Helmut Dietl brauchte über fünf Jahre, um seinen letzten Kinofilm "Late Show" zu verarbeiten. Aber so übel war der gar nicht. Genau das trifft auf "Vom Suchen und Finden der Liebe" zu. Damals wie heute dabei: Harald Schmidt.
Zur Story: Der Musik-Produzent Mimi Nachtigal trifft die bis dahin erfolglose Sängerin Venus Morgenstern, welche sich buchstäblich unsterblich in einander verlieben. Als 7 Jahre später die Beziehung endgültig in die Brüche geht, nimmt sich Mimi das Leben und landet im griechisch-mythologischen Jenseits. Sein dortiger Begleiter Hermaphrodit versucht ihn, das Vergessen zu lehren, doch er muss immerzu an seine Verflossene denken. Eines Tages folgt sie ihm nach...
Die Story hört sich nach einer tragisch-romantischen Liebesgeschichte, angelehnt an Orpheus und Eurydike an, hat aber häufige Anflüge von Humor. Diese Mischung funktioniert nahezu perfekt, da Uwe Ochsenknecht als sexuell frustrierter Musikprofessor und Anke Engelke als Ochsenknechts notgeile Frau überzeugen. So ist mit diesen Beiden eine herrliche absurde Szene zu sehen, als sie am Notebook ihre Termine checken, um irgendwann ein ("gut vorbereitetes"-O-Ton) Schäferstündchen "vereinbaren" zu können.
Auch Harald Schmidts kleine Nebenrolle als sexuell desillusionierter und unglücklich verheirateter Psychologe ist zum Schießen.
Der Film hat allerdings ein großes Problem: Regisseur Helmut Dietls egozentrisches Selbstverständnis. So erinnert die Figur des Musikproduzenten Mimi Nachtigal (dargestellt von Moritz Bleibtreu) mit weißem Schal, grau melierten Haaren und Bart nur allzu deutlich an den Maestro. Er konnte es also nicht lassen, sich in dieser Rolle selbst darzustellen, was oft zu bemüht wirkt und seinem angekratzten Ego als hemmungsloser Romantiker wohl zur Heilung verhelfen soll. In Alexandra Maria Lara als Sängerin Venus Morgenstern sind auch Parallelen zu Dietls verflossener Veronica Ferres zu finden, wenn auch nicht so offensichtlich.
Heino Ferch als tri(!)-sexueller Hermaphrodit spielt hier die wohl skurrilste Rolle seiner Karriere und bereichert das Geschehen durch seine betont schwulen Annäherungsversuche an Moritz Bleibtreu.
Die Darstellung des Jenseits ist sowohl mythologisch angelegt, als auch klischeehaft (Darstellung des "Wolkenmarschs" zurück ins Leben als Beispiel). Die weit verbreitete Düsternis im Jenseits erinnert außerdem stark ans Land Mordor in "Herr der Ringe".
Die Mischung aus dem konventionellen und deswegen banalen Alltagsleben des Paares und poetisch-mythologischen Szenen im Jenseits indes funktioniert nicht.
Letztendlich bleibt ein ambitioniertes, betont mythologisches Drama mit guten Effekten um die Liebe über den Tod hinaus, dass sowohl kitschig als auch (manchmal bemüht) romantisch ist. Der Spagat zwischen Komödie und Tragödie ist Dietl geglückt, während selbiger bei der Kreuzung von Mythologie und Alltag nicht überzeugt.
Das Experiment ist also gescheitert, wenn auch auf künstlerisch beachtenswertem Niveau (6/10).