Review

Na, Lust auf Gerippe?  

Eigentlich könnte ich in meiner Einleitung zu diesem Film genau dasselbe schreiben, was ich schon in meinem gestrigen Review zu dem amerikanischen Amateurzombiebeitrag The Dead next door (1989) schrob, lässt man sich auf einen Film ein, der zwar herkunftsmäßig sicherlich im Untergrund, bzw. aus der Independentecke anzusiedeln ist, aber die fehlende Genrebezeichnung „Amateur“ beim Eintrag des Filmes, lässt schon ein wenig die Erwartungen auf etwas Hochwertigeres aufschwappen, somit man zumindest mit einem Werk in Form eines Dead Meat (2003) rechnen kann bzw. will. 

Diese Vorfreude wird aber schnell niedergeschmettert, denn wenn wir nach einem wirklich düsterem Intro, angesiedelt auf dem Friedhof, mit derbster Schnitttechnik, Flackern, pfeilschnellen Ekeleinblendungen und beklemmenden Verzerreffekten ausgestattet und Knirchsounds folgen, befindet man sich als gut eingestimmter Zuschauer in einer typischen Apartmentküche eines amerikanischen Standardhäuschens wieder, womit wir unerwartet mit dem Charme eines Homevideos überrumpelt werden.

Wie man damit umzugehen hat, weiss man, bzw. ich seit gestern, waren meine Erwartungen aufs niedrigste gesunken, oder zumindest auf das gesunken, was mir auch die toll aufgemachte Hartbox von X-Rated versprach. Als ultimatives Zombiegorefest angepriesen, dazu noch von X-Rated, erwartet man nicht allzu viel, kam man im Laufe der Jahre zu der Erkenntnis, dass diverse Coveraufdrucke bloss lügnerische Lockversuche sind, hinter denen meist nichts steckt. In diesem Falle aber zum Glück anders, wird der Film, im Laufe seiner Spielzeit, diesem Lockruf absolut gerecht. Das allein bleibt natürlich kein Grund, um daraus ein resultierenden Glanzwerk aufgetischt zu bekommen, bilden doch derart viele Faktoren den Gesamteindruckes eines Filmes, wobei natürlich Amateurfilme, meist als oberstes Klassenziel haben, mächtig auf die Gedärme ,- Blutkeule zu drücken.

In diesem Falle macht Bone Sickness zumindest alles richtig, aber erfreulich ist es zumindest mal, dass der Film ganz genau weiss was er will – ernst sein, vielleicht manchmal zu ernst. Für seine später ausufernden Goreeskapaden hantiert er nämlich ungewöhnlich lange mit seinen Charakteren herum, ragt sich im Zentrum dieser Choose nämlich ein Päarchen empor, hier ein Knochenkranker Mann und seine Freundin, die auf Gedeih und Verderb versucht, die absolut verheerende und immer schlimmerwerdende Situation seines Freundes zu retten, denn der tut sich mit dem Gehen schwer, wobei auch diverse Körperflüssigkeitsverluste nicht gerade sehr positiv anzumerken sind. Dieses traurige Zusammenspiel dieser dennoch sehr harmonischen Beziehung (muss man annehmen, wenn innerhalb 10 Minuten 5 mal „Ich liebe dich“ fällt) erinnert vom reinen Grundgerüst der zwischenmenschlichen Dramatik an Genrekollegen wie Return of the living dead 3 (1993) oder auch an das exzellent umgesetzte Liebesdrama Zombie Honeymoon (2006), in dem der langsame Verfall bzw. die Zombiefizierung des Partners ebenfalls dargestellt wurde, wobei Bone Sickness (allein der Titel lässt nicht auf aufschweifende Personendramen schliessen), sicher nicht als Ziel hat, gewisse Parallelen oder Tiefgründigkeiten zu inszenieren.  

Das ist schnell erkennbar, auch wenn mit der Hilfe eines Freundes, als Totengräber und Pathologist arbeitend, der Knochenmark und totes Fleisch für den Freund anschleppt, diverse Verweise zu erkennen sind, versuchte man in eben erwähntem Film auch die Befriedigung der tierischen Fressgelüste zu stillen, ist der Grund für diese Leichenfledderei aber die Motivation seine Knochen, ohne das Wissen des Opfers zu behandeln. Von Zombiefizierung ist dort noch nichts zu spüren, aber allein die Entnahme der Leichenteile und die Szenen, in denen der Totengräberfreund an den Leichen rumwerkelt, sind für den FX – Fan schöner nicht anzusehen, auch wenn die billige Herkunft gewiss nicht zu verleugnen ist. Aber Maden, Extrasoße und Gewürm machen das ganze wieder wett, die absolute Ambition ist aber allemal zu würdigen wert, sehen die abgetrennten Gliedmaßen und zu präparierenden Körperteile, dazu noch recht verfault, absolut authentisch aus.

