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Hotel Ruanda spielt in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Ruanda. 1994 fallen extremistische Hutu nach einem Attentat auf den Präsidenten über ihre Nachbarn her, nur weil sie dem Volk der Tutsi angehören. In wenigen Tagen kommen dabei mehr als über eine Million Menschen brutal zu Tode. Der Manager des angesehenen Mille Collin Hotels Paul Rusesabagina macht sich zusammen mit dem UN-Oberst Colonel Oliver daran, Menschen zu retten und in dem Hotel, was bald zum Auffanglager wird, unterzubringen. Außerhalb des Hotels jedoch eskaliert die Lage immer mehr.

Das Thema Völkermord und ethnische Säuberung ist für einen relativ unerfahrenen Regisseur wie Terry George schweres Gerät, an dem man sich schon mal verheben kann. Basierend auf realen Geschehnissen steigen wir ein in die Situation 1994 in der Hauptstadt Kigali, eigentlich ist Frieden angesagt, den der Präsident mit den Bevölkerungsgruppen der Tutsi und Hutu vereinbart hat. Allerdings wird dieser mit seiner Maschine abgeschossen, vorgeblich von den Tutsi, was wiederum die Hutu schwer marodieren läßt.
Die Eskalation der Gewalt ist dabei sehr bedrückend anzusehen, wenn erst Nachbarn brutal niedergeschlagen werden, bis hin zu einer mit Leichen besäumten Straße wird sehr anschaulich das Leid der Bevölkerung eingefangen, ohne allerdings das brutale Gemetzel in Großaufnahme festzuhalten. Aber allein die Intensität der Bilder sorgt für ungutes Gefühl in der Magengegend. Hotel Ruanda ist da mit Sicherheit kein Gute Laune Streifen, sondern ziemliecher Hieb aufs Gemüt.
Geschildert wird die Geschichte aus der Sicht des Hotelmanagers Paul, der zwar Hutu ist, aber ansonsten politisch völlig uninteressiert, wohl auch weil die eigene Frau den Tutsis angehört. Das vier Sterne Hotel wird mehr und mehr zum Flüchtlingslager, die UN-Soldaten sind mehr eine Alibi Schutztruppe und die Hutus nehmen mehr und mehr das Hotel ins Visier. Etwas störend fand ich dabei allerdings, das man ihn so zeichnet wie den Topanwärter auf den Friedensnobelpreis, immer freundlich, hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe und das auch stets in Situationen mit höchstem Streß. Er basiert ja ebenfalls auf einer realen Figur, aber die Glaubwürdigkeit fiel mir hier sehr schwer.
Hotel Ruanda ist wirklich ein schwerer Stoff, da paßt das hoffnungsvolle Ende allerdings kaum zum Rest der Geschichte. Ich hatte jedenfalls einen schweren Kloß im Magen wegen der zerstörerischen Bilder, vor allem weil die Story nicht fiktiv, sondern in Wirklichkeit so passiert ist. Stellenweise fand ich es etwas übertrieben, wie bei der Figur des Pauls, oder wenn einem ständig ein ganzes Rudel ängstlicher Waisenkinder in den Augapfel gehämmert wird (nennt mich herzlos, aber ich hasse es, wenn Filme mit heulenden Kindern emotional punkten wollen), aber im Großen und Ganzen ist Hotel Ruanda ein gelungenes Kriegdrama für die Hartgesottenen.
7/10

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