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Es gibt immer einen Weg & einen Platz

Manchmal hat man das ungute Gefühl, dass man sich bei den vielen kleineren Kriegen & Konflikten auf der Welt, schon in so etwas wie einem schleichenden 3. Weltkrieg befindet. Wir dabei einfach mit dem silbernen Löffel im Mund, teilweise machtlos, oft nicht schuldlos, am Zugucken, von gesicherter Position aus. Ich freue mich immer, wenn Filme mal andere Kriege zeigen als die üblichen großen, auf dem afrikanischen Kontinent erst recht. Gerade in diesem Subgenre der Kriegsfilme, gibt es so einige unterschätzte Perlen (wieder) zu entdecken. Von "Blood Diamond" über "Der letzte König von Schottland" bis zum neuen "Beasts of No Nation". "Hotel Ruanda" gehört ebenfalls in diese Reihe von sehenswerten Filmen & wichtigen Geschichtsstunden, wird nicht umsonst oft als Afrikas "Schindler's Liste" bezeichnet, obwohl er nie ganz an dessen Meisterschaft & grausame Schönheit herankommt.

In der trocken & künstlerisch äußerst simpel erzählten Story, geht es um den Konflikt zwischen Tutsie & Hutu im Ruanda der 90er, der als Genozid bezeichnet werden muss. Mitten in diesem Chaos, Massenmord & einem der größten Flüchtlingsströme aller Zeiten, öffnet ein Hutu Hotelbesitzer die Tore seiner Anlage, nicht nur für seine Familie, Freunde & Hutu, sondern für alle. Natürlich bringt das enorme Risiken & Folgen mit sich, sodass man während der 2 Stunden nie vergisst, dass es hier dauernd um Leben & Tod geht. Hotelmanager Rusesabagina wird dabei unglaublich gut von Don Cheadle gespielt, wohl in der Rolle seines Lebens. Manchmal wirkt er etwas zu gut & zu perfekt für diese Welt, jedoch reißt das die Emotionen & Gefühle nie wirklich von uns weg. Es bleibt eine starke Darstellung eines noch stärkeren Mannes, voll Mut, Menschlichkeit & Aufopferung.

Eine der absoluten Stärken des Films: ohne zu belehren, macht er auf einen eher unbekannten Konflikt aufmerksam, zeigt wie wir mal wieder weggucken & wenig helfen, beschämt uns. Er unterstreicht, dass es immer einen Weg zum Helfen gibt. Man braucht nur enorme Aufopferung, Mut & Stärke. Wir sind alle gleich, Kriege sind unmenschlich & furchtbar, damals in den 90ern genauso wie heute - keine neuen Erkenntnisse, aber selten so eindringlich, sachlich & (äußerlich) fast kühl rübergebracht. Die Diskrepanz zwischen flacher, stilloser Oberfläche & brodelnder Emotionen darunter, ist auffällig & mir teilweise etwas zu stark. Ein paar mehr große Bilder, grausame Schocker & vielleicht auch Kitsch, hätte es ruhig sein können. So hält einen der Film doch auf Abstand hat man das Gefühl, wirkt wie eine gehobene TV-Produktion. Vielleicht ist aber ja genau das ein Sinn des Ganzen & der Regisseur ist auch nicht der Typ für große Kunstwerke, eher Handwerker als Künstler. Muss es auch geben, besser als hohle "Kunst" ala Michael Bay ist das ohne Zweifel.

Fazit: der perfekte Film an alle, die Durchhalteparolen wie "Wir schaffen das!" oder "Es gibt immer einen Weg!" als dumm, unüberlegt & unmöglich abstempeln. Ein komplizierter Konflikt, simpel & zutiefst menschlich dargestellt. Einer der besten Filme über Bürgerkriege auf dem schwarzen Kontinent.

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