Was geht mit Alex ab? Ist er halb Mensch, halb Zombie? Und wieso laufen plötzlich überall diese vermoderten Grufties rum? Ist in der Hölle mal wieder kein Platz mehr?
Fragen über Fragen, auf die der Film aber leider keine Antwort liefert.
Wäre BONE SICKNESS ein lockerflockiger, nicht allzu ernstgemeinter Metzelspaß á la "Premutos" oder "Zombie '90", so könnte man über diese brachialen Sinnlosigkeiten getrost hinwegsehen.
BONE SICKNESS ist aber ein auf todernst getrimmter Streifen, dem keine einzige Sekunde lang auch nur das kleinste Schmunzeln auskommt. Unfreiwilliger Witz, unernste Schauspieler oder überhaupt irgendeine Form von Humor? - Nein, Fehlanzeige. Hier leider nicht!
Lediglich viel düstere Friedhofstimmung..., doch die ist irgendwie gar nicht mal so schlecht...
... wo wir bei den Pluspunkten des Films angelangt wären:
1) die Atmosphäre. Die ist düster, morbide und sehr stimmig und von Anfang bis Ende äußerst ernst, was hauptsächlich an der sehr düsteren Hintergrundmusik festgemacht werden kann.
Darüber hinaus kann der Film sogar zwei-drei ordentlich sitzende Schockmomente aufweisen, was bei einem Amateurfilm ja auch nicht unbedingt die Regel ist.
2) ... und jetzt kommt's: der Splatter. Der ist stellenweise sauhart und macht echt Spaß. Effektemäßig fackelt der Streifen wahrlich ein Feuerwerk ab: Gedärme-und-Hirn-fress-Szenen en masse, Arm ab, Kopf ab, in der Mitte durch und Blutfontänen soweit das Auge reicht... besonders die vielen Zombies springen alles andere als zimperlich mit den Darstellern und Statisten um...
Zwar bewegen sich die Effekte auf Amateur-Niveau, allerdings sind sie im Großen und Ganzen wirklich sehr, sehr gut gemacht und kommen oft sogar an Ittenbach ran.
Ihr seht also, BONE SICKNESS ist ein ziemlich zweischneidiges Schwert:
einerseits hat man da eine völlig konfuse, grenzdebile und unverständliche Story, andererseits gute Atmosphäre und hammer Gore.
In gewisser Weise hätte der Film durchaus 'ne OFDb-"1" verdient, der recht geile Splatter und die sehr gelungene Stimmung ziehen den Film aber doch ein wenig aus der Bredullje.
Wenn man "Geisterstadt der Zombies" gut finden kann, dann wird auch BONE SICKNESS sein Publikum finden.
Wegen seiner unbeschreiblichen Weirdness ist der Streifen also schon fast wieder sehenswert..., meiner Meinung nach aber eben auch nur "fast"!