Jack Huang [ Cyrus Wong ] träumt davon, ein grosser Kämpfer zu sein, dabei ist er bloss Gelegenheitssänger in einer Kneipe und hat sein „Fachwissen“ alleinig von Martial Arts Filmen. Bei dem Kauf einer Bruce Lee – Figur lernt er die Antiquitätenverkäuferin Jo Jo [ Yoyo Yiu ] kennen; um die zu beeindrucken legt er sich auch mit aufdringlichen Kunden an und gewinnt durch mehr Glück als Verstand. Diese holen allerdings ihren Anführer Luther He [ Horace Lee ], der dem Möchtegern schnell eine Lektion erteilt. Jack will sein Können verfeinern und geht bei Jo Jos Vater Hei Xuan Feng [ Lau Kar Wing ] in die Lehre, um gegen Luther beim „Ultimate Fight“, einem Turnier ohne wirkliche Regeln, anzutreten...
2003/04 war das Jahr der Tournament – Filme im Hongkong Kino; was allerdings kaum jemand mitbekommen haben dürfte, da die Anzahl trotzdem relativ bescheiden war und sowohl Erfolg als auch Verbreitung der meisten Werke ausserhalb der Öffentlichkeit verblieb.
Einzig Marco Maks Xanda sowie Daniel Lees Star Runner dürften sich etwas breiterer Population erfreut haben, allerdings waren auch dort die Kritiken gemischt und liessen eben keinen weiteren Trend erfolgen.
Wohl eher zufällig nahmen sich auch einige B – Movies dem Thema an: Lee Tso Nams Boxing Hero stellte sich als Remake von Chang Chehs Duel of Fists heraus, addiert wurde mit Boxing King und eben auch Ultimate Fight.
Dieser hat für die relativ wenige Beachtung und sein leicht schmieriges Umfeld ein erstaunlich gutes Produktionsvolumen im Rücken: Produzent Raymond Wong Pak Ming ist seit zwei Jahrzehnten eine feste Grösse im HK Film Business und ist mit seiner Mandarin Films u.a. für die Finanzierung von Wilson Yips kommendem Dragon Tiger Gate verantwortlich.
Regisseur und Action Director Tony Leung Siu Hung hat sich ebenfalls seit den frühen 80ern bewährt und sorgte zumindest in seiner zweiten Funktion für die Choreographien einer Handvoll Klassiker; in Ausübung autarker Regiearbeiten reichte es zumeist für besseren Durchschnitt. Dazu gehören auch die zwei trashigen US – Werke Bloodmoon und Superfights, die das Milieu von dunklem Boxring und schlecht kostümierten Kämpfern bereits vorskizzieren.
Ultimate Fight sieht genauso aus [ nur eben mit Asiaten im Cast ] und wärmt ansonsten alles das auf, was man spätestens seit den ganzen 80er Jahre „Underdog trainiert und besiegt den einstmals übermächtigen Gegner“ – Streifen wie Karate Kid, Karate Tiger, Karate Warrior, Karate Rock und Co. bis in die kleinste Einstellung kennt. Da man es seitdem eben Dutzendfach gesehen hat; die gleiche Grundgeschichte kann man schwerlich grossartig abändern, ohne das eigentliche Schema aus den Augen zu verlieren und damit auch das Konzept. Man muss schon bei den wichtigen Details bleiben, weil man sonst die Argumentation für den Film selber vergessen kann.
Der Aufbau bis zum Turnier drückt dem Underdog erstmal mehrere Niederlagen ins Kreuz und gibt ihm auch anderweitig genug Gründe mit, sein Training dann auch durchzuziehen. Dieses ist vorzugsweise bei jemanden, der auch noch eine alte Rechnung offen hat und dementsprechend in die ganze Angelegenheit mit involviert ist. Summiert wird die immer noch freie Laufzeit am besten noch mit einer grossen – wenn nicht sogar der ersten – Liebe, damit man auch die Mädels vorm Bildschirm hat.
Dabei macht Leungs Film auch alles richtig und hat gleichzeitig das Problem, dass er von vorne bis hinten komplett durchsichtig ist. Man sich jede nächste Sequenz bereits vorm geistigen Auge ausmalen kann, die Überraschungen gleich null sind und auch die Abweichungen von Traditionen mehr als geringst.
Die Vorhersehbarkeit ist nun natürlich unumgänglich; Regisseur Leung hat keine andere Möglichkeit, als die notwendigen Elemente so gut und schnell wie möglich durchzuziehen und sich dann am Ende in der Action auszutoben. Das Gerüst ist auch rapide aufgebaut, bereits nach 5min weiss man genau woran man ist. Der Protagonist ist trotz dem hohen Zeitraffereinsatz ebenso klar wie sein love interest, auch die Schergen waren schon im Bild; der Endgegner wartet bereits im Hintergrund. Trotz der Eile und Hektik ist das Geschehen auch relativ sicher, da man sich auf den Überlieferungen des Genres ausruhen kann und nur die obligatorischen Stichworte bedienen muss.
