Es handelt sich hier zweifellos um einen ernsthaften und auch gut gemeinten Versuch, sich dem dem Phänomen der Geschwister Scholl quasi-dokumentarisch zu nähern; weshalb auch der im Titel annoncierten Beschränkung "Die letzten Tage" ein gewisser Augenmerk beizumessen ist.
Der antifaschistische Widerstand der Weißen Rose ist - wie man inzwischen bis zum Überdruß lesen konnte - obligater Lehrbuch-Eintrag im Fach Staatsbürgerkunde geworden, im moralischen Ranking angesiedelt noch vor den alljährlich mit höchstem Pomp offiziös abgefeierten 20.Juli-Attentätern aus dem Dunstkreis der Stauffenberg-Clique. Und das hat zweifelsohne sehr viel zu tun mit dem dezidiert bürgerlichen Hintergrund der Scholls wie auch mit deren letzten Endes einfach nur individualistisch desperaten Widerstandsaktionen. Anders als der über klandestine Strukturen organisierte sozialistische oder kommunistische Widerstand gegen des NS-Regime besaßen die Mitglieder der Weißen Rose einen akademischen, also gut- und bildungsbürgerlichen Schichten entstammenden Hintergrund und hofften auf eine Art "Studentenrevolte", hierbei völlig außer Acht lassend, daß gerade das hochschulische Personal sich seit den Tagen der Bücher-verbrennungen (März 1933) als begeisterte Parteigänger geoutet hatte, das sich auch nicht scheute, verdiente Hochschulllehrer jüdischer Abstammung unbarmherzig zu verfolgen und von den Lehranstalten zu verjagen.
Das infolge dieser massiven (politischen wie soziologischen) Fehleinschätzung zwangsläufig tragisch verlaufene Schicksal der Scholls und ihrer Freunde läßt den historisch interessierten Betrachter sicherlich nicht unberührt. Speziell die Inszenierung der Verhör- und Kerkersequenzen ist denn auch entsprechend emotional aufgebrezelt, manch pathetische Sentenz und hölzernen Dialog inbegriffen. Gezeigt wird, was in den damaligen Tagen an Mut oder zivilem Ungehorsam vonnöten war, um überhaupt so etwas wie öffent-liche Wirkung erzielen zu können. Diese Art von Mut besessen und auch coram publico demonstriert zu haben - sogar vor dem Tribunal unter Vorsitz eines tobsüchtig schäumenden Volksrichters namens Roland Freisler und unter dem Damoklesschwert der Todesstrafe - verdient den uneingeschränkten Respekt aller Nachgeborenen, die um die Erschwernisse antifaschistischen Widerstandes nur aus den Erzählungen der oral history und den vielfach geglätteten Geschichtsbüchern wissen. Kinogänger jedenfalls erhalten - neben anderen Erkenntnissen - eine plastische Anschauung von jenem Verfahren, welches bis in die heutigen Tage als "kurzer Prozeß" im Wortschatz der Lakonie verankert ist.
Den zum Kulminationsgipfel der Jahreswende 1942/43 notwendigen Mut vereinzelter Dissidenten in angemessene Bilder gekleidet zu haben, ist denn auch unbestrittener Pluspunkt des Filmes. Dennoch verbleibt ein Vakuum an sowohl politischer Substanz wie historischem Hintergrund, denn der hier präsentierte, vornehmlich ethisch-religiös begründete Widerstand (gern als Aufstand des Gewissens bezeichnet), wird zu keinem Zeitpunkt in seinen biographischen Wurzeln und Brüchen erläutert, noch findet eine den programmatischen Zielen der Münchner Studenten angemessene Debatte auf cineastischer Plattform statt.
Zu bedauern ist ferner, daß dieser Film, welcher die letzten Tage im Leben einer noch jungen, aber durchaus charismatischen Titelfigur abzubildern versucht, zu keinem Zeitpunkt mit jener dichten, spannungsladenen Kammerspiel-Atmospäre aufwarten kann, wie sie etwa Romuald Kamakars "Der Totmacher" bot; stattdessen spult er bildsam bieder seine Handlung strikt linear und in konventioneller Bilderfolge ab. Die Darsteller-leistungen sind zwar allesamt durchaus ordentlich, vielleicht auch leicht über dem Durchschnitt liegend - aber den aktuellen Hype um Julia Jentsch (um ein erhebliches Maß besser agierend in "Schneeland" ) vermögen sie dem Rezensenten auch nicht zu erklären. Zudem stört der stellenweise erschreckend deplatzierte, weil wummernde Soundtrack, der jeglichen Moment von Spannung und Gefahr meint akustisch verstärken zu müssen, ihm aber stattdessen eher die Spitze bricht.
Da hier allein Inhalt und Qualität des Filmes zur Bewertung stehen, nicht aber Motive und Handlungen des per Drehbuch angewiesenen Personals, ergibt sich die sehr durchschnittliche Bewertung einer 5,5/10 fast wie von selbst.