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„Hast du Jason irgendwo gesehen?“

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie gut die „Freitag der 13.“-Filme eigentlich sind und was hingegen ein wirklich schlechter Slasher ist, sollte sich einmal Ralph E. Portillos („Roulette des Todes“) „Bloody Murder“ ansehen, denn im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern des Subgenre-Bodensatzes hat dieser US-Beitrag eine deutsche Synchronisation abbekommen und einen hiesigen Lizenznehmer gefunden. Während andere Filmemacher sich im Jahre 2000 noch von der durch Wes Cravens „Scream“ losgetretenen Neo-Slasher-Welle inspiriert zeigten, griff Portillos klassische Backwood-Klischees auf und fabrizierte einen „Freitag der 13.“-Rip-Off für ganz Arme.

„Wow! Zumindest kein Mangel an Messern!“

Fünf Jugendliche suchen das Camp Placid Pines auf, um es für die Neueröffnung herzurichten. Vor Ort werden sie bereits von weiteren Betreuern erwartet. Während man im Camp arbeitet, aber auch die schönen Sommerstunden genießt, werden sie jedoch mit der Legende von Trevor Moorehouse konfrontiert, der dort als Serienmörder sein Unwesen treiben soll. Diese nimmt natürlich niemand ernst, doch tatsächlich beginnt sich eine brutale Mordserie durchs Camp zu ziehen…

„Kleinstädte sind toll!“

Portillo ist anscheinend bereits seit 1986 als Regisseur von Spielfilmen tätig und „Bloody Murder“ war bereits sein achter Film. Wie er es dennoch schafft, „Bloody Murder“ wie einen No-Budget-Amateurstreifen wirken zu lassen, ist mir ein Rätsel. Schon zu Beginn wird tief in die Klischeekiste gegriffen: Ein Killer mit Hockeymaske und Kettensäge sowie einem Overall à la Myers, der verschrobene, warnende alte Sack, False Scares, eine alte Legende, ein Lagerfeuer und sogar ein Jason (Justin Ross Martin, „Breakdown“) ist dabei. Im Wald wird ein bisschen miteinander herumgemacht und ein infantiles Spiel namens „Bloody Murder“ gespielt, aus dem natürlich Ernst wird. Zumindest die Hockeymaske wird irgendwann abgelegt, was jedoch nicht heißt, dass ihr Austausch gegen das von Protagonist Tobe (Patrick Cavanaugh, „College Animals“) mitgeschleppte Exemplar ein Mehr an Originalität bedeuten würde. An den Spezialeffekten sparte man ebenfalls, die wenigen sind sehr simpel und wenig explizit ausgefallen, zudem bleibt der Film trotz einiger ansehnlicher Darstellerinnen komplett keusch.

„In diesem Ort ist jeder verrückt!“

Im Prinzip das einzige, was neben dem fröhlichen Zählen von Klischees und geklauten Elementen etwas aufmerken lässt, ist, dass die Handlung offen lässt, ob es sich beim Mörder tatsächlich um Trevor Moorehouse oder um einen Nachahmungstäter aus den eigenen Reihen handelt, man also ein Whodunit? installiert. So macht sich dann auch einer nach dem anderen verdächtig, der Sheriff (Michael Prohaska, „Mission Death - Countdown zur Ewigkeit“) wird eingeschaltet und verhaftet den Falschen usw. Kurz vor einem enttäuschend unspektakulären Showdown gibt sich der Mörder zu erkennen und „Bloody Murder“ mündet schließlich in einem dämlichen Happy End, in dem sich die Übriggebliebenen verhalten, als wäre nie etwas gewesen. Den Vogel endgültig schießt indes die dümmliche Schlusspointe ab. So beweist Portillo mit seinem Film eindrucksvoll, dass ein Slasher eben mehr ist (bzw. sein sollte) als die bloße Aneinanderreihung von Klischees, denn die Magie des Horrorkinos kann er zu keiner Sekunde entfachen – auch nicht in augenzwinkernden Momenten, in denen er die Camper „Sleepover Camp 14“ gucken lässt und dabei Bilder seines eigenen Films „Fever Lake“ einstreut.

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