Gelungen ist die auffrischende Idee der Einbringung mit einem heimlich trainierenden Unbekannten, der eben nicht auf dem Papier geführt wird und dann out of nowhere hervorplatzt. Schlecht ist eigentlich die Handhabung, da der nebulöse Typ samt Trainingsmethoden direkt aus einem ganz miesem Film kommt [ oder aus Shaolin Soccer, aber das ist ja nun eine Komödie ] und es trotzdem ernst gefilmt wird. Alle erdenklichen negativen Substanzen wie Injektionen, Tabletten und Strom werden dafür missbraucht, den Körper in einer diffus ausgeleuchteten Schwimmhalle zu stählen und gleichzeitig den Wahrscheinlichkeitsgehalt der eh schon aus ausgeleierten Story noch weiter zu extendieren.
Wundersamerweise stört es aber nicht, da so noch etwas Schmackes ins Geschehen einfliesst und man das Setting ja eh nicht für bare Münze nehmen kann und sollte.
Die unvermeidliche Love Story ist angenehm zurückhaltend inszeniert; zwar nicht so wirklich glaubhaft, aber der Schwerpunkt liegt auch auf der Schaffung einer weiteren Motivierung für den Endkampf: Durch Luthers Schergen fällt Jo Jo ins Koma.
Auch das Training wird abgekürzt; man bekommt schon noch genug mit, aber öfters wird auch nur eine videoclipartige Collage der Methodik und Fortschritte erstellt. Leung visualiert sowieso viel für die jüngere Generation; die Folge ist eine optisch unerwartet flashige Inszenierung mit einigen gekonnten Bildern vom Kameramann Poon Hung, der das Meiste aus dem sicherlich nicht ausschweifendem Budget herausholt.
Das Tournament selber geht nach etwas über einer Hälfte Laufzeit ins Rennen und wartet wie typisch mit den unterschiedlichsten Arten und Techniken auf, um den Wettbewerb und damit simultan den Unterhaltungswert hochzusteigern. Wrestling, Sumo, Aikido, Judo, Hung Gar Kung Fu, Boxen, Thai Boxen, Jeet Kuen Do und Gracie Jujitsu werden aufgefahren, wobei Jack wegen seiner körperlichen Schwäche das letztere erlernt hat. Sein Schwerpunkt liegt auf Hebel- und Würgetechniken beim Bodenkampf; Schläge und Tritte werden nur dazu benutzt, den Gegner zu einer Schutzreaktion verleiten zu lassen und die Distanz zu überwinden.
Hierbei macht der Film auch eine geschickte Querverbindung zur Realität: Royce Gracie, ein Sohn des Entwicklers dieser Technik Helio Gracie, gewann in den 70ern mehrmals das in den US ausgetragene "Ultimate Fighting Championship"; quasi das Gegenstück zum Filmgeschehen.
Leider stellt sich nun das schon früh erkennbare eigentliche Manko des Filmes heraus, die Actionszenen sind nämlich öfters nur Mittelmass. Teilweise unangenehm dünn wirkend; Leung nutzt auch ständig die gleichen, scheinbar trendigen Stilmittel von motion blur, um durch den Wechsel zu normalen Geschwindigkeiten über vermeintlich dynamischer wirkende Aufnahmen eine Akzentuierung zu erreichen. Wodurch er aber zumindest anfänglich jegliche Härte aus den Kämpfen herausnimmt; der ursprüngliche Impetus Bloodsport über 15 Jahre zuvor hat da eindeutig mehr zu bieten. Im Finale funktioniert es dann allerdings plötzlich ausgezeichnet; obwohl es sicherlich eh zweifelhaft und eine schwierige Angelegenheit war, aus den hiesig gecasteten Darstellern reelle Effektivität herauszukitzeln.
Die Besetzung mit Lau Kar Wing als Lehrmeister ist natürlich ein absoluter Glücksgriff; Lau bringt als Institution des Martial Arts Filmes jede unterstützende Glaubwürdigkeit und dazu noch genug Spielfreude mit, so dass sein Auftritt ein wahres Vergnügen ist. Das kann man von seinem [filmischen] Protégé und Hauptdarsteller Cyrus Wong leider nicht behaupten, aber für einen ehemaligen Babyactor [ Wong „spielte“ den Sohn von Inspector Kodijak in Mad Mission 3 und 4 ] mit ansonsten kaum Erfahrung mag es in Ordnung gehen; zumal er auch kampftechnisch als Anfänger gesetzt ist und so weniger überzeugend sein muss. Im Übrigen blitzt auch hier und da etwas Schalk auf, wird aber von der sonstigen Nicholas Tse – wannabe Attitüde wieder vergeigt; mehrere Songanspielungen aus seiner recht bescheidenen Debütplatte „Public Announcement“ zeugen zusätzlich von aufdringlichem Marketing.
Gegenpart Horace Lee hat zumindest den passend forschen, extrem überheblichen Gesichtsausdruck für seine Rolle; in Sachen Kampfsport ist das Talent zwar auch nicht in die Wiege gelegt worden, aber er macht seine Sache ganz ordentlich.
Die Mädels im Film sind alle sehr süss und niedlich; das langt schon.
In die Endbewertung fliesst das zwar nicht mit ein, aber ansonsten schlägt man sich angesichts des nicht wirklich heissgeschätzten Genres auch so recht wacker. Besonders im direkten Vergleich zu Legend of the Dragon, der genau das Gleiche als verquaste Esoterikstunde erzählte; Extreme Challenge bleibt von den HK Vertretern trotzdem noch Primus.