Der Beginn des Films lässt noch nicht erahnen, ob wir es nun mit einem schlechten, durchschnittlichen oder guten Willis-Film zu tun haben. Die Story lässt sich anfangs wirklich schwer einschätzen!
Nachdem aber das Haus erst einmal umstellt ist und die Situation durch immer neue Komplikationen, Informationen und Wendungen sukzessive vertrackter wird, maximiert sich die Not der Beteiligten und Bruce kann endlich in gewohnter Stirb Langsam Manier dazwischen hauen – und der Film wird gut!
Dabei wird weder die Gewalt ausgeblendet, wie im lächerlichen, pseudo-schockierenden „Tränen der Sonne“, noch wird an unschönen Bildern gespart. Beides verhilft dem Film zu einer düsteren Atmosphäre, die man bei vielen ähnlichen Filmen vermisst. Das Blut spritzt, Menschen verbrennen, Kinder sterben und einige (für den erfahrenen Horrorgucker sicherlich ertragbare) Schocker gibt’s obendrein!
Mir gefielen vor allem die verschiedenen Charaktere: Sowohl die der von Anfang an in den Sog der Geschehnisse Gezogenen, als auch die der neu das Parkett enternden Prota-, oder sagen wir besser, Antagonisten. So bizarr sich die Situation auch entwickelt, es passt doch alles irgendwie zusammen. Selbst die bereits schon horrorfilmisch anmutenden Schlussszenen des Versinkens des Anwesens in Blut und Feuer sitzen. Sie übertreiben nicht, sondern unterstreichen das psychische Inferno, das der gute Bruce Willis hier erleben muss.
Freilich, Bahnbrechendes erlebt man hier nicht. Und von der Faszination eines „Collateral“ ist dieser Film hier meilenweit entfernt – obwohl die beiden Werke, vom Zielpublikum her, durchaus vergleichbar wären. Auch ein „Man on Fire“ weiß mir persönlich noch etwas mehr zu gefallen. Aber gut ist dieser Streifen hier allemal. Nachdem Willis, der ja gerne öffentlich Dünnpfiff in den Äther quatscht, schon „seinen Kindern zuliebe“ auf Gewaltfilme verzichten wollte, da er ja „Verantwortung habe“, bin ich doch ganz froh, dass sein Langzeitgedächtnis, offenbar dem eines Alzheimerkranken recht ähnlich, gern mal versagt. Aber auch was die Qualität einer solchen Aussage angeht muss ich doch sagen: mein Hund gibt Sinnvolleres von sich!
Aber ich liebe viele seiner Filme! Umso besser, dass er jetzt wieder einen netten, unterhaltsamen Streifen zu seinen bisherigen Errungenschaften draufgepackt hat. Hostage ist zwar kein Meisterwerk, aber definitiv zu gebrauchen. Knappe 8 Punkte von mir!