Review

Enthält leichte Spoiler!


Manchmal gibt es Filme die kaum ein Mensch kennt und das obwohl sie mehr als gut sind. Das kann z. Bsp. an einer falschen Vermarktungsstrategie liegen, an zuwenig Werbung oder schlicht und einfach daran, dass der Film nicht massenkompatibel ist und dadurch dem größten Teil der Zuschauer einfach nicht zu Ohren kommt. Auch das französische "Diebe der Nacht" ist so ein unbekannter Film. 1983 gedreht, sollte es erst anno 2004 sein, als man das Werk zum ersten Mal im dt. Fernsehen ausstrahlte und dann auch bloß im Pay-TV. Verdient hat der Streifen diese stillschweigende Verbreitung allerdings nicht, denn er ist wirklich alles andere als schlecht!

"Diebe der Nacht" ist sozusagen die Kunstfilmversion von "Bonny & Clyde" und er präsentiert eine Geschichte, die aktueller kaum sein könnte. Es geht um zwei arbeitslose Menschen, die von ihrem zuständigen Arbeitsamt stehts und ständig abgewiesen werden, ja sogar drangsaliert und erniedrigt werden. Bis sie eines Tages beschließen, ihre dadurch aufgeschäumte Wut, durch nächtliche Raubzüge bei den Beamten zu besänftigen. Dabei wirkt die Story von Anfang bis zum Ende komplett, bietet keinerlei Logiklöcher und hat sonst mehr zu bieten, als so manch anderere Krimi- bzw. Dramastory.

Den meisten Wert legt der Film dabei hauptsächlich auf seine beiden Hauptfiguren. Sie werden beide optimal vorgestellt und dem Zuschauer so nah gebracht, wie nur irgend möglich. Vor allem wenn man selber arbeitslos ist, kann man mit ihnen so mitfühlen, wie schon lange nicht mehr. Vom Kennenlernen im Arbeitsamt, über die nächtlichen Diebesstreifzüge, bis hin zum tragischen Tod einer der zwei Figuren wurde wirklich alles sauber konstruiert und einfühlsam erbaut, so dass man mit diesen Figuren regelrecht mitleben kann. So und nicht anders muss das sein!

Bei der Inszenierung legte Regisseur Samuel Fuller dann vor allem Wert auf seine gar künstlerisch wirkenden Bilder. So versetzt er einzelne Szenes mit emotional aufregenden Farbfiltern, um im nächsten Moment wieder die trostlose Leere ,der Welt der beiden Figuren, deutlich zu machen. Er verzichtet beinahe komplett auf eine Musikuntermahlung und wenn, dann gibt es nur ein paar klassische Töne zu erleben. Selten hat so ein geringer Inszenierungsaufwand so toll gewirkt, wie hier.

Dazu kommen dann noch zwei Hauptdarsteller, die ihre Sache ebenfalls mehr als großartig machen. Auch wenn man ihre Gesichter nicht kennt, so ist man doch von ihren tollen Leistungen beeindruckt und man fragt sich, warum man sie nicht schon öfters sehen durfte! Hier blieben der Welt zwei wirklich großartige Talente verborgen.

Nur zwei kleinere Kritikpunkte müssen angeprangert werden. Zum einen ergeben sich an mancher Stelle kleinere Längen. Ab und an wirken die gegebenen Dialoge, zwischen den beiden Hauptfiguren, etwas gezogen. Zum anderen enttäuscht leider auch das, leider etwas bleihaltig gewordene, Ende. Zwar ist es durchaus richtig gewählt, dass man sich hier gegen Happy End entschieden hat, doch man hätte sich ruhig etwas Glaubwürdigeres ausdenken dürfen, als eine wilde Schießerei. Es ging ja schließlich in den letzten 80 Minuten auch. Schade drum!

Fazit: Anspruchvolles und künstlerisch innovatives Kriminaldrama, welches seinen Status, als völlig unbekannter Streifen in den Schränken der Film- und Fernsehstudios zu versauern, nicht verdient hat. Großartige Figuren, eine brillante Geschichte und eine zwar minimalistische aber dennoch saubere und mehr als überzeugende Inszenierung, können locker über kleinere Längen und das enttäuschende Ende hinwegsehen lassen.

Wer einmal die Chance bekommen sollte dieses kleine Werk sehen zu können, der sollte es sich jedenfalls nicht entgehen lassen!

Wertung: 8/10 Punkte

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