Eines vorneweg: Der Film gehört zu den besten und ergreifendsten, die ich in den letzten Jahren gesehen habe
Zur "Story" und zu deren Verlauf muss ich ja nicht viel schreiben, das Ende ist jedem hinlänglich bekannt, weshalb ich auf Spoiler o.ä. nicht achten muss bzw. werde.
Sophie Scholl, ihr Bruder Hans sowie die anderen Mitglieder der "Weißen Rose" wollen die Studenten in München mit Flugblättern ermuntern, sich vom Nationalsozialismus abzuwenden und sich dem Widerstand anzuschließen, um möglichst bald den Krieg zu beenden anstatt ihn wie Hitler noch verlängern und dabei von "Heldenkampf" zu sprechen. Fatalerweise werden sie ertappt, weil Sophie Flugblätter in den Lichthof wirft. Was dann folgt, ist das, was in Verhoevens "Die Weiße Rose" nicht mehr zu sehen war, das, was nach der Verhaftung geschehen ist, die langen Verhöre, die Brücken, die Verzweiflung und die dennoch stete Aufrichtigkeit, ebenso der Prozess vor Roland Freisler.
Julia Jentzsch in der Rolle der Sophie Scholl fesselt von der ersten bis zur letzten Minute, sie stellt Sophie als absolute Identifikationsfigur dar und man möchte mit ihr zusammen Roland Freisler entgegen rufen, was sie getan hat. Ergreifend wird die Darstellung ab dem Punkt, an dem sie merkt, dass sie aus der Nummer nicht mehr rauskommt und anfängt, aufrichtig und stolz hinter ihrer Tat zu stehen. Man nimmt Jentzsch gar nicht mehr als Schauspielerin wahr, man nimmt nur noch die Person der Sophie Scholl wahr. Die Plädoyers an den Gestapo-Mann Mohr, der ihr noch Brücken bauen will, aber an Scholls Idealen nicht rütteln kann. Der Gestapo-Mann erscheint als strenger, linientreuer Nazi, der aber nicht unbeeindruckt bleibt von den Ideen der Scholl-Geschwister, er findet es nahezu bedauerlich, dass sich diese Menschen der in seinen Augen "falschen Ideologie" verpflichtet haben, er scheint in seiner Rolle fast schon gefangen.
Beeindruckene Szenen bietet der Film sehr viele; neben den Verhören hat sich dann v.a. das Schaugerichtsverfahren vor dem Nazi-"Richter" Roland Freisler, der beeindruckend im Film dargestellt wurde von Andre Hennicke. Kürzlich habe ich einen Ausschnitt in einer ZDF-Dokumentation gesehen und daher war ich besonders beeindruckt von Hennicke Darstellung, insbesondere was Gestik, Mimik und Sprachhabitus angeht.
Toll, was aus den erst kürzlich zugänglichen Protokollen gemacht wurde. Ein Zeitdokument, das in meinen Augen wesentlich mehr zu fesseln vermag als z.B. "Der Untergang". Man kann jetzt die Filme an sich nicht unbedingt vergleichen, aber da sie recht zeitnah erschienen sind, sollte man gewisse Vergleiche doch ziehen dürfen. Identifikationsfiguren bietet "Der Untergang" nicht unbedingt, man sympathisiert mit der ein oder anderen Figur, aber leidet nicht mit, fühlt sich nicht ein. Mir ging es jedenfalls so, eine gewisse Distanz blieb immer und ich habe eher den Kopf geschüttelt über derart blinden Gehorsam als dass mir jemand leid getan hat. Bei "Sophie Scholl" ist das anders. Die Standhaftigkeit beeindruckt, die Plädoyers gegen den Nationalsozialismus ergreifen und man fühlt sich sehr schnell ein in Hans und Sophie Scholl, dass man das Unrecht im Gerichtsverfahren förmlich greifen kann, so dass ich beinahe "Bravo" gerufen hätte bei den Schlussbemerkungen gegenüber Freisler!
Toller Film, den man jedem nur empfehlen kann! Großartiges Kinoerlebnis. 10/10