Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an diesen Film gegangen - was leider eine ziemliche Enttäuschung zur Folge hatte. Denn entgegen vieler lobenden Kritiken konnte ich bei "Hotel Ruanda" keinen genialen Film erkennen. Was zwar nicht heißen soll, dass er schlecht wäre - aber wirklich überzeugen kann er eben auch nicht.
Was in erster Linie an der Umsetzung des brisanten Stoffes liegt: denn der grausame Völkermord (der ja bekanntlich auf Tatsachen beruht) wird eigentlich nie gezeigt. Dadurch läuft der Film zwar keine Gefahr, billig oder effekthascherisch zu sein, aber leider fehlen dadurch auch die beklemmenden und schockierenden Szenen. Über das Morden wird zumeist nur geredet, aber nur sehr selten dringt die Gefahr überhaupt bis zu den Hauptprotagonisten vor. Womit wir beim nächsten Problem wären: viel zu stark wird in "Hotel Ruanda" die Hauptfigur Paul und dessen Familie in den Mittelpunkt gerückt. Da diese allerdings kaum von der Situation betroffen wurden, andere direkt Betroffene aber permanent ausgespart wurden, verkommt der Film teilweise zum simplen Familiendrama. Manchmal wird der Krieg dann zur Nebenhandlung, was für einen solchen Film tödlich ist! Vor allem weil man in der Familiengeschichte auch auf zuviele Klischees trifft, auch Paul ist einfach unglaubwürdig herzensgut dargestellt. Zwar spielt ihn Don Cheadle trotzdem einigermaßen gut, aber etwas mehr an Charaktertiefe hätte hier sicher nicht geschadet. Stark spielt dagegen Nick Nolte als UN-Soldat, der dessen Hilflosigkeit überzeugend rüberbringt. Aber auch dieses Thema wird leider nur angeschnitten.
So kommt der Film im Endeffekt halt leider nur auf wenige starke Szenen (wie beispielsweise die, als Paul zufällig die Leichen des Massakers entdeckt), die meiste Zeit aber lässt einen das Gesehene erstaunlich kalt. Und wenn das so ist, dann hat ein Kriegsdrama da schon einige Fehler gemacht. Wirklich schlimm ist dann aber das unerträglich kitschige Happy-End, in dem sich dann einfach alles für die Hauptprotagonisten wieder zum Guten wendet... Sicher, durch die realen Figuren war das Happy-End zwar gewissermaßen vorgegeben, aber dennoch hätte man das deutlich weniger kitschig darstellen können.