Review

Hostage…(mit Spoilern)

…ist für mich nichts weiter als ein spannender und auf Hochglanz getrimmter Aufguss der immer wieder gleichen Geschichte des tragischen Helden, der nach verpatztem Einsatz notgedrungen wieder ran muss und diesmal dann alles besser macht. Diese Idee ist ja nicht schlecht, aber eben schon so oft da gewesen, dass es einen eben nicht mehr vom Hocker reißt. Und genauso Klischee mäßig wurde die Rolle dieser geschundenen Seele mit Bruce Willis besetzt, der, wie sollte es anders sein, durch die psychischen Folgen der tragischen Ereignisse von einst auch in Konflikt mit seiner Familie geraten ist.
Ein wenig aufgepeppt wird diese Grundstruktur hier durch das Hinzufügen zweier unterschiedlicher Interessensgruppen auf Seiten der Bösen, durch das das ganze wenigstens etwas an Eindimensionalität verliert.
Sich über den Durchschnitt erheben kann sich das Machwerk von Florent Emilio Siri dann aber wegen der brillanten Optik, die man auch schon aus „Das tödliche Wespennest“ kennt, den gelungen Spannungsbögen und der außergewöhnlichen darstellerischen Leistung von Ben Foster, der für mich der heimliche Star des Films ist. Auch Bruce Willis, Kevin Pollak und die anderen Darsteller geben kein schlechtes Bild ab, gerade aber den beiden Benannten merkt man eine gewisse Routine im Umgang mit den für sie so typischen Rollen an. Gerade diesem Eindruck hätte man etwas entgegentreten können, wenn Willis den Vollbart nicht vor, sondern nach seinem Trauma gehabt hätte und man ihm dadurch ein wenige das Images des harten Hundes genommen hätte.
Wie auch schon bei dem Vorgänger des französischen Regisseurs liegt eine der Schwächen in der fehlenden Personalisierung des auftauchenden Verbrechersyndikats, weshalb es irgendwie schwerer fällt, entsprechende Antipathien gegen diese maskierten Unbekannten aufzubauen oder die von ihnen ausgehende Gefahr als genauso bedrohlich zu empfinden, wie z.B. die, die von dem labilen Dennis (Jonathan Tucker) oder gar dem psychopathischen Mars (Ben Foster) ausgestrahlt wird. Insbesondere leidet der ganze Film auch deshalb so darunter, weil sich das Drehbuch, aus mir nicht ersichtlichen Gründen, eben diese uncharakterisierten Gegner für den letzten Showdown ausgesucht hat.
Gerade an Mars hätte Siri aber erkennen müssen, wie viel ein gut aufgebauter Antagonist Wert ist. Er verbreitet Angst und damit Spannung, da man von ihm nie weiß, was man zu erwarten hat und mit welcher Unberechenbarkeit er als nächstes aufwartet. Dieser genussvolle Blick, wenn er einem Menschen beim Leiden oder Sterben zusehen kann, löst ein solches Unbehagen aus, dass man selbst jedes Mitgefühl für diese Kreatur verliert und sich einfach nur wünscht, dass er ein baldiges und schmerzhaftes Ende finden möge. Dieses wurde dann auch hervorragend in Szene gesetzt und gehört wohl zu den visuell besten Abgängen der Filmgeschichte.
Damit einhergehend ist es mir ebenso unverständlich, dass die Situation von Talleys Frau und Tochter nicht mehr dafür genutzt wird, um den psychologischen Druck von Jeff Talley besser zu beleuchten und zu untermauern. Durch diesbezüglich fehlende Szenen ist der Film darüber hinaus emotional schon abgeschlossen, wenn die Smith-Kinder aus dem Haus befreit sind, da diese im Gegensatz zu oben Genannten ausreichend Leinwandzeit bekommen haben, um die notwendigen Sympathien und das Mitgefühl für sie entwickeln zu können. Dass jetzt noch die Rettung der eigenen Familie auf dem Programm steht, wirkt beinahe wie notgedrungen dran gequetscht, anstatt den objektiv betrachtet gebührenden Höhepunkt zu setzen.
Wenigstens wartet die Geschichte bei diesem Showdown dann noch mit einer kleinen Überraschung auf, die man zwar erwarten konnte, aber nicht musste. Wobei ich es persönlich aus Gründen der Abwechslung gern einmal gesehen hätte, wenn man uns hier kein Happy End, sondern stattdessen einen bitterbösen Abschluss präsentiert hätte, der die gesamte Familie Talley in den Abgrund reißt. Dies hätte die vorherige Mystifizierung des Syndikats dann wenigstens irgendwie gerechtfertigt.

Für mich gerade noch 7/10 Punkte.

Wem der Film gefallen hat, könnte auch Freude an den Folgenden haben:

- Das tödliche Wespennest
- Cliffhanger
- Mann unter Feuer

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