Lange keinen Geister-Thriller mehr gehabt?
Sollte ein Scherz sein!
Als neue Modererscheinung aus Asien zu uns und nach Amerika hinübergeschwappt, gibt es plötzlich wieder Produktionsfläche für Spuk und Konsorten. Diesmal heißt es allerdings nicht „Ich sehe tote Menschen“, sondern „Ich höre Botschaften aus dem Zwischenreich!“
„White Noise“ heißt der Genrebeitrag und es ist der schon fast vergessene Michael Keaton, der hier endlich mal wieder eine Hauptrolle sein eigen nennt.
Er spielt einen Architekten, dessen Frau erst mysteriös verschwindet, um dann als Leiche im Hafen wieder aufzutauchen. Gleichzeitig meldet sich ein moppeliger Unbekannter und behauptet, Botschaften von seiner toten Frau aufgezeichnet zu haben...
Einige Trauerzeit später sind wir mitten in der nächsten auszubeutenden Materie: EVP (Elektronic Voice Phenomena), also das Aufzeichnen und Abhören des weißen Rauschens auf den nicht benutzten Telekommunikationsfrequenzen. Und siehe da, die Dame des Hauses meldet sich tatsächlich.
Daß man aus solchen Grundlagen eine solide Gruselgeschichte rausfiltern kann, bewies schon „Echoes“ mit Kevin Bacon, aber dieser Film macht dann leider den Fehler, einfach zuviel zu wollen. Statt eine brauchbare Mörderjagd einzuleiten, häuft er auf die Besucher aus der Zwischenwelt auch noch drei nicht näher identifizierte Entitäten, die im Jenseits für Angst und Schrecken sorgen. Weder wird deren Existenz näher erläutert, noch wieso sie so agieren oder was sie vorhaben.
Nur, und das wird nun noch weniger erklärt, haben sie offensichtlich die Fähigkeit, ihre mordlüsternen Triebe auch noch auf unsere Realitätsebene auszuweiten. Und so huschen die Dreifach-Schatten mehrfach durchs Bild, während sich der Zuschauer immer noch fragt, worauf der Film eigentlich hinaus will.
Das Problem: die Macher wußten es wohl selbst nicht!
Denn erstmal haben sie von Anfang an mit ihrem Hauptdarsteller zu kämpfen, der weder eine besonders überzeugende emotionale Leistung vollbringt, obwohl er ausgedehnte Trauerszenen über die ganze erste Filmhälfte zu verzeichnen hat, noch seine Motive oder sein Engagement mal irgendwann in Worte faßt, sei es nun den Zuschauern oder seiner Begleitung und Leidensgenossin Deborah Kara Unger gegenüber.
Hintergrundslose Besessenheit ist zwar vielleicht auch realistischer, funktioniert aber im Medium Film nicht so gut, wo meistens wenigstens rudimentäre Antworten gefordert werden.
Letztendlich bleiben ewig viele Fragen einfach unbeantwortet, als der Film in ein Serienkillerfinale kippt, daß dann wiederum dem Einbruch des Übernatürlichen in unsere Realität Tribut zollt. Das ist zwar sauber getrickst, verursacht auf der Habenseite aber einiges Kopfkratzen.
Was passiert hier, warum und wo führt es hin. Viele Fragen, keine Antworten – wie selbst die wenigen brauchbaren Schocks kaum hinterfragt werden dürfen, etwa, warum das Radio immer die Frequenz wechselt, bevor die Frau eigentlich tot ist; warum die Uhr um 2.30 Uhr stehen bleibt, wieso die Jenseitsbotschaften auf die nahe Zukunft ausgerichtet sind (Präcognition auch noch....), wieso Miss Unger dran glauben soll und so weiter und so weiter...
Uneben mäandert der Film vor sich hin, unentschlossen zwischen Thriller und melancholischem Drama pendelnd und nie eine richtige Spannungskurve aufbauend. Dazu trägt Keaton zusätzlich bei, da er nie so ganz bei der Sache zu sein scheint.
Am Ende greift man tatsächlich zum üblichen Schockeffekt und nicht zuletzt auch noch zu erklärenden Schlußschriften – da gab’s also mal wieder eine interessante Idee, die aber leider fröhlich in die falsche Richtung mutiert ist.
Und ein Film, der seine Spannung aus halb verrauschten Jenseitsbotschaften bezieht und dann bei jeder Gelegenheit in diesen Szenen den Soundtrack vor sich hindröhnen läßt, so daß man gar nichts verstehen kann, der ist im Genre offensichtlich falsch. (4/10)