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Vielerorts gefeiert (drei Oscar-Nominierungen), hier auf der OFDB und der amerikanischen IMDB auf den vorderen Plätzen der Ranglisten vertreten stellt "Hotel Rwanda" auf den ersten Blick ein Must-See für alle seriösen Filmfans und politisch Interessierten dar.

Der blutige Konflikt zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Tutsi und Hutu im afrikanischen Ruanda, ausgelöst durch die belgische Kolonialpolitik fand 1994 seinen blutigen Höhepunkt, das Ergebnis waren eine Million tote.

Männer, Frauen und Kinder wurden unbarmherzig und barbarisch mit aus China importierten Macheten abgeschlachtet, Leichen säumten Reihenweise die Straßen während der Radiosender "Die 1000 Hügel" unaufhörlich Tutsi-feindliche Parolen und Aufruf zum Völkermord ausrief.

Ziemlich harter Tobak also, um ihn auf Zelluloid zu bannen und dabei nicht nur politsche, sondern auch historische Korrektheit zu wahren. Und in der Tat, "Hotel Rwanda" bebildert viele Fakten, von dem gewissenlosen Waffenschmuggel über die penibel eingehaltene Hotelordnung bis zu der Machtlosigkeit der UN lässt der Film den Zuschauer alles logisch nachvollziehen, was das Massaker ausmachte.

Don Cheadle als Paul Rusesabagina, die afrikanische Version des Oskar Schindler, spielt dabei überzeugend, auch Nick Nolte als Colonel Oliver gibt im Supportcast eine überzeugende Performance ab (gebrochene, selbstdestruktive Charaktere kann er ja spielen wie kein Zweiter). Jean Reno kann in einer kleinen Nebenrolle bewundert werden, die er souverän meistert. Sophie Okonedo als Pauls Frau ist allerdings durch ihre ständige, immer die gleiche Besorgnis ausdrückende Präsenz auf Dauer zu nervig und monoton um zu gefallen.

Inszenatorisch ist man keine Risiken eingegangen, neben dem oft gehörten Score erbietet sich dem Zuschauer die übliche Cinematographie und ein geradliniger Storyverlauf mit steigendem Spannungsbogen, der in einem Actionreichen Finale mündet. Hier liegt auch das Hauptproblem des Films. Das Thema wird aufgearbeitet, als würde es sich hier um ein normales Actiondrama handeln, da hier aber eine reale Situation rekonstruiert werden soll, hätte man auch auf die Häufung der Action zum Ende hin und auf den gewohnten Storyrhythmus ruhige Szene/spannende Szene verzichten sollen.

So kommt "Hotel Rwanda" wie ein Standard-Drama mit massentauglicher Narration daher, auch wollte man erst namenhaftere Hauptdarsteller wie Will Smith oder Wesley Snipes verpflichten, um die Kinokassen lauter Klingeln zu lassen. Aber ich finde das Kommerz bei diesem Thema fehl am Platze ist.
Auch wurde sich von dem Kernpunkt der grausamen Morde optisch distanziert um das Familiendrama um Paul zu erzählen, was allerdings alsbald belanglos erscheint.

Durch den Verzicht auf Gewaltszenen konnte nicht nur eine niedrigere Altersfreigabe, sondern auch eine unschärfere Zeichnung der Situation angefertigt, wer nur den Film gesehen hat und erst im Anschluss über die eigentlichen Abschlachtungen liest, könnte die ein oder andere Überraschung erleben.

Fazit: handwerklich und inhaltlich massentauglich wurde hier um das eigentliche Problem "herumgefilmt" um kommerzielles als pseudo-politisches Afrika-Kino getarntes Familiendrama zu zeigen, das zwar an der Oberfläche kratzt und Neutralität behält, aber nicht die eigentliche Grausamkeit des Völkermordes aufzeigt und somit nicht ernsthaft in die Riege politisch engargierter und "mutiger" Filme augenommen werden kann. Ich empfehle "The Last King of Scotland" oder den filmhistorisch äußerst wertvollen und in allen Belangen besseren "The Battle of Algiers".

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