Eine Zwangsjacke als Zeitmaschine, das hatten wir immerhin noch nicht.
Der Brite John Maybury präsentiert in „The Jacket“ den Oscarpreisträger Adrien Brody in einer gar mysteriösen Rolle als Ex-Golfkriegsveteran, der nach einem Kopfschuß wieder in die Heimat kommt und dort anscheinend in einen Polizistenmord verwickelt wird, was ihm einen Platz in der Klappse einbringt. Der gute Doktor Kris Kristoffersen versuchts dort mit experimenteller Therapie, die darin besteht, den Patienten mit überlangen Jackenärmeln in eine Leichenschublade zu schieben, um Aggressionen abzubauen.
Wenn das schon relativ bescheuert klingt, wird’s von da an immer phantastischer, denn offenbar versetzen ihn seine Schubladenaufenthalte ins Jahr 2007, wo er ein Mädchen kennenlernt, dem er schon vor dem Mord begegnet ist.
Die erste halbe Stunde trägt noch schön mysteriös zur Verwirrung des Zuschauers bei, legt doch der wirre Auftakt den Schluß nahe, hier in einer Art Klon von Adrian Lynes „Jacobs Ladder“ gestrandet zu sein, Traum oder Wirklichkeit vermischen sich, was ist falsch und was ist echt.
Je länger der Film jedoch dauert, desto sicherer scheint, das das alles Fakt ist, was wir auf der Leinwand sehen. Den Zeitreisemumpitz nimmt der Film todernst, ohne dafür jemals auch nur die Spur einer Erklärung zu bieten, allerhöchstens den überlebten Kopfschuß.
Und wenn schon keine überraschenden Wendungen in Sicht sind, so erhofft sich der Zuschauer wenigstens einen spannenden Knüller rund um den vorhergesagten Tod der Hauptfigur Jack Starks, bzw. der Umstände seines Ablebens.
Aber auch auf diesem Sektor bleibt das Geschehen im Vergleich zum erzählenden Rahmen erschreckend banal. Brody arbeitet in zwei Zeitebenen die beteiligten Figuren ab, weder entwickelt sich das zu erschreckenden Wahrheiten, noch zu einem halbwegs passablen Thriller.
Stattdessen hilft der Veteran sich selbst (und seiner neuen Liebe Keira Knightley), setzt sich mit den ihn behandelnden Ärzten auseinander und verändert noch schnell ein paar Lebenslinien, bevor ihn das Schicksal einholt.
Das entscheidende Manko dabei ist das mangelnde Tempo der Inszenierung, denn hier sind kaum Steigerungen zu verzeichnen. Gleichzeitig verkörpert Brody, der für sorgfältige Arbeit bekannt ist, den eher grob umrissenen Charakter mit soviel Feinarbeit, dass man ihn ständig trösten möchte. Entrückt haucht er sich durch den gequälten Veteranen und das ist zwar beeindruckend, führt aber zu stetem Stillstand, wenn der Film Drive brauchen könnte.
Wie beim Abzählreim haken die Zeitsprünge alle Notwendigkeiten ab und wo andere Filme damit in oberflächlichem Schnickschnack ersäufen, wird hier soviel Gefühl reingeproppt, dass das Oberflächliche zu fehlen beginnt.
Gute darstellerische Leistungen aus dem oberen Mittelfeld können da auch nichts mehr retten, da wirkt der fertige Film wie der diametrale Gegensatz zu „Butterfly Effect“, es fehlt am Reißerischen, dafür sind die Figuren diesmal nicht so schwach.
Das Ergebnis ist das Gleiche, zu wenig Ausschläge auf der Interesse-Kurve. (5/10)