Review

"Blutige Dämmerung" aka "Vor Morgengrauen" ist ein typischer Backwood-Slasher aus den frühen 80er Jahren, der versucht, im Fahrwasser von "Freitag, der 13." oder "The Burning" mit zu schwimmen.


Jeff Liebermanns Horrorthriller arbeitet fleißig die sattsam bekannten Stilmittel und Klischees ab, kann dem Subgenre aber leider kaum neue Impulse abgewinnen und wandelt über weite Strecken auf den ausgetretenen Pfaden der bekannten Vorbilder, deren Klasse er weder inszenatorisch noch durch eine packende Handlung erreichen kann.

Vor einer grandiosen Naturkulisse mit gigantischen Wasserfällen und bedrohlich wirkenden Hängebrücken über tiefen Bergschluchten spult "Blutige Dämmerung" das altbekannte "Zehn kleine Negerlein"-Prinzip mehr lustlos als spannend ab - zumal der Bodycount überschaubar bleibt und der Gorehound - bis auf wenige, an einer Hand abzählbarer Ausnahmen -  eher auf dem Trockenen sitzen bleibt anstatt wegen blutiger Splattereinlagen vor Freude mit dem Schwanz zu wedeln.
Zwar gibt es den ersten Macheten-Kill bereits nach fünf Minuten zu bestaunen, allerdings wird auch gleichzeitig der Killer präsentiert - wodurch es dem Film kaum noch gelingt im weiteren Verlauf so etwas wie Spannung zu erzeugen.

Im Gegenteil: bis es einigermaßen dramatisch wird ist der Film schon fast eine Stunde rum und bis dahin vegetiert "Blutige Dämmerung" langweilig und unspektakulär vor sich hin.
Hin und wieder schafft es Liebermann einen Hauch von Atmosphäre zu erzeugen oder einen gelungenen Schockmoment in Szene zu setzen - insgesamt bleibt der Film jedoch relativ spannungsarm und weniger bedrohlich.

Der Twist um die Identität des Killers ist - angesichts der faden Inszenierung - sicherlich erfreulich und eine der wenigen guten Ideen im gesamten Film - kann aber die Längen der ersten Stunde nicht annähernd vergessen machen. 

Erst im letzten Drittel besinnt sich Liebermann darauf "Blutige Dämmerung" mit den genretypischen Slasher-Momenten zu würzen - doch retten kann er die maue Horrorkost dann doch nicht mehr. Die Zutaten waren reichhaltig vorhanden, doch der Koch mit der Zubereitung einfach überfordert.
Schade drum, denn vor der Naturkulisse hätte sich sicherlich wunderbar metzeln lassen.

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