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„Denke immer daran, dass du keinem Angst machst!“

Nach „Mary Poppins“ und „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ war „Elliot, das Schmunzelmonster“ aus dem Jahre 1978 offensichtlich Disneys dritte Ambition, einen Musical-Kinderfilm im Realfilm/Zeichentrick-Mix auf die Leinwand zu bringen. Don Chaffey („Eine Million Jahre vor unserer Zeit“) führte dabei die Regie.

Der Waisenjunge Pete (Sean Marshall, „Bis zum letzten Atemzug“) wurde von der garstigen Familie Gogan gekauft und zum Arbeiten gezwungen, woraufhin Pete die Flucht ergreift. Dabei ist ihm sein neuer Freund Elliot behilflich, ein großer grüner Drache mit freundlichem Wesen, der sich nach Belieben unsichtbar machen kann. Es verschlägt die beiden ins Fischerdorf Passamaquoddy, wo Pete Unterschlupf bei Nora (Helen Reddy, „Giganten am Himmel“) und ihrem Vater Lampie (Micky Rooney, „Toys – Tödliches Spielzeug“) im Leuchtturm findet. Pete freut sich über die neu gewonnene Familienidylle, die jedoch jäh gestört wird vom Scharlatan Dr. Terminus und dessen Gehilfen Hoagie (Red Buttons, „Der längste Tag“), die Jagd auf Elliot machen und ihn zu Medizin verarbeiten wollen. Außerdem sind die Gogans noch immer hinter Pete her...

Die Musical-Komödie „Elliot, das Schmunzelmonster“ bedient einmal mehr kindliche Wunschträume von übermächtigen Freunden, die ihnen helfen, denn Alltag zu bewältigen. Der hineingeschnittene Zeichentrickdrache hat ein gutes Wesen, ist aber reichlich tollpatschig und nimmt schon mal ohne es zu wollen das halbe Dorf auseinander. Dabei kommt natürlich nie ernsthaft jemand zu schaden, wodurch der Drache die Lacher auf seiner Seite hat. Besonders ulkig wird es dabei, wenn Elliot seinen kleinen Freund Pete immer wieder in die Bredouille bringt, weil er in unsichtbarem Zustand es ungewollt so aussehen lässt, als wäre Pete schuld. Neben den atmosphärischen Bildern von Elliots Höhle an der tosenden Meeresbrandung sind dies aus meiner Erwachsenensicht die Höhepunkte des Films, der ansonsten doch sehr stark auf Kitsch setzt und immer wieder Gesangs- und Tanzeinlagen in einer Welt präsentiert, in der Menschenhandel legal ist und in der Schule noch geschlagen wird – von den Lehrern!

So reizvoll es vornehmlich im Entstehungsjahr sicherlich auch 14 Jahre nach „Mary Poppins“ noch war, Real- und Zeichentrickfilm-Elemente miteinander zu kreuzen, so durchschaubar sind manch andere Spezialeffekte geraten; auch die Kulissen waren bei Disney schon phantasievoller. Die meisten Darsteller ergehen sich in theatralischem Overacting, der kleine Sean Marshall erfüllt seine Rolle für so einen Knirps wohlgemerkt schauspielerisch durchaus beeindruckend und nicht frei von Charme. Die außenseiterfreundliche und antikapitalistische Aussage des Films ist natürlich pädagogisch erfreulich, wirkt aber immer auch etwas geheuchelt, wenn sie aus der Disney-Produktion stammt (womit Disney aber alles andere als allein auf weiter Flur steht). Die naive und zudem selbst in der gekürzten deutschen Kinofassung noch überlange Umsetzung, die diesmal weitestgehend ohne Augenzwinkern, doppelbödige Ironie, anarchischen Witz o.ä. auskommt, macht aus dieser Form der „Familienunterhaltung“ tatsächlich nicht mehr unbedingt etwas, woran auch Erwachsene vorbehaltlos ihre Freude haben, sondern sollte von seiner eigentlichen Zielgruppe, Kindern im präpubertären Alter, bewertet werden. Musical-Freunde indes werden sich möglicherweise am für viele (inkl. der Zielgruppe) wohl Unerträglichsten des Films laben, denn wenn ich mich recht entsinne, wurden sämtliche Stücke aufwändig ins Deutsche übersetzt und z.B. von Katja Ebstein neu eingesungen. Ich jedoch muss da passen, das ist selbst einem unverbesserlichen Kindskopf wie mir zu viel heile Welt auf einmal.

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