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Nachdem Mattel Ende der Achtziger in dem Versuch, ihre erfolgreiche "Masters of the Universe"-Reihe mit der Relaunchfassung "He-Man" wiederzubeleben kläglich gescheitert war, sah sich der Spielzeugkonzern genötigt, einen passenden Nachfolger zu kreieren um den Eltern weiter das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Doch die Phantasie der Zuständigen war wohl offenbar über die fetten Jahren des Masters-Hypes etwas eingerostet und so geriet der geplante Erbe des blonden Recken zu einer Art Klon eben Desselben, denn die beiden Serien ähneln sich in ihrem Grundaufbau geradezu frappierend. "Marshall Bravestarr" ist der übliche, strahlende Held der Geschichte und ist natürlich mit einer Reihe von Superkräften ausgestattet, die im das Fechten gegen den bösartigen Feind erleichtern. Und wie schon dereinst "He-Man", so lebt auch sein moderneres Pendant in einer Welt, die Vergangenheit und hochtechnisierte Science Fiction-Elemente in sich vereint. Während die "Masters" sich jedoch seinerzeit in einem mittelalterlichen Ambiente mit den Mächten des Bösen duellierten, darf der Marshall sich in einem Pseudo-Wildwest-Szenario austoben. Auch im Übrigen wurde Altbewährtes beibehalten. Was "He-Man" sein treuer "Battlecat" war, ist dem indianischstämmigen Gesetzeshüter sein aufrecht gehendes, parlierendes Roß "Thirty-thirty", dass ob seines ausgeprägten Waffenticks rückblickend betrachtet auch hervorragend als NRA-Maskottchen wiederverwertet werden hätte können. Abschließend brauchte es natürlich noch den bitterbösen Counterpart, gegen den das besagte Duo fortan Folge für Folge Recht und Ordnung verteidigen konnte. Auch in diesem Punkt brach erneut die damalige, gähnende Einfallslosigkeit Mattels durch und so ähnelt Erzschurke "Tex Hex" unleugbar einem "Skeletor", der gerade aus dem Texasurlaub heimkehrt. - So gerüstet startete der Spielzeugkonzern mit dem, mehr oder minder neuen, "Bravestarr"-Format frohen Mutes in die Zukunft und machte sich auch umgehend daran, die Spielfigurenreihe in bewährter Manier über das Mittel einer Zeichentrickserie den Kids näherzubringen und zu promoten. Der dabei betriebene Aufwand läßt sich, wer hätt's gedacht, wiederum mit der vorangegangenen Masters-Serie vergleichen. Bewegen sich die Zeichnungen an sich noch auf brauchbaren Niveau, fallen die Animationen doch recht hölzern und spärlich aus. Abgerundet wurde das mediokre Gesamtbild durch eine offenbar maximal drei Mann starke Synchronsprecher-Crew, die sich mit dutzendmal und bis hin zur volligen Heiserkeit verstellten und abgemischten Stimmen der undankbaren Aufgabe widmen mußte, die Serie irgendwie halbwegs ernstzunehmend ins Deutsche zu retten.

Gut, das ganze Konzept war geklaut, die Charaktere und Storylines gewohnt eindimensional und die technische Umsetzung war hart an der Grenze zum Trash. Trotzdem will ich auch nicht zu hart mit "Bravestarr" in's Gericht gehen. Denn die Serie ist durchaus kurzweilig und anschaubar und hat auch ihre kultigen Momente. Der eingängige Titeltrack weiß zu überzeugen und Thirty-thirty avanciert mit zahllosen, markigen Sprüchen und Onelinern zum potentiellen Anwärter für den Titel des "Arnies" unter den Hufeisenträgern. - Die Generation, die einst mit "Bravestarr" auf der Mattscheibe groß wurde, wird sich gerne und in Nostalgie schwelgend die ein oder andere Folge reinziehen, während jüngere Zuseher ohne diesen Bezug eventuell von dieser mittelprächtigen Zeichentrickreihe enttäuscht werden könnten. Einen Blick ist die Sache aber für jeden Cartoonfreund allemal wert.

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