Review

Im Bereich der Mystery-Thriller existieren einige erstklassige Filme, die fesseln und Urängste wecken. Aus Mangel an Ideen oder der Gier nach Steigerung änderte sich das Bild in letzter Zeit zum Negativen, denn einige Produktionen erstickten in Absurdität.
Die Herren Geoffrey Sax und Michael Keaton starten mit „White Noise“ einen neuen Anlauf mit Hilfe des mysteriösen EVP (Electronic Voice Phenomena).

Der Architekt Jonathan Rivers (Michael Keaton) und seine Frau Anna (Chandra West) führen eine glückliche Ehe bis zu jenem Tag, als die erfolgreiche Autorin spurlos verschwindet. Bevor sich das Schlimmste bewahrheitet wird Jonathan von einem Mann namens Raymond Price (Ian McNeice) kontaktiert, der angeblich die Stimme seiner Toten Frau aufgezeichnet hat und ihm anbietet die Botschaft zu empfangen. Zunächst verdrängt Jonathan das Angebot, aber als der Tod seiner Frau bestätigt wird, versucht er alle Mittel auszuschöpfen.

Um den Ganzen einen seriösen, wissenschaftlichen Touch zu verleihen, bietet man dem Betrachter vor Beginn des Plots die Definition des EVP und zitiert Thomas Edison, der wiederum den Kontakt zwischen Toten und Lebenden mittels bestimmter elektronischer Hilfen nicht ausgeschlossen hat. Wie interessant das letztendlich ist, ahnt man zunächst nicht.

Nachdem das menschliche Drama um die Familie Rivers schleppend so weit vorangetrieben wurde, dass der Weg für Schauer und den Stimmen aus dem Jenseits geebnet zu sein scheint, ist die Durststrecke wider erwarten noch lange nicht vorbei.
Der Film verweilt oberflächlich in vorhersehbaren Aktionen und Sequenzen. Da wäre Jonathan, der vom Skeptiker zum Freak mutiert und jede Zeit investiert, um die Botschaften der Toten per Radio zu hören oder per flimmernden Fernseher zu sehen. Natürlich fehlen auch nicht die bösen Geister, die es gar nicht mögen, wenn man im Jenseits mitmischt und den Schnüfflern die Hölle heiß machen…….....
Schemen von derartiger Transparenz in breitgetretener Form erzeugen logischerweise eine Leere oder auch kalte Füße, je nach dem.

Nun wäre aber auch noch nicht alles verloren, wenn man es irgendwie einen Ausgleich schaffen könnte. Tja, was bietet sich besser an, als Spannung oder die Thematik an sich??
Dramen enden aber scheinbar nie und natürlich schlägt alles wie eine Schlechtwetterfront auf den Boden namens Story nieder.
So interessant der Kontakt mit Toten über Jahrzehnte in Büchern und sonstigen Formen beleuchtet wurde, hier springt der Funke nicht über. Gerade der Bezug zur realen, wissenschaftlichen Relevanz hätte interessant verarbeitet werden können, aber letztendlich ist der Beginn bestehend aus einer Definition von EVP und das Zitat von Edison am aufschlussreichsten.

Letzte Reanimationsversuche durch Schocker funktionieren bei diesen Voraussetzungen natürlich auch eher weniger, wobei die ein bis zwei vorhandenen dann doch zünden und vor dem Tiefschlaf bewahren. Grundsätzlich schafft man es aber nicht einmal die fade Story durch Effekte oder sonstige Finessen zu kaschieren.

Gelangweilt wird aber nicht nur der Zuschauer, auch ein Herr Keaton war sichtlich nicht begeistert von dieser Chose. Bei einem Comeback als Hauptdarsteller darf man mehr erwarten als das Gezeigte. Fairerweise sei erwähnt, dass der Plot wenig Möglichkeiten zur Entfaltung bietet, aber wenigstens als trauernder Ehemann sind Emotionen zu erwarten, aber stattdessen ist der Blick stets starr und leer und die Gesichtszüge ausdruckslos. Nicht zuletzt deshalb wirkt Keaton total gelangweilt. Er vegetiert im Sumpf der Story dahin, ohne dabei bemüht zu wirken.

Im wahrsten Sinne des Wortes sticht auch sofort das Ruckeln bei diversen Kamerafahrten ins Auge. Sobald ein Schwenk von Nöten ist, wird das Ganze zu einem visuellen Desaster, vor allem über einen längeren Zeitraum ist es unerträglich.

Erschreckend ist lediglich, dass Fehler offenbar nicht mehr die gewohnte Wirkung haben. Mittlerweile ist das Genre Mystery-Thriller ein Schauplatz für forcierte Schnellschüsse, die an ihrer thematischen Oberflächlichkeit und Absurdität scheitern. Interessante Themen werden ausgeschlachtet und ins Lächerliche gezogen, wobei man unfähig ist etwas wie Spannung zu erzeugen. Es bleibt zu hoffen, dass der Plural in diesem Zusammenhang nicht zur Gewohnheit wird und der Irrsinn ein Ende hat.

Ach ja, gegen Ende werden wir übrigens darüber informiert, dass eine von zwölf aufgezeichneten Botschaften aus dem Jenseits böse Absichten hat. Interessant, nicht wahr!? Nach 98 Minuten „White Noise“ wahrlich ein Highlight! (3/10)

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