Der von Oliver Stone produzierte Cop-Thriller "Blue Steel" zeigt ein weiteres Mal die Stärken von Action-Regisseurin Kathryn Bigelow (Near Dark) auf. Denn auch hier weiß sie sowohl mit der Action als auch mit den Charakteren gekonnt umzugehen. Allerdings hat sie es, genau wie in dem etwas actionreicheren "Gefährliche Brandung", es auch hier nicht so sehr mit einer innovativen bzw. durchweg spannenden Handlung.
Megan Turner (Jamie Lee Curtis) kommt frisch von der Polizeiakademie und gleich hier erster Einsatz wird zur Bewährungsprobe: Sie tötet einen bewaffneten Ladenräuber. Doch die Waffe des Kriminellen, ein 44er Magnum-Revolver, verschwindet, und Megan wird vom Dienst suspendiert. Dann geschiet ein Mord, an dessen Tatort man eine mit Megans Namen eingeritzte Patronenhülse findet. Ihre Vorgesetzten wollen sie als Lockvogel für den Täter benutzen und nehmen Megan wieder in Dienst, wenn auch nur formell. Bald darauf lernt Megan den charismatischen Börsenmakler Eugene Hunt (Ron Silver) kennen, ohne zu wissen, dass Eugene es war, der die 44er einst an sich genommen und damit eine wahllose Mordeserie begonnen hat...
Hier sieht man Jamie Lee Curtis (Virus) erneut in einer starken Frauenrolle, auf die man sie in den 90ern mehrmals abonnierte. Glücklicherweise verkörpert sie kein klischeehaftes Manns-Weib, weshalb ihr Part überwiegend glaubhaft wirkt. Ron Silver (Timecop) ist als psychopatischer Schurke eine gute Wahl gewesen, wenngleich sein Charakter hier und da etwas übertrieben gezeichnet wurde. Auch die Nebendarsteller Clancy Brown (Highlander), Kevin Dunn (Zum Töten freigegeben) sowie Tom Sizemore (True Romance) in einem Cameo spielen solide.
Zwar ist "Blue Steel" deutlich actionärmer als "Gefährliche Brandung", doch auch hier erweißt sich Kathryn Bigelow als Profi in ihrem Fach. Die Shoot-Outs sind noch recht blutig und meist eindrucksvoll in Szene gesetzt. Und bis auf den ersten Mord und die Erschießung von Megans Freundin wird keiner von Eugenes Morden visuell gezeigt, was auch nicht weiter schlimm ist, da die Tötungart stets die gleiche ist. Insgesamt herrscht in "Blue Steel" ein magerer, aber harter Actionanteil. Denn der Streifen wird eher auf der psychologischen Ebene über die Bühne gezogen, wobei auch Megans Charakter eine wichtige Rolle spielt. Ihre Berufswahl stößt nicht überall auf Gegenliebe oder wird nur skeptisch betrachtet. Megan ist zwar keine Einzelgängern, doch vermittelt der Film durchaus, dass sie sich alleine fühlt. Ihre Beziehung zu Eugene scheint da eine neue Hoffnung zu sein, die sich aber urplötzlich ins Gegenteil verwandelt, als man hinter dessen dunkles Geheimnis kommt. Eugene hingegen erlangt durch die Morde ein Machtgefühl, das ihm seine Wall Street-Aktivitäten nie hätten geben können. In Megan sieht er eine Seelenverwandte. Jedoch reißt "Blue Steel" diese Charakterzeichnungen oftmals nur im Ansatz an und verballert so ungenutztes Potential. Dass die Handlung mehr hergeben könnte ist klar, da das Psychoduell zwischen Megan und Eugene größtenteils nur oberflächlisch abgewickelt wird. So wirken zudem auch Eugenes unerwarteter Besuch bei Megans Eltern sowie die Festnahme ihres Vaters deplatziert, da man diese Lücken besser hätte füllen können. Was die Spannung angeht, so ist diese durchaus vorhanden, kann aber nur mäßig unterhalten, da der Plot vorausschaubar ist. Der Score hingegen wurde richtig eingesetzt und kann den Film nochmal aufwerten. Bleibt der Humor logischerweise auf der Strecke, so bekommt man bezüglich der Erotik lediglich ein paar leicht erotische Sequenzen serviert, die im Großen und Ganzen jedoch kaum der Rede wert sind. Vonder Atmosphäre her dominieren hier Blau- und Schwarztöne, sowie kühle Bilder. Ergänzt wird das noch mit brachbaren Aufnahmen der Skyline Manhattans.
Mit "Blue Steel" kann Kathryn Bigelow erneut unter Beweiß stellen, dass sie eine der fähigsten Frauen Hollywoods im Actionfach ist, und sich mit Action und Charakteren bestens auskennt. Lediglich in Sachen Storyline benötigt es noch etwas an Nachholbedarf.