Mystery-Thriller sind in und erfreuen sich überall größter Beliebtheit. Kein Wunder, sind doch Filme wie "Jacobs Ladder" oder "Mullholland Drive" doch mitunter so clever vertrackt und verschachtelt, dass der Zuschauer aus dem Rätseln und Denken nicht mehr herauskommt. Und wenn es dann zum Schluss noch mal ne schöne knackige Wendung gibt, mit der man ja nun so was von überhaupt nicht gerechnet hat, dann ist der Film auch wirklich auf dem besten Wege zum Publikumsliebling zu werden. Auch John Maybury hatte dies mit seinem Zwangsjacken-Thriller "The Jacket" vor, leider gelingt ihm dies aber nicht so ganz.
Und dabei hätte es durchaus schön kniffelig werden können, denn die Geschichte verspricht doch unheimlich viel Potenzial. Der im Golfkrieg eingesetzte Jack Starks wird, aufgrund eines angeblich von ihm durchgeführten Polizeimordes, für Geisteskrank erklärt und in eine Psychiatrie eingeliefert. Dort wird er das Opfer eines perfiden Experimentes des Leiters Dr. Thomas Becker, der ihn in eine Zwangsjacke steckt und für Stunden in eine Leichenkammer schließt, damit Jack Aggressionen abbaut. Plötzlich befindet er sich daraufhin 15 Jahre in der Zukunft, wo ihm Jackie, ein Mädchen dem er kurz vor dem Mord geholfen hat, sagt, dass er schon längst Tod wäre. Wieder zurkück in der Gegenwart heißt es nun den eigenen Tod, der schon in wenigen Tagen stattfinden soll, zu verhindern. Ja, bei dieser Geschichte könnte man wirklich einiges erwarten. Mystery, Rätselspaß, Thrill, als das verspricht man sich, wenn man sich diese Inhaltsangabe durchließt. Leider aber ist die Handlung so derartig perfide und Logikfrei ausgefallen, dass einem schnell der Spaß am schauen vergeht.
Und das liegt hier vor allem an der videoclipartigen Manier, mit der Regisseur John Maybury seine Geschichte hier aufrollt. Schnell Schnitte, vertrackte Bilder, dabei aber vollkommen ohne Feingefühl aneinander gepappt, werden hier die einzelnen Handlungen, teilweise, mit einem völlig falsch angelegten Tempo abgespult, dass man sich irgendwie immer wieder fragt, ob man nicht gerade etwas verpasst hat. Kaum wird Jack von den Bullen verfolgt, sitzt er im nächsten Cut schon im Gerichtssaal und im nächsten Cut schon in der Irrenanstalt. Viele Erklärungen werden einfach fallen gelassen oder zu einem so unpassenden Augenblick gebracht, dass es an einem irgendwie spurlos vorbeigeht. Hier geht einem die Handlung eher schnell auf die Nerven, als das man voll Freude miträtselt.
Schade eigentlich, denn irgendwie schafft es der Film trotz allem einen gewissen Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Denn obwohl einem das falsche Tempo und das unschöne Zusammengekleisterte der einzelnen Szenen spürbar gegen den Strich geht, so will man am Ende doch wissen, was nun eigentlich Sache ist. Was auch an der Atmosphäre liegen mag, die ebenfalls, trotz allem irgendwie spürbar vorhanden ist. Denn irgendwie sind die Bilder dann doch allesamt recht hübsch (schmuddelig) anzusehen.
Schade nur, dass das Ende dafür wieder so lasch ausgefallen ist und nicht wirklich überzeugen kann. Anscheinend fehlte den Drehbuchschreibern einfach der Mut zu einem knackigen und untypischen Ende und erfanden somit einen regelrechten "Heile Welt-Schluss", der aber nach dem Gezeigten nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Da hätte doch noch etwas Ausgefalleneres kommen können.
Aus schauspielerischer Sicht kann sich hier vor allem wieder Adrian Brody beweisen, der seine Figur wirklich mit unglaublich viel Elan und Glaubwürdigkeit spielt und somit wirklich rundum überzeugt. Anders dagegen Piraten-Schnuckel Keira Knightley, die ihre innerlich zerrüttete Figur viel zu blass darstellt und irgendwie weit hinter ihrer PoC-Qualität zurückbleibt. Und auch bei Kris Kristofferson hat man das Gefühl, dass er seine besten Tage hinter sich hat.
Fazit: Der Versuch eines verzwackten Psychodramas ist Regisseur John Maybury leider nur bedingt gelungen. Zwar kann die Geschichte an sich, fürs Genre gesehen, überzeugen und auch der Spannungsbogen ist nicht gerade schlecht, doch das merkwürdig angelegte Tempo, sowie die Inszenierung in Videoclipmanier, ist unterm Strich eher störend und nervtötend, als das es zum Miträtseln einlädt. Und die vielen unbefriedigenden Erklärungsversuche wirken auch eher schlecht durchdacht, als überzeugend gut. Adrian Brody vermag "The Jacket" dabei zwar dennoch ins knappe Mittelfeld retten, aber es hätte halt auch wesentlich mehr daraus werden können.
Wertung: 5/10 Punkte
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