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Dass ausgerechnet Gary Daniels im neuen Jahrtausend Schwierigkeiten bekommen sollte gute Action Rollen zu ergattern wundert mich, nach seinem Erfolgen und teilweise überdurchschnittlich Inszenierten B-Actionern, heute noch. Doch als es zu einer Krise auf dem DTV Sektor mit Actionfilmen kam und ehemalige Kinohelden wie Snipes oder Seagal sich herabließen einen DTV Streifen nach den anderen zu drehen, gab es für den sympathischen Engländer kaum noch vernünftige Angebote. In größeren Produktionen, neben Seagal oder Lundgren, wurden seine Rollen zusammen gestrichen und so gab es sogar mal eine kurze Phase wo er sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen wollte. Immerhin hatte er gemerkt das seine Streifen nicht gerade das gelbe vom Ei waren. Inzwischen hat sich seine Situation wieder verbessert und neben der epischen TV Serie über Bruce Lee, stehen u.a. auch Filme mit Ray Liotta und Andy Garcia auf dem Plan. Außerdem hält sich noch immer das Gerücht das Daniels eine Rolle im neuen „Tekken“ Film ergattern konnte.

Doch in den Jahren 2005/2006 lieferte er mit „Retrograde“, „Immortally Yours“ und halt „Reptilicant“ teils unterirdische Streifen ab. Dabei führte „Reptilicant“ Gary Daniels zu seinen Anfängen zurück. Damals besetzte ihn Produzent und Regisseur David Huey in 3 miesen Martial Arts Actioner. Nach dem schauen des 2005 gedrehten Films den ich gerade bespreche, muss man das damals gesehene tatsächlich revidieren. Denn die Filme waren besser als das was man mit „Reptilicant“ serviert bekommt. Da Daniels und Huey auch Privat befreundet sind, gehe ich mal davon aus das es ein Freundschaftsdienst war hier mitzuspielen. Denn bei einem Budget, welches sicherlich nicht mehr als 100.000-200.000$ betrug(wenn überhaupt), wird es nicht an der Gage gelegen haben, das er die Hauptrolle hier übernommen hat.

Die Geschichte ist schnell wiedergegeben. Ein Außerirdisches Wesen landet auf der Erde(um genauer zu sein auf Alcatraz) und trifft im gleichen Moment auf einen Trupp Schatzjäger, die Diamanten eines alten Sträflings finden wollen. Das alles wird von einer überlebenden erzählt und Gary Daniels als Ryan Moore wurde extra aus dem Urlaub geholt um das Verhör zu führen. Natürlich glaubt der Frau niemand, bis sich das Alien, in der Gestalt der Frau, verwandelt und Moore um sein Leben kämpfen muss. Ob er es schafft verrate ich nicht, aber einen „genialen“ Storytwist gibt es zum Ende auch noch(das ist übrigens ironisch gemeint).

