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Der noch junge Feng Xiaogang gilt nach seinen erfolgreichen Produktionen "Big Shot's Funeral" (mit Donald Sutherland) und "Cell Phone" als einer der talentiertesten Mainstream-Regisseure des Beijing-Filmstudios, ein aufstrebender Kerl, dem man gerne auch mal richtig teure Schinken anvertrauen kann. A WORLD WITHOUT THIEVES protzt dann auch hemmungslos mit seinem All-Star Cast, der Hongkong Superstar Andy Lau antagonistisch gegen den wohl angesehensten Schauspieler des Mainlandes (ich mag China einfach keine Volksrepublik mehr nennen) setzt: den ach so sympathischen Ge You.
Die Handlung dieses leider erheblich enttäuschenden Films ist im Grunde schnell erzählt, nicht nur weil sie sich vor allem auf das – jenseits jedweden Realitätsbezuges (Disko-Lounge, koloniales Großraumapartment) aufgemotzte – Innere eines Zuges beschränkt. Rene Liu (im Film Wang Li), eine nun nach ihrem Tibettrip geläuterte diebische Elster, nimmt den völlig weltfremd mit seinen 60.000 Yuan herumwedelnden Tagelöhner Roob (Wang Baoqiang) unter ihre Fittiche. Denn im Zug wimmelt es, was der doofe Roob nicht glauben will, tatsächlich von Meisterdieben. Vor allem die Gang des patriarchalischen Uncle Bill (Ge You) sieht darin eine besondere Herausforderung, den Geldsack unter der Nase von Rene Liu und dem ihr eher widerwillig beistehenden Andy Lau wegzustibitzen. Dieser Wettkampf artet schließlich aus, mit fatalen Folgen ... Schlimmeres verhindern nur die Inkognito mitreisenden Volkspolizisten, ganz edle, gebildete Menschen, mit Kunstverständnis, die zu Blutspenden stets als Erste rennen ... und überhaupt, diesem sich schließlich dramaturgisch ganz schön verfahrenden Schinken, eine richtig eklige, propagandistische Note geben.
Und noch einiges geht einem sehr schnell auf den Zeiger: der taiwanesische Popstar Rene Liu nervt nicht nur ihren Boyfriend Andy mit ihren schwangerschaftsinduzierten Ambitionen, sich von einer Diebin in eine Heilige zu verwandeln, Li Bingbing zerkaut unsere Nerven als manikuerte Klau-Elevin Leaf mit einer für ihre Rolle einfach zu überkandidelten Sexyness, und der junge Wang Baoqiang wieder genau so anstrengend unterbelichet wie in Li Yangs genial böser Aufschwungs-Satire „Blind Shaft“, in exakt der gleichen Rolle als schreiend dummer Bauernbengel – aber genau dafür wurde zumindest er wohl gecastet. Und schlieszlich, machen wir den Deckel endlich zu, Andy Lau sollte in seinen Dialogszenen unbedingt wieder synchronisiert werden: es ist einfach ein gravierender Filmfehler, dass sein Mandarin-Gebrabbel irgend jemand versteht.

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