Review

Dick und Doof - Die späten Jahre (Teil 3)

20th Century-Fox hat wahrlich keine großen Granaten vorgelegt: Great Guns (1941) war ein leidlich amüsanter Streifen, A-Haunting We Will Go (1942) die humorlose Schlaftablette in Perfektion. Grund genug, mal das andere große Studio, das Laurel und Hardy im Herbst ihres künstlerischen Schaffens verpflichtet hat, unter die Lupe zu nehmen. Die Rede ist von Metro-Goldwyn-Mayer, kurz MGM, die einen brüllenden Löwen vor jeden ihrer Filme setzen. Laurel und Hardy schienen hier besser aufgehoben zu sein, zeichnete das Studio doch auch für einige Klassiker der Marx Brothers oder Buster 'Stoneface' Keaton verantwortlich. Und als gute Nachricht vorneweg: Schrecken aller Spione verspricht eine deutlich bessere Unterhaltung als die vorhin genannten Vorgänger.
Ob es sich tatsächlich auch um einen guten Film handelt, sei erstmal dahingestellt.

Nun hat Air Raid Wardens, so der Originaltitel, allerdings das große Problem, ein Film inmitten des Zweiten Weltkrieges zu sein. Schon Great Guns maßte dem Zuschauer dreiste Soldaten-Propaganda an - kommt zur Armee, hier habt ihr Spaß, Stan und Ollie haben es doch auch! Der Trostpunkt an der Geschichte war aber, dass Stan und Ollie nicht unbedingt freiwillig zur Armee gegangen sind, ergo waren sie nur passiv an der Propaganda beteiligt.
Schrecken aller Spione dreht das Blatt stattdessen um. Hier suchen die beiden Unglücksraben bereits in den ersten Szenen eine Stellung unter Uncle Sam, werden aber reihenweise abgewiesen. In der kleinen Stadt Huxton, wo sie sich immer mal wieder als Inhaber der unterschiedlichsten Ladenketten zu behaupten versuchen, finden sie dann aber endlich einen Weg, ihrem Land zu dienen: als Luftschutzwache. Es sollte keine Überraschung sein, dass sie sich natürlich blamieren.

Die erste Filmhälfte ist tatsächlich ein erfrischender Lichtblick. Sowohl Stan und Ollie handeln auch wie Stan und Ollie. Soll heißen, dass es Slapstick gibt, Laurel sich nicht um den Verstand redet und Hardy endlich mal wieder seinen leidvollen Blick an den Zuschauer richten darf. So erleben wir die Jungs beim unheilvollen Verteilen von Plakaten; Stan muss mit einem quietschenden Hund unter der Jacke einer Versammlung beiwohnen; bei einer Sanitäter-Übung rollen sie den lokalen Bankdirektor samt Trage auf eine dicht befahrende Straße und letztlich kommt es sogar zu einem Scharmützel mit Edgar Kennedy, dem alten Hasen, der auch schon unter Hal Roach gearbeitet und mit Stan und Ollie in allerhand Kurzfilmen zutun bekam. Überraschung gut... würden die Drehbuchautoren jetzt nicht den Pathos anschmeißen.

Nach dem Kleinkrieg mit Kennedy stellt sich schnell die Frage, ob Laurel und Hardy noch tragbar sind in ihren Positionen. Der Stadtrat degradiert sie wieder zu einfachen Ladenbesitzern; die Jungs werden gezwungen, ihre Luftschutz-Ausrüstung abzugeben. Da wird mit den ungewohnt ernsten Gesichtern schon eine weinerliche Atmosphäre angestimmt, die ihren traurigen Höhepunkt in einer Rede von Stan findet. Bierernst und mit einem gebrochenen Hardy neben sich, lamentiert Stan über sein Leben, seine Nutzlosigkeiten im Angesicht des Krieges und die verpatzte Chance, wenigstens als Luftschutzwarte zum guten Patrioten zu werden. Das geht seine fünf Minuten, bis die geknickten Männer das Rathaus verlassen und depressiv in der Gasse hinter ihrem Laden hocken.
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen eine bunte, reich bestückte Torte. Das haben Sie nicht erwartet und sind völlig aus dem Häuschen. Nachdem die Hälfte verschlungen ist, kommt jemand daher und niest volles Rohr auf ihren restlichen Kuchen. So muss man sich die Wende in Schrecken aller Spione vorstellen.

Wie schon in A-Haunting We Will Go wechseln sich Komödie und Krimi in einem Eilverfahren miteinander ab. Der Mitinhaber des Geschäfts, welches Stan und Ollie führen, entpuppt sich natürlich als deutscher Spion, natürlich ein Nazi. Zusammen mit seinen Kollegen fährt der Spion in ein verfallenes Haus am Stadtrand, dem Unterschlupf der bösen Verbrecher (die übrigens so unscheinbare Namen wie Hermann und Otto tragen). Stan und Ollie folgen den Schurken und bekommen spitz, dass die Bande im Rahmen eines Alarmstufen-Probelaufs der Stadt, wo alle schön beschäftigt sein werden, die örtliche Magnesiumfabrik in die Luft jagen wollen. Unsere Helden kämpfen dagegen an.

Zugegeben, trotz der plötzlichen, zunächst recht unnangenehmen 180°-Drehung in Richtung Drama, bleibt Schrecken aller Spione ein durchaus interessanter Film - auch wenn der Humor eine kleine Betäubungsspritze bekommt. So treffen Laurel und Hardy mehr oder weniger auf Hitler - in Form eines unfreiwillig komischen Gemäldes im Geheimversteck der Spione. In einer geschnittenen Szene spricht Ollie sogar mit dem Führer ("Wir werden es dir schon zeigen!") - das ist kein kreatives Leuchtfeuer angesichts der mal mehr, mal weniger seriösen Abklatsche von Chaplins Der große Diktator, doch muss man sagen, dass gerade diese offensiven Szenen von Schrecken aller Spione eine eigenartige Faszination haben. Wahrscheinlich, weil man nie damit gerechnet hat, dass Stan und Ollie einmal in der Wirklichkeit ankommen und gegen Nazis im engsten und gegen den Krieg im weitesten Sinne kämpfen.

Okay, die Geschichte ist altbacken und klischeehaft (jede 12-Jährige Detektivbande hätte spannendere Fälle auf Lager gehabt), Stan's Trauerrede möchte man als bösen Traum abstempeln und die Nebenschauspieler nerven mit ihrer aufgesetzten Darstellerei, aber (und ich betone dieses aber): es ist der klassischste Laurel-und-Hardy seit Auf hoher See! Die Gags stimmen, die beiden Komiker agieren endlich wieder in ihrer altbewährten Art, allein der gute alte Twist mit Edgar Kennedy wäre eine Empfehlung wert.
Schrecken aller Spione ist (so ehrlich müssen wir sein) patriotischer Mist, trotzdem (oder gerade deshalb) ein interessanter und durchweg unterhaltsamer Streifen.

Details
Ähnliche Filme