Allein die Szenen in der Obduktion sind da schon Garant genug für unheilvolle und bedrohliche Atmosphäre, vor allem wenn der Regisseur recht geschickt den Umschwung in der Story, mit der Einblendung von abfließenden Untotenwassers in die Kanalisation propagiert und sich die eben verstückelte Leiche, beim Verdunkeln des Raumes langsam erhebt. Die Idee die Knochenkrankheit mit toten Knochen und Fleisch zu heilen, mag zwar äusserst absurd sein, aber wer erwartet denn schon einen realistisch aufklärbaren Grund für eine Zombieinfektion, wenn angeblich heilendes Knochenfleisch gerade das Gegenteil bewirkt.  Fakt ist, dass das im Gesamten stimmungsvoll und düster inszeniert ist, wodurch auch stellenweise grenzwertige aber genauso morbide Einwürfe von Komik absolut auflockernd sind. Denn wenn die Frau ihren Mann mit dem Zeug füttert und der fragend nach dem Inhalt und dem Grund des Knusperfaktors fragt, worauf die Antwort „Müsli“ ist, dann darf man ruhig mal schmunzeln, genauso wie die Szene, in der unser Leichenfledderer genüsslich in ein mit Fleischbelegtes Brot beisst, worauf wir darauf hin erahnen müssen, dass es sich um totes Menschenfleisch handelt.  Doch diese einführende Szenerie voller Dramatik, soweit das schauspielerische Talent halt möglich, schwappt schnellstmöglich über, denn wenn bei Herr Knochenkrank die Infektion anfängt, darf die Ekelkeule angeschmissen werden, erbricht er im Minutentakt Marden und auch sein Stuhlgang ist recht blutig – würmig...

Ab dort an, sofern man das bis dato recht amateurhafte Treiben überwunden hat, schwappt die Szenerie über, vor allem weil dann auch solangsam die Untoten recht oldschoolig aussehend, recht verfault, und fast schon Skelettmäßig im Bianchistyle (Rückkehr der Zombies (1980) ) aus ihren mit übertrieben Nebelmaschinen verseuchten Neongruften steigen (und das verheisst meist nichts Gutes). Wahrlich nicht, aber für den Zuschauer umso mehr, sind die letzten 40 Minuten ein reines Abschlachten, dass sich so zusammenhanglos und wild präsentiert, als würde man auf Gedeih und Gedärm versuchen, die Fertigkeiten in Sachen Effektemöglichkeiten bzw. Zerstückelungsmöglichkeiten zu ertesten. Jeglicher Sinn auf Story bleibt da abhanden, worauf es im Endeffekt eh egal ist, da man zu den vermeintlichen Darstellern eh null Bezug hat, bzw. auch nie haben möchte und es schlussendlich egal ist, dass sie im Effektefeuer, nicht mehr ganz so komplett in ihrem anatomischen Aufbau untergehen.

Also insofern wurscht, kann man sich dort an Ekeleien ohne Ende freuen, wodurch das Geräusch zerberstender Knochen, Kiefer, Köpfe und Gliedmaßen im Akkord arbeiten würde. Da spritzt nicht nur reichlich viel Blut, Gedärm, sondern auch reichlich viel Anglerware. Die Effekte sind gewiss ordentlicher Ittenbachstandard wenn man so will, ordentlich handgemacht und ein reines Fest für den Gorebauern. Mainstreamer werden wohl abschalten, oder kotzen, denn das Ganze kann man gewiss, in Bürgersprache als „kranken Scheiss“ titulieren. Womit wir auch schon beim Ende angekommen sind, das ähnlich wie auch Night – Dawn etc. inszeniert wird, lässt man eine Reihe von Schutzmaskentragende Bereiniger einlaufen, wodurch die Schneekulisse noch mehr zur recht gekonnt dreckiginszenierten Untergangsstimmung beiträgt (so wie es das Talent eben erübrigt) 

Fazit:
Ein anfänglich recht ernst wirkender Amateurzombiebeitrag, der aber im Laufe seiner Handlung schnell in Richtung hirnloses Splattermassaker überschwappt. Für die einen eine filmische Katastrophe, sofern man so was wie Dawn of the Dead (2004) erwartet, für die Anderen die Erfüllung, findet man sich in einem dreckig – düsterem Schlachthaus wieder, dass an alte Italozombietage wie Rückkehr der Zombies erinnert. Selten kultiger, dreckiger und morbider wurde ein neumodischer Zombiefilm inszeniert, da muss man sich halt bloss noch mit der teilweise hapernden Synchro, Kameraführung und der miserablen Homevideooptik zurechtfinden. Wer das tut hat Metzgerfun en masse, vorausgesetzt, man kann sein Hirn ausschalten. 

64% 

Couchstellungswechsel: 5+
Splatter: 100%
Atmosphäre: 50% Mittelmaß, da sich düstere, stimmungsvoll morbide Szenen Hand mit Schnittgewitter und Hirnlossplatter geben
Schmunzelfaktor: 6 von 10 Knochenmarkmüslis
Ekelfaktor: 7 von 10 Stuhlgangwurmern 

The Dead next door (4/10) < Bone Sickness (8/10) < Rückkehr der Zombies (9/10)   

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