Die Produktionsfirma Cine Excel penetriert den geneigten Filmfan seit Jahren mit grottigen Horror- und Actionfilmen. Inzwischen hält man sich einfach fern wenn man weiß dass es sich um einen Film von Produzent David Huey handelt. Das hätte auch Gary Daniels tun sollen. Der Grund warum der Streifen noch nirgends veröffentlicht wurde ist eindeutig. Heutzutage gibt es Amateurfilme die besser inszeniert sind. Oder zumindest sehr nahe an dieses Machwerk herankommen. Wer also Interesse hat den Film zu veröffentlichen darf sich gerne an die Filmfirma wenden und bekommt gar eine Promo DVD zugesendet um sich ein Bild zu machen. Die Rechte liegen bei ca. 5000 $ - 8000 $, was aber bei so einem Film fast unmöglich hereinzuholen ist. Mag man Anfangs noch überrascht sein über eine solide Titelmelodie(was sich später dadurch erklärt das dafür Richard Band zuständig war) nervt diese als bald durch einen viel zu langen Titelvorspann. Auch wenn man dabei eine Muschel durchs Weltraum fliegen sieht(ich gehe mal von einem Raumschiff aus), ist man bereits nach vier Minuten etwas genervt. Auf der Erde angekommen erwarten einem gleich Stock Footage von Alcatraz und eine billige Optik. Dann taucht auch schon Gary Daniels auf und verhört nun die Diebin. Ab da geht es noch mehr Bergab. Die Figuren sollen alle sehr cool sein, sind aber einfach nur Peinlich von Laiendarsteller dargestellt, die Inszenierung von Desi Singh (einem ehemaligen kleinen Darsteller) ist unterste Schublade, Spannung gibt es gar nicht und das Monster(ein Mann in einem feuchten Gummianzug wo man genau den Übergang von Gesichtsmaske zu Kostüm erkennen kann) wird früh gezeigt und sieht extrem billig aus, was auch den Horrorteil zum Verriss freigibt. Die Ausstattung ist Cine Excel typisch spartanisch und dem inneren von Alcatraz nicht annährend ähnlich und von den wirklich schlechten Effekten will ich gerade mal gar nicht reden(billige CGI Mündungsfeuer, nicht Zeitgemäße Stromeffekte, die Unbewegsame Fratze des Monsters, die tollen Verwandlungen).

Jedenfalls wird einer nach dem anderen der Schatzsucher platt gemacht. Das geschieht meist durch einfachste Splattereffekte, die aber meist nur nach dem Angriff zu sehen sind. Und selbst da teilweise aus der untersten Effektschublade stammen. Zwischendurch werden auch mal die Diamanten gefunden(in einer der lächerlichsten Szenen überhaupt: Der Anführer kommt in ein Büro, schaut hinter einer Karte und schwupp hat das Säckchen mit den Diamanten gefunden! Kein Wunder das niemand vorher dieses extrem geheime Versteck gefunden hat…). Das alles ist Strunzdoof und vor allem langweilig und konnte mir nicht mal ein lachen herauslocken, welches sich aber bei entsprechender Runde ändern könnte.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist Gary Daniels(trotz allem der einzige Lichtblick und absolut in Topform) immer nur sporadisch beim Verhör zu sehen. Erst knapp nach einer Stunde (Laufzeit des Filmes 87 Minuten), darf er auch in Action treten und battlet sich von da an mit dem Gummimonster. Zwar flieht er erst und baut irgendeine Falle (wo ich mir nicht ganz sicher bin ob er diese überhaupt benutzt, aber ich wollte nicht zurückspulen), aber dann darf er seine Martial Arts Fähigkeiten zeigen. Das letzte drittel ist dann das Beste, aber dennoch weit weg von guter Unterhaltung. Doch Daniels in Action zusehen lohnt immer. Er schlägt und tritt in gewohnter Manier und hat wirklich bessere Filme verdient. Dabei macht er eine gute Figur und auch vorher spielt er alle anderen an die Wand und das soll schon was heißen. Besonders wenn er auch nur routiniert auftritt. Übrigens: Damit auch jedes Klischee vorkommt, legt das Alien natürlich noch Eier aus denen kleine Aliens schlüpfen, die aber keine weitere große Relevanz haben. Vielleicht erst in der Fortsetzung. Aber ich will nicht das spannende Ende vorweg nehmen:).

Fazit:

Es macht einen traurig als Fan von Gary Daniels solche Filme zu schauen. „Reptlicant“ ist ein übles Machwerk welches nur in den letzten 20 Minuten etwas(aber nur etwas) spaß macht. Der Rest ist ein billig zusammen geklaubtes Stück Film der in jeden belangen schlicht grottig daher kommt. Genau das was man von einer Cine Excel Produktion erwartet. Ich bin gespannt ob der Streifen irgendwo mal eine reguläre VÖ erfährt. In Gary Daniels Interesse kann man nur hoffen das es nicht der Fall ist. Eigentlich ein Kandidat für 1 Punkt aber ich würde einen Gary Daniels Film nie nur einen Punkt geben…

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